Ein Teil der komplizierten und politisierten Rezeptionsgeschichte von Ivo Andrićs Werk, über das ihr HIER mehr lesen könnt.
Mittlerweile scheinen viele eingesehen zu haben, dass die Umbenennung der Bücherei ein Fehler war.
Wie mir Enes sagt, gibt es eine Initiative von Travniker Gemeindebürgern, der Bibliothek den alten Namen zurückzugeben.
Wie könnte man auch anders, wenn seit der heurigen Travnička hronika-Aufführung eine Skulptur des Schriftstellers vor dem Gebäude steht?
Allein, Politik geht nicht immer logische Wege. In Bosnien tut sie das vielleicht noch weniger als andernorts.
Matej schlüpft ein letztes Mal in ein neues Kostüm.
Im Innenhof des Ivo Andrić-Geburtshausmuseums gibt er Josef von Mitterer, den österreichischen Konsul aus dem Roman.
Der schildert seine Gedanken über die Stadt.
Im Veranstaltungssaal des Museums stellen örtliche Initiativen dem internationalen Publikum ihre Projekte vor.

Von der Renovierung des Feuerwehrhauses bis zum Naturzentrum im nahegelegenen Wald.
Travnik, so die Botschaft, lebt nicht nur von seiner Geschichte und seinem bekanntesten Sohn sondern möchte auch eine Zukunft haben.
Dass das auch ein subtiles Herumreichen des Spendenhuts ist – geschenkt.
Es ist kein reiches Land. Es ist keine reiche Stadt.
Dass Bosnien de facto EU-Protektorat ist, ändert nichts daran.
Es macht es schlimmer.
Das können auch die EU-Botschafter nicht ändern, die heute da sind.
Das ist nicht ihre Aufgabe.
Es sind die Parlamente und Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten, die die Politik gegenüber Bosnien machen.
Eine Politik meist zugunsten von EU-Konzernen, wie österreichischen Banken und deutschen Handelsketten.
Die bosnische Politik bemüht sich in der Regel einzig um die Verteilung der Brosamen, die diese Politik übriglässt.
Die Politik der EU-Mitgliedsstaaten gegenüber Bosnien muss sich ändern, wenn sich etwas in Bosnien ändern soll.
Vielleicht sind Veranstaltungen wie diese ein kleiner Anfang.
Sie zeigen das Land als einen Ort mit Menschen, mit Geschichte, mit Hoffnungen und Plänen.
Balkan Stories, Christoph Baumgarten
Christoph Baumgarten ist Journalist und Balkanreisender aus Leidenschaft. Seit 2015 verbindet er beide Leidenschaften auf seinem Blog Balkan Stories. Dort versucht er, Geschichten zu erzählen, für die es in größeren Medien meist keinen Platz gibt und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.
Mehr von Christoph könnt ihr unter balkanstories.net nachlesen.