Dr. Radoš Đinović, Gründer und Direktor des Sava Memorial Hospital in Belgrad, zählt heute zu den international anerkannten Experten der urogenitalen rekonstruktiven Chirurgie. Seine Laufbahn wurde maßgeblich durch die Ausbildung bei dem legendären Prof. Dr. Sava Perović geprägt, der weltweit als Pionier dieses Fachgebiets galt. Die Zusammenarbeit mit Perović beschreibt Đinović als entscheidende Phase seiner beruflichen Entwicklung, da die urogenitale rekonstruktive Chirurgie bis heute international nur in wenigen hochspezialisierten Zentren umfassend beherrscht wird.
In Belgrad werden zahlreiche Patientinnen und Patienten aus dem Ausland behandelt, zugleich reisen jedes Jahr rund 50 Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Ländern an, um sich dort weiterzubilden.
Ein zentraler Schwerpunkt der Arbeit sind angeborene urogenitale Fehlbildungen bei Kindern, die häufig komplexe und individuell angepasste operative Lösungen erfordern. Besonders häufig treten Hypospadien bei Buben auf, bei denen die Harnröhrenöffnung nicht an der normalen Position liegt. Solche Eingriffe sind mikrochirurgisch äußerst anspruchsvoll und dauern oft mehrere Stunden. Ziel jeder Behandlung ist ein langfristig stabiles funktionelles und anatomisches Ergebnis, weshalb Operationen meist in einem geeigneten Zeitfenster vor der Pubertät erfolgen und je nach Schweregrad auch mehrere Eingriffe notwendig sein können.

Auch bei Mädchen kommen komplexe Entwicklungsstörungen der Geschlechtsorgane vor, darunter sogenannte DSD-Varianten (Disorders of Sex Development). Die chirurgische Behandlung erfordert besondere Vorsicht, da funktionelle Schäden unbedingt vermieden werden müssen. Nach erfolgreicher Therapie können die meisten Patientinnen und Patienten später ein normales Sexualleben führen und häufig auch eigene Kinder bekommen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Klinik ist die operative Geschlechtsangleichung. Dr. Đinović betont, dass es sich dabei um eine ernsthafte medizinische Fragestellung handelt, die strenge diagnostische Verfahren erfordert. Operationen erfolgen ausschließlich nach gesicherter Diagnose durch unabhängige psychiatrische Gutachten sowie nach umfassender Vorbereitung, häufig einschließlich hormoneller Therapie und rechtlicher Anpassungen. Ziel ist es, Fehlentscheidungen zu vermeiden und langfristig stabile Ergebnisse zu erzielen. Die Eingriffe selbst sind hochkomplex und werden häufig in mehreren Operationsschritten durchgeführt.

Neben der Behandlungstätigkeit spielt die internationale Wissensvermittlung eine zentrale Rolle. In Belgrad werden jährlich Dutzende Ärztinnen und Ärzte aus aller Welt ausgebildet, während Dr. Đinović seine Methoden regelmäßig auf internationalen Kongressen präsentiert. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der rekonstruktiven Chirurgie ermöglicht heute auch bei schwersten Fehlbildungen Ergebnisse, die vielen Betroffenen ein weitgehend normales Leben mit Partnerschaft, Sexualität und Familienplanung eröffnen.