Volksschule soll länger dauern – Wien meldet sich als Testregion. Bildungsminister Wiederkehr sieht darin eine Alternative zur umstrittenen Gesamtschule.
Die schwarz-rot-pinke Koalition hat in ihrem Regierungsprogramm verankert, „Modellregionen für die Gemeinsame Schule der Zehn- bis 12- bzw. 14-Jährigen“ zu fördern. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) erhält dabei Rückendeckung von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS). Wien hat bereits Interesse signalisiert, als Modellregion für eine sechsjährige Volksschule zu fungieren.
„Diesen Wunsch unterstütze ich durch die Entwicklung eines pädagogischen Konzepts“, erklärte Wiederkehr. Der Minister, der in seiner früheren Funktion als Wiener Bildungsstadtrat selbst die Verlängerung der Volksschule als Alternative zur klassischen Gesamtschule vorgeschlagen hatte, bezeichnete das Modell am Dienstag bei einer Pressekonferenz als pädagogisch wertvoll.
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Konzeptentwicklung läuft
Im Bildungsministerium laufen derzeit die Vorbereitungen für die konkrete Ausgestaltung einer verlängerten Volksschule. Laut Wiederkehr müssen zahlreiche Fragen geklärt werden: Welche Inhalte sollen in den zusätzlichen zwei Jahren vermittelt werden? Werden die Kinder von Klassenlehrern wie in der Volksschule oder von Fachlehrern wie in Mittelschule und AHS unterrichtet?
Zudem sei die Auswahl geeigneter Schulstandorte in Wien für den Pilotversuch entscheidend. Der Minister wies darauf hin, dass bei einer Verlängerung der Volksschule an einem Standort auch weiterführende Schulen in das Projekt eingebunden werden müssten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
Auch räumliche Herausforderungen stehen auf der Agenda: Teilnehmende Volksschulen benötigen zusätzliche Klassenräume, während weiterführende Schulen zwei Jahrgänge weniger aufnehmen würden.
Chancengerechtigkeit fördern
Wiederkehr betonte die Vorteile des Konzepts: „Es fördert die Chancengerechtigkeit und kindliche Entwicklung, wenn Schülerinnen und Schüler länger in ihrem ersten Bildungsumfeld verbleiben können.“ Er sieht darin einen „alternativen Ansatz“ zur verpflichtenden Gesamtschule für alle.
Die jahrzehntelangen Debatten zu diesem Thema hätten Österreich nicht vorangebracht. Im aktuellen System müssen sich Kinder bereits mit zehn Jahren zwischen Mittelschule und AHS-Unterstufe entscheiden, wobei für den Gymnasiumsbesuch mindestens die Note „Gut“ in Deutsch und Mathematik im Volksschulzeugnis erforderlich ist.
Der Minister unterstrich, dass die Teilnahme am Pilotprojekt auf Freiwilligkeit basieren soll. Erst nach Abschluss der „Modellphase“ könne über eine breitere Implementierung entschieden werden.
Dennoch zeigte sich Wiederkehr zuversichtlich, dass innerhalb der laufenden Regierungsperiode, die bis 2029 dauert, ein tragfähiges Konzept für eine sechsjährige Volksschule entwickelt werden kann.