Ein seltener Ebola-Stamm breitet sich im Osten des Kongo aus – ohne Impfstoff, ohne Therapie, mitten in einer Krisenregion.
Die Weltgesundheitsorganisation verzeichnet im Osten der Demokratischen Republik Kongo eine alarmierende Häufung von Ebola-Verdachtsfällen: Insgesamt 906 mögliche Infektionen und 223 mutmaßliche Todesfälle werden derzeit untersucht. Verantwortlich ist der seltene Bundibugyo-Stamm des Ebola-Erregers, dessen Ausbreitung sich auf mehrere Provinzen im Osten des Landes erstreckt.
Laborbestätigte Infektionen liegen bislang 125 vor, 17 Menschen sind daran gestorben. Als Schwerpunkte des Geschehens gelten die Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Auch im benachbarten Uganda wurden Infektionen festgestellt, von denen mehrere auf Einschleppungen aus dem Kongo zurückgeführt werden. Eine eigenständige Übertragungskette innerhalb Ugandas hat die WHO nach bisherigem Stand nicht bestätigt.
Internationaler Gesundheitsnotfall
Erschwerend kommt hinzu, dass gegen den Bundibugyo-Virus weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezifische Therapie zur Verfügung steht. Die WHO hatte den Ausbruch bereits am 17. Mai 2026 zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt – begründet mit der nach wie vor unklaren tatsächlichen Ausbreitung, der hohen Mobilität der Bevölkerung in der Region, der instabilen Sicherheitslage sowie dem Risiko einer weiteren grenzüberschreitenden Ausweitung.
WHO-Expertin Anais Legand beziffert die Sterblichkeitsrate bei bestätigten Fällen derzeit auf schätzungsweise 30 bis 50 Prozent. Frühzeitige medizinische Versorgung könne das Risiko eines tödlichen Verlaufs jedoch senken. Die WHO weist gleichzeitig darauf hin, dass die vorliegenden Daten noch vorläufigen Charakter haben und einer weiteren Überprüfung bedürfen.
Diese Zahlen decken sich mit historischen Erfahrungswerten: Beim ersten bekannten Ausbruch des Bundibugyo-Ebolavirus in Uganda in den Jahren 2007/2008 lag die Sterblichkeitsrate laut WHO- und CDC-Daten bei rund einem Drittel der bestätigten Fälle. Das US-Gesundheitsinstitut NIH gibt für Bundibugyo-Ebolavirus-Ausbrüche eine historische Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent an.
Strukturelle Hindernisse
Die Bekämpfung des Ausbruchs stößt auf erhebliche strukturelle Hindernisse: Bewaffnete Konflikte, Fluchtbewegungen großer Bevölkerungsgruppen sowie ein verbreitetes Misstrauen gegenüber staatlichen Stellen und medizinischen Einrichtungen erschweren die Arbeit der Gesundheitsorganisationen erheblich. Diese konzentrieren ihre Bemühungen darauf, Verdachtsfälle rascher zu identifizieren, Kontaktpersonen systematisch nachzuverfolgen und die Kapazitäten für diagnostische Tests zu erhöhen.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus reiste persönlich nach Kinshasa, um die internationale Hilfsmobilisierung vor Ort zu koordinieren. Ebola wird durch unmittelbaren Kontakt mit Körperflüssigkeiten erkrankter oder verstorbener Personen übertragen. Zu den typischen Krankheitszeichen zählen Fieber, ausgeprägte Schwäche, Schmerzen, Erbrechen sowie in schweren Verläufen innere und äußere Blutungen.
Gesundheitsbehörden appellieren an die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten, Verdachtsfälle unverzüglich zu melden und jeden Kontakt mit Erkrankten oder Verstorbenen ohne entsprechende Schutzausrüstung zu unterlassen.