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Krebsdurchbruch

Durchbruch bei Krebs-Impfstoff: Phase-3-Studie macht Hoffnung

Durchbruch bei Krebs-Impfstoff: Phase-3-Studie macht Hoffnung
Foto: iStock
5 Min. Lesezeit |

Ein Impfstoff, der Krebs bekämpft – was lange wie Zukunftsmusik klang, rückt nun in greifbare Nähe.

Ein mRNA-Impfstoff gegen Krebs hat erstmals in einer klinischen Studie der dritten Phase überzeugende Ergebnisse geliefert: Das Wiederauftreten von schwarzem Hautkrebs lässt sich damit nach Angaben des Herstellers deutlich reduzieren. Medizinische Fachleute bewerten den Durchbruch als wegweisend – und sehen darin Anlass zur Hoffnung für die Behandlung weiterer Krebsarten. Die von Moderna und Merck & Co veröffentlichten Studiendaten gelten Experten als Meilenstein, dessen Bedeutung weit über das Melanom hinausgeht. „Das ist ein gewaltiger Schritt nach vorn“, sagte Julie Gralow, Chefmedizinerin der amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO).

Der personalisierte Krebsimpfstoff Intismeran Autogene verringert den Angaben zufolge in Kombination mit dem Krebsmedikament Keytruda von Merck & Co das Rückfallrisiko bei Melanomen. Erstmals hat eine personalisierte mRNA-basierte Krebstherapie nach Angaben der beteiligten Unternehmen eine Phase-3-Studie erfolgreich bestanden. In Verbindung mit Mercks Immuntherapie Keytruda habe der Impfstoff das primäre Studienziel bei Patienten mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs erreicht. In der Phase-3-Studie INTerpath-001 mit insgesamt 1.137 Patientinnen und Patienten mit vollständig entferntem Melanom im Stadium IIB–IV hat die Kombination aus Intismeran Autogene und Keytruda laut Merck sowohl den primären Endpunkt des rückfallfreien Überlebens als auch den Endpunkt des fernmetastasenfreien Überlebens im Vergleich zu Keytruda allein statistisch signifikant erreicht.

Wie mRNA wirkt

Einer breiten Öffentlichkeit wurde die Technologie durch die Corona-Impfstoffe von Biontech und Moderna bekannt. Die Boten-RNA, kurz mRNA, übermittelt menschlichen Zellen die Bauanleitung für spezifische Proteine und ermöglicht damit die gezielte Auslösung einer Immunreaktion. Anders als bei der klassischen Chemotherapie wird das Immunsystem durch die neuen Vakzine darauf trainiert, tumorspezifische Mutationen zu erkennen und zu bekämpfen.

Die Studienergebnisse unterstreichen das Potenzial dieser Technologie für die Onkologie. „Mit dieser positiven Studie gibt es die Hoffnung, dass diese Ansätze die Art und Weise, wie wir Krebs behandeln, umfassender verändern könnten“, erklärte Ryan Sullivan, Direktor des Melanom-Zentrums am Mass General Brigham Cancer Institute in Boston. In einer vorangegangenen Phase-2b-Studie verringerte die Kombination aus Intismeran Autogene und Keytruda bei Patientinnen und Patienten mit hohem Rückfallrisiko das Risiko für Rückfall oder Tod um rund 44 Prozent im Vergleich zu einer Behandlung mit Keytruda allein, wobei die rückfallfreie Überlebensrate nach 18 Monaten bei etwa 78,6 Prozent unter der Kombination und 62,2 Prozent unter Keytruda allein lag.

Die veröffentlichten Daten lösten auch an den Finanzmärkten erhebliche Reaktionen aus und trieben den Kurs der Moderna-Aktie in der Spitze um mehr als 150 Prozent nach oben. Für beide Konzerne steht dabei viel auf dem Spiel: Moderna ist dringend auf neue Erfolge angewiesen. Vom einstigen Milliardengeschäft mit dem Corona-Impfstoff – dem ersten marktreifen Produkt des Unternehmens – ist wegen der massiv eingebrochenen Nachfrage nur noch ein Bruchteil übrig. Merck & Co wiederum bereitet sich auf den drohenden Patentverlust für Keytruda zum Ende des Jahrzehnts vor. Das Medikament gehört zu den umsatzstärksten Arzneien der Welt.

Milliarden-Potenzial

Analysten der Barclays Bank trauen der neuen Kombinationstherapie allein bei Hautkrebs bis 2035 einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Dollar zu. Bei einer raschen Zulassung könnten erste Patienten bereits im kommenden Jahr profitieren. Die Forschungsaktivitäten beschränken sich längst nicht auf Hautkrebs: Moderna und Merck & Co testen ihren Ansatz bereits in fortgeschrittenen Studien bei Lungenkrebs sowie in früheren Phasen bei Blasen-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen- und Magenkrebs. Auch Mitbewerber treiben die Entwicklung voran: Das Mainzer Unternehmen Biontech und der Schweizer Pharmakonzern Roche erproben derzeit eine vergleichbare Therapie bei Patienten mit Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Biontech befindet sich dabei in einer ähnlichen Situation wie Moderna: Nach dem Ende des Corona-Booms konzentrieren sich die Mainzer wieder voll auf ihre Krebs-Pipeline. Die Produktion seines Covid-Impfstoffs in Deutschland will Biontech sogar komplett einstellen und die Herstellung an den US-Partner Pfizer übergeben. Dass die Wahl für die ersten großen Tests auf das Melanom fiel, ist kein Zufall: Diese Tumorart weist besonders viele Mutationen auf und ist für das Immunsystem daher leichter zu erkennen.

Ein weiterer Vorteil der neuen Therapie: Während Keytruda allein teils starke Nebenwirkungen auslösen kann, traten durch die Zugabe des Impfstoffs laut den Unternehmen keine neuen schweren Begleiterscheinungen auf. Die Reaktionen ähnelten eher denen einer Grippe- oder Corona-Impfung. Dies dürfte die Risikoabwägung für Ärzte und Patienten künftig verändern.

Die Onkologin Elizabeth Buchbinder vom Mass General Brigham Cancer Institute rechnet mit einer rasanten Entwicklung, da auch viele andere Krebsarten zahlreiche Mutationen aufweisen: „Wir werden sehen, aber es ist definitiv ein Bereich, der einen enormen Aufschwung erleben wird – besonders jetzt, da diese Ergebnisse vorliegen.“ In deutschen Krankenhäusern wurden zuletzt fast doppelt so viele Menschen mit Hautkrebs behandelt wie noch vor 20 Jahren. 2024 waren es 120.100 stationär mit Hautkrebs behandelte Patienten und damit 95 Prozent mehr als 2004, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden im Mai berichtete. Ein Grund ist die alternde Bevölkerung: Das Hautkrebsrisiko steigt mit dem Alter deutlich an.

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KO KOSMO-Redaktion
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