Home Aktuelles
Gesundheitsrisiko

Gefährlicher Trend: Warum Vapen junge Frauen stärker bedroht

Frau am Laptop und am Vapen Rauchen
(Symbolbild FOTO: iStock)

Frauen trifft es härter: Bei Lungenerkrankungen reagieren sie empfindlicher auf Schadstoffe als Männer – trotzdem greifen mehr junge Österreicherinnen zur E-Zigarette.

Frauen reagieren auf Umwelteinflüsse und Schadstoffe empfindlicher als Männer, wenn es um die Lungengesundheit geht. Hormonelle und andere Faktoren machen sie anfälliger für verschiedene Atemwegserkrankungen. “Asthma ist häufiger bei Frauen als unter Männern. Bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung leiden Frauen häufiger an Atemnot und haben akute Attacken mit Spitalsaufnahmen.”, erklärt der Wiener Lungenspezialist Arschang Valipour.

Besonders alarmierend ist, dass trotz ihrer höheren Anfälligkeit für Lungenschäden mehr junge Frauen als Männer in Österreich zu E-Zigaretten und Tabak greifen. Bei einer Veranstaltung zur Frauengesundheit der Praevenire-Initiative warnte Valipour am Montag vor den Gefahren: “Vapen hat bei den 13- bis 16-Jährigen die Zigaretten abgelöst.”

Der Leiter der Lungenabteilung an der Klinik Wien-Floridsdorf betonte, dass etwa 80 Prozent der E-Zigaretten-Nutzer später auch konventionelle Zigaretten konsumieren. Die Langzeitfolgen des Dampfens seien noch nicht vollständig erforscht, das Suchtpotenzial des enthaltenen Nikotins jedoch unbestritten. In dieser Altersgruppe nutzen 24 Prozent der jungen Frauen und 18 Prozent der männlichen Jugendlichen E-Zigaretten. Auch beim klassischen Rauchen liegen die Mädchen mit 21 Prozent vor den Burschen mit 15 Prozent.

Lungenkrebs-Risiko

Bei Lungenkrebs, der tödlichsten Krebsart in Österreich, zeigt sich ein differenziertes Bild. “Lungenkrebs ist bei den unter 50-Jährigen häufiger bei Frauen als bei Männern”, erläuterte der Experte. Allerdings haben Frauen häufiger Tumorarten wie Adenokarzinome (Drüsenkrebs) oder Krebsformen mit genetischen Veränderungen wie EGFR-Mutationen (Genveränderung), die besser behandelbar sind und dadurch die Überlebenschancen verbessern.

Valipour und weitere österreichische Fachleute plädieren seit Jahren für ein systematisches Früherkennungsprogramm für Lungenkrebs mittels Niedrig-Dosis-CT-Untersuchungen bei langjährigen Rauchern, wie es in den USA bereits etabliert ist und in Deutschland beschlossen wurde. Gerade Frauen würden davon erheblich profitieren: “Früherkennung von Lungenkarzinomen führt bei Frauen zu einer stärkeren Verringerung der Sterblichkeit um 45 Prozent als bei Männern.”

Bei männlichen Patienten konnte die Sterblichkeit durch Screeningprogramme bisher um etwa 20 Prozent gesenkt werden. Angesichts von jährlich rund 4.000 Todesfällen durch Lungenkrebs in Österreich könnte ein solches Programm einen bedeutenden Fortschritt darstellen.

Multiple Sklerose

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede zeigen sich auch bei der Multiplen Sklerose. Um 1990 erkrankten noch drei Frauen auf einen Mann an MS, inzwischen hat sich dieses Verhältnis auf mehr als 3,2 zu eins verschoben, wie die Wiener Neurologin Barbara Kornek, Präsidentin der Multiple Sklerose Gesellschaft, berichtet. Die Ursachen für diese Entwicklung sind noch nicht geklärt.

Die Ungleichheit bei der Häufigkeit dieser mittlerweile oft gut behandelbaren neurologischen Erkrankung scheint immunologisch bedingt zu sein. Bei MS dringen autoreaktive Antikörper ins Zentralnervensystem ein und verursachen dort Schäden. “Das weibliche Immunsystem ist sozusagen sorgsamer. Frauen sterben weniger oft an Infektionskrankheiten, haben aber häufiger Autoimmunerkrankungen. Sie erkranken deshalb öfter auch an Multipler Sklerose, zeigen einen früheren Beginn der Erkrankung, aber ein langsameres Fortschreiten”, erläuterte Kornek.

Paradoxerweise erhalten Frauen mit MS zwar oft früher eine Diagnose, müssen jedoch länger auf eine hocheffektive Therapie warten, obwohl gerade diese entscheidend wäre.

Die Neurologin gibt jedoch Hoffnung: “Ein Großteil der Menschen, bei denen heute eine Multiple Sklerose diagnostiziert wird, kann langfristig mit einem unbehinderten Leben rechnen.”