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Körperliche Übergriffe

Missbrauchsvorwürfe gegen Lehrer in Österreich: Fast 20 Kinder betroffen

Missbrauchsvorwürfe gegen Lehrer in Österreich: Fast 20 Kinder betroffen
(Foto: Pexels)
3 Min. Lesezeit |

Zehn Meldungen, knapp 20 betroffene Kinder – und Berichte, die teils Jahre zurückliegen. Ein Fall erschüttert Salzburg.

Die Vorwürfe gegen einen ehemaligen Salzburger Lehrer haben erhebliches Gewicht: Der Mann war im Frühjahr vom Dienst suspendiert worden, nachdem mehrere Kinder von körperlichen Übergriffen und weiteren Formen grenzüberschreitenden Verhaltens berichtet hatten. Die Bildungsdirektion Salzburg erstattete daraufhin Anzeige, die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

Nachdem die Anschuldigungen öffentlich bekannt wurden, wandten sich weitere Familien an die Behörden – teils mit Schilderungen, die bereits Jahre zurückliegen. Die Meldefälle betreffen laut den Berichten einen Zeitraum zwischen dem Jahr 2000 und jüngst, wobei der älteste bekanntgewordene Fall rund 26 Jahre zurückliegt. Eine eigens von der Bildungsdirektion eingerichtete Ombudsstelle verzeichnet inzwischen zehn Meldungen. Ombudsmann Hans Rathgeb erklärt, darunter befänden sich auch Frauen, die bereits im Berufsleben stehen und von Erfahrungen aus ihrer eigenen Schulzeit berichten. Sämtliche geschilderten Vorfälle seien an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden.

Erste Vernehmungen

In der vergangenen Woche begannen die ersten sogenannten kontradiktorischen Vernehmungen der betroffenen Kinder. Bei diesem Verfahren werden Minderjährige von einer Sachverständigen in altersgerechter Form befragt, die Aussagen werden aufgezeichnet, und sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung können zugeschaltet werden und über die Sachverständige Fragen einbringen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die Kinder bei einem möglichen späteren Prozess erneut unmittelbar dem Beschuldigten gegenüberstehen müssen.

Opferanwältin Sabina Moser berichtet laut den Salzburger Nachrichten, dass die Kinder bei ihren Aussagen bereits bekannte Vorwürfe schilderten. Demnach soll der Lehrer ihnen wiederholt ins Ohr geflüstert haben. Außerdem hätten Kinder beschrieben, bei ihm auf dem Schoß oder Knie gesessen zu sein. Die Kinder hätten dabei deutlich gemacht, dass sie sich auf dem Schoß unwohl fühlten, sagt Moser. „Auch dieses Flüstern ganz nahe beim Ohr war sicherlich von den meisten nicht gewünscht.“

Kinderschutz im Fokus

Parallel dazu betreut die Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg mehrere betroffene Familien. Kinderschutzbeauftragte Janina Schönleben berichtet von Fällen, die teilweise viele Jahre zurückliegen. „Teilweise haben sie das damals den Eltern erzählt und die konnten damit nichts anfangen.“

Für die Kija-Expertin ist körperliche Nähe im Schulbereich ein Thema, bei dem genauer hingesehen werden müsse. „Aber vielen Eltern und Kindern ist das nicht so bewusst, weil das im Kindergarten noch normal ist.“ Man könne deshalb etwa in Kinderschutzkonzepten festlegen, dass Kinder nicht auf den Schoß genommen werden. Auch Eltern und Kinder müssten wissen, welche Grenzen gelten und an wen sie sich wenden können.

Für die betroffenen Familien steht vor allem eines im Vordergrund: eine vollständige und lückenlose Aufklärung der Vorfälle. „Es ist ihnen wichtig, dass nichts unter den Teppich gekehrt wird. Das ist auch für die Kinder wichtig: Wenn sie später einmal Fragen haben, sollen sie wissen, dass ihnen zugehört wurde“, sagt die Opferanwältin. Nach derzeitigem Stand sollen insgesamt knapp 20 Kinder befragt werden.

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KO KOSMO-Redaktion
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