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GESCHICHTE

Balkan Stories: Mirko schenkt mir seinen Kaiserschmarren

Balkan Stories: Mirko schenkt mir seinen Kaiserschmarren
(Foto: Balkan Stories/zVg.)
10 Min. Lesezeit |

Auch für Travniker wird die Veranstaltung interessant

Mittlerweile stellen sich die Botschafter und Botschafterinnen um einen Teller an.

Auch der chinesische samt seiner Gattin.

Jetzt wagen sich auch die erwachsenen Bosnier langsam an die Sache heran.

Ich stelle mich auch an.

„Du schaust aus, als könntest eine große Portion vertragen“, sagt mir einer der EUFOR-Köche mit Kennerblick.

„Wenn du magst, kannst dir gerne Nachschlag holen.“

Der Bürgermeister unterschreibt am Hauptplatz schnell ein Empfehlungsschreiben für eine Travnikerin.

Unser Tross geht weiter, und mittlerweile haben sich auch Einheimische angeschlossen.

Wir machen Halt vor dem Cafe Konsul, benannt nach dem Roman.

Der Tanz der Liebe

Der Platz vor dem Cafe ist Schauplatz für ein weiteres Kapitel aus dem Roman: Salko und Agata.

Albina Huskić und Ivan Salonski führen die Liebesgeschichte des jungen Travnikers und der Diplomatentochter als Ballettstück auf.

Die Choreographie stammt von Jovana Milosavljević–Lovrenović und Ivan.

Alle drei sind Mitglieder der Ballett-Kompanie des bosnischen Nationaltheaters in Sarajevo.

Es ist eine Aufführung auf höchstem Niveau.

Man hat keine Mühen gescheut, um den Roman und den Autor dem Publikum näherzubringen.

Diese Aufführung ist lebendig, frisch und engagiert, im Gesamten wie in ihren Teilen.

So vermeidet die Stadt Travnik das Risiko, das das einfache Konzept der Veranstaltung birgt: Dass es ins Klischeehafte abrutscht, im Banalen steckenbleibt.

Was man hat, wird spannend und kreativ eingesetzt.

Die Sache mit der Bibliothek

Das gilt auch für das, was man nicht mehr hat.

Gemeinsam mit den Botschaftern enthüllt Bildhauer Damir Šabić eine neue Skulptur von Ivo Andrić in der Stadtbibliothek.

Das Publikum ist mittlerweile dichtgedrängt.

Zu dicht, als dass mein Foto gelingen würde.

Mirsad Mujanović, Fotograf aus Travnik hat das in seiner Fotoserie deutlich besser geschafft.

Eine ambivalentere Ehrung für den bedeutendsten Sohn der Stadt als es auf den ersten Blick scheinen mag.

Bis im Krieg in den 90-ern war diese Bibliothek nach Ivo Andrić benannt.

Der Schriftsteller hatte dem nur widerwillig zugestimmt. Er wollte nichts nach ihm Benanntes.

Hier konnte er nur schlecht Nein sagen.

Mit dem Geld für seinen Literaturnobelpreis hatte er den Ausbau öffentlicher Bibliotheken in Bosnien finanziert.

Warum sollte da nicht seine Geburtsstadt die von ihm finanzierte Bibliothek nach ihm benennen?

Dass es ein Trick der Travniker war, damit sie auch im Geburtshaus ein Ivo Andrić-Museum einrichten konnten – geschenkt.

Im nationalistischen Furor der 90-er beschloss der Travniker Gemeinderat, dass die städtische Bücherei nicht mehr den Namen von Ivo Andrić tragen sollte.

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KO KOSMO-Redaktion
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