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GESCHICHTE

Balkan Stories: Mirko schenkt mir seinen Kaiserschmarren

Balkan Stories: Mirko schenkt mir seinen Kaiserschmarren
(Foto: Balkan Stories/zVg.)
10 Min. Lesezeit |

Die bosnische Gemeinde Travnik ehrt ihren bekanntesten Sohn mit einer im engsten Wortsinn diplomatisch-künstlerischen Performance. Diplomatische Vertreter in Bosnien tauchen ein in die „Zeit der Konsuln“ – und nebenbei kommt es zu spontaner völkerverständigender Diplomatie.

Robert Lisle müht sich ab vor dem Turm der mittelalterlichen Festung in Travnik in Zentralbosnien.

Der Posaunist der österreichischen Gardemusik hat die Klassiker durch und stimmt das Hauptthema von Star Wars an.

Es ist warm, die Sonne strahlt. Über den Bergen ziehen drohende Wolken auf.

Robert schwitzt ein wenig in der Uniform und muss sich überlegen, was er als nächstes spielt.

„Es war alles sehr kurzfristig“, sagt er. „Meine Anordnung war: Komm rauf, und spiel.“

Nur, was er spielen soll, hat ihm niemand gesagt, und das macht es auch für einen wie Robert schwierig.

Als Posaunist der Gardemusik des österreichischen Bundesheeres kann man ihn ohne Umschweife als einen der besten Blasmusiker Österreichs bezeichnen.

Irgendetwas hat nicht ganz geklappt mit der Koordinierung der Planung zwischen der Stadt Travnik, dem Heimatmuseum und der österreichischen Botschaft, die heuer die Aufführung von „Die Zeit der Konsuln“ (Travnička hronika) von Ivo Andrić sponsert.

Bemerken tun das allenfalls Feinspitze.

Dieser verdammte bosnische Sommer

Und alles, was der Planung von Enes Škrgo direkt unterliegt, klappt sowieso wie am Schnürchen.

Enes ist anerkannter Experte für den jugoslawischen Literaturnobelpreisträger Ivo Andrić und leitet das Museum im Geburtshaus des Schriftstellers und Diplomaten in der zentralbosnischen Kleinstadt.

Er ist gleichsam Schöpfer der heutigen Veranstaltung.

Das Konzept ist so einfach wie risikoreich: Der Roman formt die Klammer, innerhalb derer Teile des Romans an Originalschauplätzen in der Stadt aufgeführt werden, und innerhalb derer diplomatische Vertreter in Bosnien die Stadt kennenlernen können, die immerhin 150 Jahre lang der osmanische Verwaltungssitz in Bosnien war.

Im Vorjahr hat die französische Botschaft die Patronanz übernommen, heuer ist es Österreichs Botschafterin in Bosnien, Ulrike Hartmann.

Das ist passend. Kernstück des Romans sind die Bemühungen des österreichischen und französischen Konsuls Anfang des 19. Jahrhunderts, die Gunst des osmanischen Vezirs in Bosnien zu erringen – und ihre Intrigen gegeneinander.

Das Einzige, was nicht in Enes‘ Planungsbereich liegt, ist das Wetter.

Das ist in diesem bosnischen Sommer außer wechselhaft wechselhaft.

Pünktlich, als die österreichische und die französische Botschafterin und der deutsche und der chinesische Botschafter eingetroffen sind und einem Freiluftkonzert auf der Festung beiwohnen sollen, beginnt es zu schütten.

Man weicht in einen kleinen Saal im Nebengebäude aus.

Regenschirme sind sofort bei der Hand, damit die Teilnehmer auf dem kurzen Weg nicht nass werden.

Enes hat vorgesorgt.

Schauspieler Matej Baškarad schlüpft aus dem Vezir- ins Franziskanerkostüm und gibt mit einem der Schlüsseltexte des Romans eine Einführung ins Geschehen.

Begleitet wird sie von einem Liederreigen des Travniker Ensembles Ad Libidum.

Es ist in letzter Sekunde von der Freiluftbühne ins Kämmerchen geflüchtet.

Die Tür geht auf, und ein großgewachsener graumelierter Mann bestritt strahlend den dunklen Saal.

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KO KOSMO-Redaktion
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