Ein Geburtstagsvideo beim Boxen, ein Krankenhausaufenthalt auf Hawaii – und dann die Nachricht, die viele nicht fassen können.
Mehrere US-amerikanische Medien berichten übereinstimmend vom Tod des Schauspielers und Kampfsportlers Chuck Norris im Alter von 86 Jahren. Seine Familie bestätigte die Nachricht am Freitag in einem emotionalen Statement. Demnach starb Norris am Donnerstagmorgen im Kreis seiner Angehörigen. Nur wenige Tage zuvor hatte er noch seinen 86. Geburtstag gefeiert und dazu ein Video veröffentlicht, das ihn beim Training mit Boxhandschuhen zeigt. Zuvor war bekannt geworden, dass er auf der hawaiianischen Insel Kauai nach einem medizinischen Notfall in ein Krankenhaus eingeliefert worden war.
In Anlehnung an die berühmten Chuck-Norris-Witze schrieb er zu dem Geburtstagsclip: „Ich werde nicht älter. Ich steige ein Level auf.“ Genau dieser Satz passt im Rückblick zu einer Karriere, die ihn weit über das klassische Actionkino hinaus zu einer Kultfigur machte. Norris war nicht nur Schauspieler, sondern zuvor bereits ein hochdekorierter Kampfsportler, der sich seinen Namen lange vor Hollywood in der Karate-Szene aufgebaut hatte.
Vom Karate-Champion zur Leinwand-Ikone
Geboren wurde Chuck Norris als Carlos Ray Norris am 10. März 1940 in Ryan im US-Bundesstaat Oklahoma. Seine Kindheit galt als schwierig, später diente er bei der US Air Force und kam während seiner Stationierung in Südkorea erstmals intensiv mit Kampfsport in Berührung. Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten begann er eine bemerkenswerte Karriere als Karatekämpfer. In den 1960er Jahren gewann er zahlreiche bedeutende Turniere und wurde zu einem der bekanntesten Gesichter des professionellen Karate in den USA. Norris war mehrfach Weltmeister und gründete später mit Chun Kuk Do sogar seinen eigenen Kampfstil.
Sein Weg nach Hollywood führte über seine Kampfsportschulen, in denen auch Prominente trainierten. Den entscheidenden Schritt zur Leinwandlegende machte er 1972 mit seinem Auftritt an der Seite von Bruce Lee in „Way of the Dragon“. Der Kampf zwischen Bruce Lee und Chuck Norris gilt bis heute als eine der berühmtesten Martial-Arts-Szenen der Filmgeschichte. Genau dieser Film machte Norris international bekannt und öffnete ihm die Tür zum Actionkino.
In den Jahren danach etablierte er sich als Star eines eigenen Genres. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen „Breaker! Breaker!“, „A Force of One“, „The Octagon“, „An Eye for an Eye“, „Missing in Action“, „Code of Silence“, „Invasion U.S.A.“ und „The Delta Force“. Besonders in den 1980er Jahren wurde Chuck Norris zu einem festen Bestandteil des amerikanischen Actionkinos. Während andere Stars des Genres stärker auf große Effekte und markige One-Liner setzten, verkörperte Norris meist den disziplinierten, stillen und kompromisslosen Kämpfer. Genau dieses Image machte ihn für Millionen Fans so glaubwürdig.
„Walker, Texas Ranger“ machte ihn unsterblich
Seinen größten Popularitätsschub erlebte Norris jedoch im Fernsehen. Von 1993 bis 2001 spielte er die Hauptrolle in der Erfolgsserie „Walker, Texas Ranger“. Dort wurde er endgültig zum Symbol des unbestechlichen, moralisch klaren Actionhelden. Die Serie machte ihn weit über das Kino hinaus zum TV-Star und brachte ihn in zahllose Wohnzimmer. Für viele Zuschauer war Chuck Norris fortan nicht mehr nur Schauspieler, sondern eine Art amerikanische Legende in Cowboyhut und Jeans.
In den 2000er Jahren bekam seine Karriere dann noch einmal eine ganz neue Dimension. Mit den weltweit verbreiteten „Chuck Norris Facts“ wurde er endgültig zur Popkultur-Ikone. Die Internet-Witze über seine angeblich übermenschlichen Fähigkeiten machten ihn auch bei einer jüngeren Generation berühmt. Kaum ein anderer Actionstar schaffte es, Jahrzehnte nach seinem Karrierhöhepunkt noch einmal auf so ungewöhnliche Weise weltweit relevant zu werden.
Beziehungen, Familie und Kontroversen
Privat war Chuck Norris zweimal verheiratet. Seine erste Ehe führte er mit Dianne Holechek, mit der er zwei Söhne hatte. Später wurde auch bekannt, dass er eine Tochter aus einer früheren Beziehung hatte. Seit 1998 war er mit Gena O’Kelley verheiratet, mit der er Zwillinge bekam. In späteren Jahren zog er sich zunehmend aus dem Rampenlicht zurück, auch um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen.
Große klassische Hollywood-Skandale blieben bei Norris eher aus. Für Schlagzeilen sorgte er stattdessen vor allem mit seinen politischen Positionen. Er galt als überzeugter konservativer Christ und unterstützte offen republikanische Politiker. Auch ein Rechtsstreit rund um die gesundheitlichen Beschwerden seiner Frau machte international Schlagzeilen. Norris war also nie der typische Boulevard-Star mit wilden Exzessen – seine Kontroversen lagen eher im politischen und gesellschaftlichen Bereich.
Zuletzt stand er nur noch selten vor der Kamera. Sein späteres Comeback in „The Expendables 2“ wurde von vielen Fans gefeiert, danach wurde es ruhiger um ihn. Einer seiner letzten Filmauftritte war „Agent Recon“. Was Chuck Norris berühmt gemacht hat, war letztlich die seltene Kombination aus echter Kampfsport-Karriere, harter Leinwandpersona, Fernseherfolg und Internet-Mythos. Mit seinem Tod endet nicht nur das Leben eines Schauspielers, sondern auch ein ganz eigenes Kapitel der Popkultur.