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Entwicklungsstörungen

Handy statt Besteck: Ärzte warnen vor Smartphone-Autismus bei Kleinkindern

Handy statt Besteck: Ärzte warnen vor Smartphone-Autismus bei Kleinkindern
(istockfoto: Autismus)
3 Min. Lesezeit |

Statt mit Besteck zu essen, beherrschen sie perfekt die Wischbewegung auf dem Bildschirm. Bei Kleinkindern mit exzessivem Medienkonsum schlagen Ärzte Alarm.

Mediziner beobachten mit wachsender Besorgnis, dass Kleinkinder durch übermäßigen Medienkonsum zunehmend autismusähnliche Symptome entwickeln. Bei einem Pressegespräch im Gesundheitsministerium am Dienstag berichtete Fachärztin Arnika Thiede von den Barmherzigen Brüdern Linz über alarmierende Entwicklungen: „Wir sehen vermehrt Aufmerksamkeitsprobleme, wir sehen einen exorbitanten Anstieg von Sprachentwicklungsstörungen, aber auch viele motorische Auffälligkeiten, die dann im Kindergarten oder in der Schule zum Tragen kommen.“ Bei einer Mediendeprivation statt eines tatsächlichen Autismus könnten Kinder zwar manche Entwicklungsrückstände aufholen, „aber eben nicht alles“.

Die tägliche Bildschirmzeit mancher Kleinkinder erreicht laut Thiede erschreckende Ausmaße. „Leider keine Seltenheit“ sei eine Nutzungsdauer von bis zu acht Stunden täglich. Die Folgen zeigen sich in paradoxen Entwicklungsdefiziten: Während die Kinder problemlos Wischbewegungen auf Touchscreens beherrschen, fehlen ihnen grundlegende Alltagskompetenzen. „Viele Kinder können zum Beispiel im Alter von fünf bis sechs Jahren nicht mehr mit Besteck essen“, erläuterte die Medizinerin. Besonders problematisch: „Fakt ist, dass es die gleiche Therapie braucht wie bei einem Autisten und uns deswegen leider unsere raren Autismus-Therapieplätze blockiert.“

Besondere Verletzlichkeit

Psychotherapeut Dominik Batthyány betont die besondere Verletzlichkeit von Heranwachsenden: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.“ Ihre ausgeprägte Lernfähigkeit und mentale Formbarkeit mache sie anfällig für die Wirkung moderner Algorithmen, die auf maximale Nutzungsdauer statt auf Lerneffekte ausgerichtet seien. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle entwickle sich erst allmählich.

Fachärztin Thiede ergänzt, dass frühe Mediennutzung auch körperliche Beeinträchtigungen verursache – von Übergewicht über eingeschränktes räumliches Sehen bis hin zu Schlafstörungen und Muskelschwäche.

Laut Batthyány fehlt vielen Eltern das Bewusstsein für die schädlichen Auswirkungen, wenn sie Kindern digitale Geräte überlassen. In manchen Fällen dienen Smartphones und Tablets aus Überforderung als „shut-up-toy“. Thiede appelliert daher: „Wir müssen Eltern wieder dazu bringen, dass sie mit ihren Kindern spielen.“

Präventive Maßnahmen

Als Reaktion auf diese Problematik kündigte SPÖ-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig in Zusammenarbeit mit der Initiative „saferinternet.at“ eine Informationsbroschüre an, die österreichweit den Wickelrucksäcken für werdende Eltern beigefügt werden soll. Das Ziel: Bewusstsein schaffen, „dass man mit ganz einfachen Schritten Kinder von null bis drei Jahren unglaublich gut begleiten kann“.

Während in mehreren EU-Ländern konkrete Pläne für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche voranschreiten – auch in Österreich soll bis zum Sommer ein entsprechender Gesetzesentwurf vorliegen – sehen Experten bereits im Kleinkindalter dringenden Handlungsbedarf. Die Forschung zeigt, dass besonders die Mediennutzung zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr kritisch ist und häufig zu autismusähnlichen Symptomen sowie dauerhaften Verhaltensstörungen führt.

Die Forschung zeigt, dass besonders die Mediennutzung zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr kritisch ist und häufig zu autismusähnlichen Symptomen sowie dauerhaften Verhaltensstörungen führt.

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KO KOSMO-Redaktion
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