Ein Name, hunderte Nachrichten, ein Rücktritt: Der Epstein-Schatten erreicht das Weltwirtschaftsforum auf höchster Ebene.
Børge Brende legt sein Amt als Präsident des Weltwirtschaftsforums nieder – der Auslöser: bekannt gewordene Verbindungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Wie das WEF in einer offiziellen Mitteilung bekanntgab, sei Brende nach eingehender Reflexion zu diesem Entschluss gelangt. Der frühere norwegische Außenminister begründete seinen Schritt damit, dass das Forum seine Arbeit künftig ohne störende Nebendebatten fortführen können solle.
Dem Rücktritt war eine externe Untersuchung durch unabhängige Anwälte vorausgegangen, die sich mit Brendes Kontakten zu Epstein befasste. Diese sei mittlerweile abgeschlossen, ohne dass dabei Erkenntnisse zutage getreten wären, die über das bereits Bekannte hinausgehen, hieß es in der Mitteilung. Aus Unterlagen des US-Justizministeriums geht hervor, dass der Norweger drei gemeinsame Geschäftsessen mit Epstein hatte und darüber hinaus per E-Mail und SMS mit dem US-Millionär in Kontakt stand. Laut einem Bericht des Tages-Anzeigers belegen mehr als hundert kolportierte Nachrichten die Intensität dieser Verbindung.
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Prominente Rücktrittswelle
Brende reiht sich damit in eine wachsende Liste prominenter Persönlichkeiten ein, die im Zuge der Epstein-Affäre ihre Ämter niedergelegt haben. Bereits in der Vorwoche hatte Thomas Pritzker, Verwaltungsratschef der Hotelkette Hyatt, seinen Rücktritt erklärt. Auch die norwegische Diplomatin Mona Juul schied aus ihrem Amt aus, Kronprinzessin Mette-Marit entschuldigte sich öffentlich für frühere Kontakte zu Epstein, und der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang gab die Präsidentschaft des Instituts der Arabischen Welt auf.
Epstein hatte über Jahre ein weitverzweigtes System zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger betrieben und dabei Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel gepflegt. Im Juli 2019 wurde er festgenommen; einen Monat später wurde er tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden – der Tod wurde als Selbstmord eingestuft. Die US-Regierung hat nach erheblichem öffentlichen Druck zuletzt umfangreiche, teils geschwärzte Akten zu dem Fall freigegeben.
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WEF-Nachfolge
Roche-Vizepräsident Hoffmann und BlackRock-Chef Fink würdigten Brendes Leistungen, insbesondere seine Führungsrolle in einer bedeutenden Reformphase sowie das erfolgreiche Jahrestreffen in Davos. Zu diesem Treffen reisen alljährlich Tausende Wirtschaftsvertreter und hochrangige Politiker in den Schweizer Ort; im Jänner 2026 hielt unter anderem US-Präsident Donald Trump eine Rede und traf sich mit Politikern sowie Spitzenmanagern.
Brende war seit 2017 als WEF-Präsident tätig. Als Interimslösung hat der Stiftungsrat den bisherigen Managing Director des Forums, Alois Zwinggi, mit der kommissarischen Führung betraut.
Die Suche nach einer dauerhaften Nachfolge soll das Gremium nun einleiten.