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GESCHICHTE

Balkan Stories: Mirko schenkt mir seinen Kaiserschmarren

Balkan Stories: Mirko schenkt mir seinen Kaiserschmarren
(Foto: Balkan Stories/zVg.)
10 Min. Lesezeit |

Der Brite hat den coolsten Regenschirm

„Britain has arrived“, sagt der britische Botschafter mit einem Hauch von Selbstironie, und gleichwohl verspätet, erweist er sich als der wohl am besten vorbereitete Gast der Veranstaltung.

Der Mann hat seinen eigenen Regenschirm, ganz durchdesignt mit Union Jack und der Aufschrift „British Foreign Service“.

Wer, wenn nicht ein Brite, hat immer einen Regenschirm dabei?

Noch dazu einen, der sowohl übersteigertes Selbstbewusstsein wie Selbstironie in Einem ist.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der Brite hat den coolsten Regenschirm.

Die Machtverhältnisse haben sich seit Ivo Andrić umgekehrt

Als wir in die Stadt hinuntergehen, geführt von Enes und Matej, ist freilich der chinesische Botschafter der Beliebteste.

„My ambassador“, spricht ihn Amir an, der Chauffeur von Travniks Bürgermeister Kenan Dautović.

Dautović hat Amir voriges Jahr auf eine längere Schulung in China geschickt.

Und wenn Amir den chinesischen Botschafter schon in Beschlag genommen hat, nutzt der Bürgermeister die Gelegenheit.

„Warum feiert ihr das chinesische Neujahr nicht einmal in Travnik?“, lobbyiert er.

Heute buhlen nicht die Diplomaten um die Gunst der Mächtigen in Travnik.

Die Mächtigen in Travnik buhlen um die Gunst der Diplomaten.

Auch die Freundlichkeit und das merkbare Interesse der heute anwesenden Botschafter heute in Travnik – mit Ausnahme des Chinesen sprechen alle sehr gut bis fließend die Sprache ohne Namen – können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bosnien de facto ein EU-Protektorat ist, politisch wie vor allem ökonomisch.

Die Botschafter Österreichs, Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens (v.l.n.r.) (Foto: Balkan Stories)

Die kulinarischen Botschafter Österreichs und Mirkos Diplomatie

Am Hauptplatz Travniks bereiten zwei Köche des österreichischen EUFOR-Kontingents unter einem Zelt Kaiserschmarren zu. Serviert mit Original Zwetschgenröster von Darbo.

Daneben spielt eine Abordnung der Gardemusik, der besten Musikeinheit des österreichischen Bundesheeres.

Am süßspeisenverliebten Balkan erscheint Kaiserschmarren eine sichere Sache, wenngleich die Bosnier etwas zurückhaltend sind.

So ein Kaiserschmarren sieht ungewohnt aus für hiesige Augen – zumindest für Erwachsene.

Die Kinder sind deutlich interessierter an der für sie exotischen Süßspeise.

Ein fünf- oder sechsjähriger Bub marschiert mit einer Portion Kaiserschmarren über den Hauptplatz.

Ich will ihn fotografieren – am besten so, dass man ihn nicht genau erkennt, sondern nur den Kaiserschmarren.

Man muss ja Kinder nicht unbedingt aus der Nähe fotografieren, so aus Prinzip.

Der Kleine sieht das, und hält mir seinen Teller entgegen.

„Willst du?“, fragt er mich.

„Willst du nicht mehr?“

„Ich kann nicht mehr“, sagt er.

„Bist du dir sicher? Das ist ja was sehr Gutes“.

„Gut ist es schon. Aber ich kann nicht mehr“, sagt der Kleine.

Mirko heißt er, sagt mir seine Mutter.

„Mirko, willst du wirklich nicht mehr? Als Kind habe ich das immer sehr gerne gegessen.“

„Nein, ich will nicht mehr.“

Immer noch streckt mir Mirko seinen Teller entgegen.

Ich nehme ihn.

So einen Kaiserschmarren kann man nicht verkommen lassen.

Spontane völkerverständigende Diplomatie sozusagen.

Sehr gut gelungen ist er, wenn auch vielleicht etwas auf der festen Seite gelandet.

Aber das ist Kritik auf höchstem Niveau. Wahrscheinlich war das ideale Mehl kurzfristig nicht verfügbar.

Wie viele Teller Mirko gegessen haben mag?

Lesen Sie mehr auf der nächsten Seite!

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KO KOSMO-Redaktion
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