Die Asiatische Tigermücke erobert Österreich – bereits in 29 Bezirken lauert die gefährliche Überträgerin exotischer Viren, während erste Resistenzen gegen Bekämpfungsmittel auftreten.
Die ursprünglich tropische Asiatische Tigermücke breitet sich in Europa immer stärker aus. Das Insekt, das gefährliche Krankheiten wie Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Viren übertragen kann, wurde 2022 bereits in 23 österreichischen Bezirken nachgewiesen. Zwei Jahre später ist die Zahl auf 29 Bezirke angestiegen. Besonders betroffen ist der Raum Graz, aber auch in Wien und Linz haben die Mücken mittlerweile überwinternde Populationen gebildet.
Mit der globalen Ausbreitung dieser Stechmückenart steigt auch die Gefahr von lokalen Ausbrüchen exotischer Viruserkrankungen in gemäßigten Klimazonen. Darauf weisen Verena Pichler von der Sapienza Universität in Rom und ihre Forscherkollegen, darunter Jeremy Bouyer vom Wiener Labor für Insektenschädlingsbekämpfung der FAO und IAEO, in der Fachzeitschrift „Parasites and Vectors“ hin. Neben den bereits genannten Erregern können die Tigermücken auch Gelbfieber- und West-Nil-Fieber-Viren verbreiten, möglicherweise auch das Zika-Virus.
Die Bekämpfungsstrategien fokussieren sich hauptsächlich auf die Beseitigung von Brutstätten und die Vernichtung der Larven. In akuten Fällen müssen jedoch auch Insektizide eingesetzt werden. In Europa sind dafür ausschließlich Pyrethroide zugelassen, die somit eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung von Virusübertragungen spielen. Diese synthetischen Substanzen, die von natürlichen Chrysanthemen-Inhaltsstoffen abgeleitet wurden, wirken sowohl als Abwehrmittel als auch als Insektizide, indem sie das Nervensystem der Insekten blockieren und zu deren Tod führen.
Resistenz-Forschung
Allerdings wurden in Ostasien bereits Resistenzen gegen diese Wirkstoffe dokumentiert. Diese basieren auf genetischen Mutationen, welche die Wirkung der Insektizide an den Natriumkanälen der Mückenzellen neutralisieren. Besonders die sogenannten Knockdown-Resistenz-Mutationen (kdr) wie I1532T und F1534C spielen dabei eine entscheidende Rolle. Ein Forscherteam untersuchte daher Tigermücken aus dem gesamten europäischen Raum – von Portugal bis Georgien. Zwischen August 2015 und Oktober 2022 wurden Eier, Larven und ausgewachsene Exemplare in 54 Gemeinden aus 19 europäischen Ländern und Regionen gesammelt und anschließend in Laboren in Lissabon und Rom genetisch analysiert.
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Pyrethroid-resistente Tigermücken in Europa bislang noch relativ selten vorkommen, jedoch mit deutlichen regionalen Unterschieden. Die kdr-Mutation 1534C wurde an neun Standorten in sechs Ländern nachgewiesen, mit Häufigkeiten zwischen 1,5 und 84 Prozent. Die höchsten Resistenzraten fanden sich in Zypern und Griechenland. In Limassol auf Zypern konnten die Forscher sogar ausschließlich mutierte Gensequenzen identifizieren. In Griechenland wurde die 1534C-Mutation an drei von vier Untersuchungsorten festgestellt, mit Häufigkeiten von zehn Prozent in Kavala, 12,5 Prozent in Chania und 45 Prozent in Athen.
Regionale Unterschiede
Auch die zweite untersuchte Pyrethroid-Resistenzmutation wurde in Europa nachgewiesen. Insgesamt 26 Proben von elf Standorten in sieben Ländern – Albanien, Frankreich, Griechenland, Italien, Rumänien, Spanien und der Türkei – trugen das Merkmal 1532T. An zwei Orten, in Athen und im albanischen Durres, wurden beide Mutationen gleichzeitig festgestellt. Zusätzlich wurde in einigen Fällen auch das Resistenzgen 1016G nachgewiesen.
Obwohl die zunehmende Pyrethroid-Resistenz die effektive Bekämpfung der Tigermücke und damit die Eindämmung exotischer Viruserkrankungen gefährdet, ist das Ausmaß dieses Problems in Europa noch wenig erforscht.
Die gesuchten Knockdown-Mutationen scheinen mit durchschnittlich etwa fünf Prozent noch selten zu sein, doch gibt es bereits deutliche Resistenz-Hotspots auf dem Kontinent.