Nach der Feuerhölle bei Omiš wird das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar: 40 Menschen wurden verletzt, sieben kämpfen um ihr Leben. Auf dem Brandgebiet wurde inzwischen eine Leiche gefunden – und am Nachmittag flammte das Feuer erneut auf.
Der Großbrand war am Donnerstagabend gegen 20.15 Uhr im Bereich Lokva Rogoznica bei Omiš ausgebrochen und hatte sich durch starken Wind mit enormer Geschwindigkeit ausgebreitet. Nach aktuellen Schätzungen wurden zwischen 900 und 1.000 Hektar Fläche ein Raub der Flammen. Zahlreiche Häuser, Autos und auch Boote wurden zerstört oder beschädigt.
Zeitweise mussten rund 1.000 Menschen aus den bedrohten Gebieten fliehen. Dramatische Szenen spielten sich auch an der Küste ab: 194 Menschen, die vor dem Feuer ins Meer geflüchtet waren, wurden von den Einsatzkräften gerettet.
40 Verletzte
Inzwischen hat das Universitätsklinikum Split seine Zahlen aktualisiert. Insgesamt wurden 40 Verletzte medizinisch behandelt, 14 von ihnen mussten im Krankenhaus bleiben. Sieben Patienten befinden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand. Einige der Schwerverletzten erlitten Verbrennungen auf 15 bis 60 Prozent ihrer Körperoberfläche.
Unter den Schwerverletzten befindet sich auch eine 17-Jährige. Mehrere Krankenhäuser in anderen Teilen Kroatiens haben dem KBC Split bereits Unterstützung angeboten, falls Patienten verlegt werden müssen.
Leiche gefunden
Am Freitagnachmittag folgte eine weitere erschütternde Nachricht. Polizisten fanden gegen 13.30 Uhr auf dem abgebrannten Gebiet eine tote Person. Die Identität ist bislang nicht bekannt. Auch steht noch nicht fest, ob die Person tatsächlich durch den Brand ums Leben kam.
Am Fundort wird unter Leitung der zuständigen Staatsanwaltschaft eine Untersuchung durchgeführt. Von einem bestätigten Todesopfer des Feuers kann daher derzeit noch nicht gesprochen werden.
Feuer flammt erneut auf
Am Freitagvormittag sah die Lage zunächst deutlich besser aus. Der kroatische Feuerwehrverband meldete gegen Mittag, dass sich das Feuer nicht mehr ausbreite und keine aktive Flammenfront mehr vorhanden sei. 210 Feuerwehrleute mit 61 Fahrzeugen waren zu diesem Zeitpunkt weiterhin im Einsatz.
Doch die Entwarnung hielt nicht lange. Am frühen Nachmittag flammte das Feuer erneut auf und griff über einen Bergrücken über. Kurz vor 15 Uhr waren laut aktuellen Berichten wieder drei Canadair-Löschflugzeuge über Omiš im Einsatz. Damit ist der Brand weiterhin nicht endgültig gelöscht.
Militär beteiligt
Auch die kroatischen Streitkräfte sind bereits an der Brandbekämpfung beteiligt. Die eingesetzten Canadairs und ihre Piloten gehören zur kroatischen Luftwaffe. Verteidigungsminister und Vizepremier Ivan Anušić erklärte am Freitag, dass das Militär auch für einen zusätzlichen Einsatz bereitstehe.
Sollte die Einsatzleitung Unterstützung anfordern, könnten auch Bodentruppen entsandt werden. Ein bestätigter Einsatz von Soldaten am Boden wurde bislang jedoch nicht bekannt gegeben. Die Streitkräfte unterstützen den Einsatz derzeit vor allem aus der Luft.
Plenković verspricht Hilfe
Premier Andrej Plenković reiste am Freitag persönlich nach Omiš und traf dort unter anderem Feuerwehrchef Slavko Tucaković, den Bürgermeister von Omiš sowie Vertreter von Polizei, Zivilschutz und Krankenhaus. Plenković kündigte finanzielle Unterstützung der Regierung für die Betroffenen und die Beseitigung der Schäden an.
Eine konkrete Summe wurde noch nicht genannt. Der Premier erklärte jedoch, die Regierung werde die Stadt Omiš und die Gespanschaft bei der Bewältigung der Folgen unterstützen. Zusätzlich wurde das kroatische Sozialsystem aktiviert: Betroffene sollen unter anderem leichter Zugang zu Einmalzahlungen, Unterkünften sowie psychologischer und sozialer Hilfe erhalten.
Auch aus anderen Teilen Kroatiens kommt Unterstützung. Die Stadt Sinj stellte bereits 20.000 Euro Soforthilfe für Omiš bereit.
Milanović vor Ort
Am Freitagnachmittag traf auch Kroatiens Präsident Zoran Milanović in Omiš ein. Er sprach von einem Ereignis, wie man es bisher kaum erlebt habe, und dankte Feuerwehrleuten sowie allen anderen Einsatzkräften. Seine Gedanken seien vor allem bei den Verletzten und deren Familien.
Milanović ließ zugleich offen, ob es sich ausschließlich um ein natürlich entstandenes Feuer gehandelt habe. Die genaue Brandursache ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Schaden noch unklar
Wie hoch der finanzielle Schaden ausfällt, kann derzeit noch nicht seriös beziffert werden. Eine offizielle Schadenssumme in Euro liegt bislang nicht vor. Fest steht jedoch, dass auf einer Fläche von bis zu 1.000 Hektar zahlreiche Gebäude, Fahrzeuge und Boote zerstört oder beschädigt wurden.
Feuerwehrchef Slavko Tucaković bezeichnete den Brand als einen der schwersten Brände der jüngeren kroatischen Geschichte. Das genaue Ausmaß der Zerstörung dürfte erst nach Abschluss der Löscharbeiten und einer vollständigen Schadensaufnahme feststehen.