Wer in Österreich einen Wahlarzt aufsucht, muss tief in die Tasche greifen. Die Rückerstattung durch die Krankenkassen deckt oft nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten.
Die Kosten für Wahlarztbesuche entwickeln sich zunehmend zur finanziellen Hürde für Patienten ohne private Zusatzversicherung. Dies belegt eine aktuelle Erhebung der Vergleichsplattform krankenversichern.at, die 1.590 Ordinationen in ganz Österreich unter die Lupe nahm. Die Untersuchung zeigt, dass sich im privaten Gesundheitssektor mittlerweile eine deutliche Preisuntergrenze etabliert hat. Mit Ausnahme der Allgemeinmediziner, die durchschnittlich 108 Euro berechnen, und der Dermatologen mit 149 Euro, verlangen alle anderen untersuchten Facharztgruppen mehr als 150 Euro für eine Erstordination. Sebastian Arthofer, Geschäftsführer von krankenversichern.at, weist darauf hin, dass Patienten den Großteil dieser Kosten selbst tragen müssen, da die Rückerstattung der Krankenkassen meist auf 80 Prozent des deutlich niedrigeren Kassentarifs begrenzt ist.
Die Radiologie führt die Kostentabelle mit durchschnittlich 268 Euro an, wie ein Rechenbeispiel verdeutlicht. Wenn ein Patient diese Summe für eine private MRT-Untersuchung bezahlt, erstattet die gesetzliche Krankenversicherung lediglich einen Bruchteil davon zurück. Da die Kasse nur 80 Prozent des fiktiven Kassenvertragstarifs übernimmt – nicht der tatsächlichen Rechnung – erhalten Patienten erfahrungsgemäß nur zwischen 10 und 20 Prozent des gezahlten Betrags zurück. Konkret bedeutet dies: Von den 268 Euro fließen lediglich 30 bis 50 Euro zurück in die Tasche des Patienten, während mehr als 200 Euro als Selbstbehalt verbleiben.
Preistreibende Faktoren
Für die erheblichen Preisunterschiede macht Arthofer drei zentrale Faktoren verantwortlich. Erstens den Zeitfaktor: Ein Honorar von 200 Euro erscheint in einem anderen Licht, wenn man bedenkt, dass Wahlärzte für Erstordinationen häufig 30 bis 60 Minuten einplanen. Im Vergleich dazu müssen Kassenärzte den gleichen Umsatz oft in nur 5 bis 10 Minuten erwirtschaften, wie Arthofer erläutert.
Zweitens den technischen Faktor: Besonders in Fachbereichen wie Radiologie oder Augenheilkunde müssen kostspielige Geräte ohne Kassenfinanzierung angeschafft werden – Investitionen, die sich direkt im Honorar niederschlagen. Drittens den Verfügbarkeitsfaktor: In Fachrichtungen mit extremen Wartezeiten, etwa bei Kinder- und Jugendpsychiatern oder Hautärzten, bestimmt laut Arthofer die Nachfrage den Preis. Das höhere Honorar fungiere oft als Gebühr für die Möglichkeit, einen Termin innerhalb weniger Tage statt erst nach mehreren Monaten zu erhalten.
Regionale Unterschiede
Die Untersuchung offenbart zudem deutliche regionale Preisunterschiede. Niederösterreich erweist sich mit durchschnittlich 314 Euro als teuerste Region für radiologische Untersuchungen. Im direkten Vergleich zahlen Patienten in Oberösterreich für identische Leistungen durchschnittlich nur 197 Euro. „Dieser Unterschied lässt sich oft durch die Dichte an Kasseninstituten und die daraus resultierende Preisgestaltung der Wahlärzte erklären“, erläutert Arthofer.
Wien zeigt ein differenziertes Bild, das laut dem Versicherungsexperten charakteristisch für Großstadtregionen ist: Bei beratungsintensiven Fachärzten wie Urologen (310 Euro) oder Radiologen (289 Euro) rangiert die Hauptstadt im oberen Preissegment. „Hohe Mieten und Gehälter in der Stadt treiben hier die Kalkulation“, erklärt Arthofer.
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Überraschenderweise sind Hausärzte in Wien mit durchschnittlich 100 Euro vergleichsweise günstig. Die hohe Dichte an Allgemeinmedizinern sorgt hier für einen Wettbewerb, der preisdämpfend auf die Erstversorgung wirkt.