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INTERVIEW

Michael Ludwig: „Wien ist Weltmeister im sozialen Wohnungsbau“

FOTO: Radule Bozinovic

INTERVIEW. Der Stadtrat für Wohnen und Wohnbau, Dr. Michael Ludwig, spricht über steigende Mieten, die Wohnsituation der Migranten sowie die führende Rolle der Stadt Wien in der Welt.

Kosmo: In der letzten Zeit ist viel von steigenden Mieten die Rede. Wie kann moderner Wohnraum geschaffen werden, der gleichzeitig auch finanziell leistbar ist?
M.L.: Wir gehören zu den Städten mit dem höchsten Bevölkerungswachstum in der EU. Das zeugt auch von der hohen Lebensqualität, denn die Menschen kommen gerne nach Wien, um hier zu leben. Aus diesem Grunde ist auch die Nachfrage nach Wohnraum stark gestiegen, was die Preise und die Kosten auf dem privaten Wohnungsmarkt in die Höhe treibt. Aber man darf nicht vergessen, dass Wien dank seiner langjährigen umsichtigen Wohnungspolitik einen hohen Prozentsatz an subventionierten Wohnungen besitzt. Und die Mieten dieser Wohnungen liegen nicht oberhalb der Inflationsgrenze.

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Einige Vermieter berechnen Kosten, die uns bisweilen ungerecht erscheinen. Was kann man in solchen Situationen tun?
Für solche Fälle gibt es eine Vielzahl an Institutionen: Kostenlose Unterstützung bieten wir allen Mietern im Rahmen der Mieterhilfe. Auch ein Rechtshilfefonds wurde gegründet. Und wenn es um Sanierungen geht, dann kann man sich in Zweifelsfällen an die Gebietsbetreuung wenden. Außerdem bietet der Wohnfonds Wien privaten Eigentümern von Wohnobjekten finanzielle Mittel zur Sanierung an. Und schließlich gibt es auch die Schlichtungsstelle, mit deren Hilfe Mieter außergerichtlich den Versuch einer Vermittlung oder eines Vergleichs mit den Vermietern unternehmen können. Und 90 von 100 Mietern, die sich an diese Stelle gewandt haben, haben ihre Probleme erfolgreich gelöst.

Eine Untersuchung der Medien-Service-Stelle Neue Österreicher/Innen hat gezeigt, dass es bei der Wohnsituation Unterschiede zwischen Migranten und Österreichern gibt. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?
Ich glaube, dass man diese Untersuchung tiefergehend und detaillierter betrachten müsste. Ich würde sagen, dass die Unterschiede innerhalb der Gruppen oft größer sind, als die zwischen ihnen. Es stimmt, dass Migrantenfamilien häufig aus mehr Mitgliedern bestehen und dass die Quadratmeterzahl nicht gemeinsam mit der Familie wächst. Der Grund dafür ist auf der einen Seite das Wohnungsangebot und auf der anderen die Einkommensstruktur. Darum denken wir auch immer häufiger über die Wohnungsgröße nach und planen neue Maßnahmen.

WOHN-TICKET. „Ein größeres Angebot durch Vereinheitlichung des Zugangs und der Vergabekriterien.“

Wenn von der Vergabe der Gemeindewohnungen die Rede ist, hört man verschiedene Vorurteile. Kürzlich wurde das sogenannte Wohn-Ticket eingeführt, das den Prozess transparenter machen soll. Wie bewerten Sie den bisherigen Erfolg dieser Maßnahme?
Ich glaube, dass wir schon seit Jahren ein transparentes System besitzen. Und mit dem Wohn-Ticket, das heißt, mit der Vereinheitlichung des Zugangs und der Vergabekriterien, ist ein noch größeres und übersichtlicheres System entstanden. Die Menschen müssen sich nicht mehr an verschiedene Behörden wenden, die für das allgemeine und subventionierte Wohnen zuständig sind, sondern nur noch an eine, und das ist die Wohnberatung Wien.

Der soziale Wohnungsbau der Stadt Wien gilt innerhalb der Europäischen Union als vorbildliches Modell. Was unterscheidet uns eigentlich von unseren Nachbarländern?
Unser Modell umfasst eine Reihe von Punkten und Maßnahmen, die wir über viele Jahre aufgebaut haben. In jedem Fall muss man die hohe Zahl an Gemeindewohnungen in Wien hervorheben, die höher ist als in jeder anderen Stadt der Welt. Darüber hinaus wurden wir für die soziale Stadterneuerung mit der höchsten Auszeichnung der Uno bedacht, dem „Scroll of Honour“. Außerdem reisen wir durch die ganze Welt, wo wir unser erfolgreiches Modell in eigenen Ausstellungen vorstellen. Man muss allerdings dazusagen, dass wir uns nicht auf unseren Erfolgen ausruhen wollen, sondern dass wir auch in Zukunft beweisen wollen, dass Wien im sozialen Wohnungsbau Weltmeister ist.

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Der gebürtige Wiener hatte seine ersten Berührungspunkte mit Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien bereits im Teenageralter. Ihre Sprache faszinierte ihn sehr schnell und die Liebe zum Balkan führte ihn bis zum Abschluss des Studiums der Slawistik (B/K/S). Heute ist er ein hervorragender Kenner der Balkangeschichte, der südslawischen Sprachen sowie der kleinsten kulturellen Nuancen der bosnischen, kroatischen und serbischen Dialekte. Mit einem kritischen Blick auf dem Balkan, schreibt er seine Texte aus einer besonderen, transslawischen, internationalen Perspektive, und seine Kritik lässt niemanden unberührt.