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Studie

Antidepressiva absetzen: Entzugssymptome werden oft falsch gedeutet

Antidepressiva absetzen: Entzugssymptome werden oft falsch gedeutet
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2 Min. Lesezeit |

Reizbar, nervös, verstimmt nach dem Absetzen von Antidepressiva – was viele für einen Rückfall halten, könnte eine ganz andere Ursache haben.

Wer Antidepressiva absetzt und dabei Symptome wie Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen erlebt, zieht daraus häufig einen falschen Schluss: Viele Betroffene und auch Behandelnde interpretieren diese Beschwerden als Rückfall in eine psychische Erkrankung – dabei handelt es sich in zahlreichen Fällen schlicht um Entzugserscheinungen. Eine neue Studie mit dem Titel „Hidden costs: the clinical and research pitfalls of mistaking antidepressant withdrawal for relapse“, die 2024 in der Fachzeitschrift „Psychotherapy and Psychosomatics“ (Band 94, Heft 1, DOI: 10.1159/000542437) erschienen ist, liefert dafür nun wissenschaftliche Belege und stellt zugleich die Frage, ob eine dauerhafte Einnahme von Antidepressiva tatsächlich so häufig notwendig ist, wie bisher angenommen.

Wellenartiger Verlauf

Für die Untersuchung begleitete ein Forschungsteam unter Federführung der Kalaidos Fachhochschule Zürich insgesamt 32 Erwachsene über einen Zeitraum von 26 Wochen beim schrittweisen Ausschleichen eines Antidepressivums. An der Studie waren außerdem die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die Universität Zürich sowie das King’s College London beteiligt.

Sobald die Dosis reduziert wurde, verstärkten sich Beschwerden wie Nervosität, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen merklich – bei gleichbleibender Dosierung klangen dieselben Symptome jedoch wieder ab. Dieser sogenannte wellenartige Verlauf gilt als typisches Merkmal von Entzugserscheinungen und unterscheidet sich klar vom Bild eines echten Rückfalls in eine Depression oder Angststörung.

Klare Handlungsempfehlung

Studienleiter Michael Hengartner von der Kalaidos Fachhochschule Zürich leitet aus diesen Befunden eine konkrete Handlungsempfehlung ab: „Wer nach einer Dosisreduktion rasch emotionale Beschwerden entwickelt, braucht in den meisten Fällen nicht mehr Medikament, sondern sollte langsamer und mit kleineren Dosisreduktionen absetzen.“ Ein behutsames Vorgehen beim Absetzen könne demnach dazu beitragen, Fehlinterpretationen zu vermeiden und unnötige Rückschlüsse auf einen Rückfall zu verhindern.

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KO KOSMO-Redaktion
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