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BESUCH IN BIHAC

Kritik an Kroatien: Amnesty fordert EU-Unterstützung in Bosnien-Herzegowina

SOS_BALKANROUTE
(FOTO: SOS-Balkanroute)

Die Berichte sind erschütternd und weisen eine erschreckende Uniformität auf: Flüchtlinge aus Konfliktregionen wie Syrien, aber auch aus Staaten wie Marokko oder Ägypten, kürzlich aus dem umkämpften Gaza angekommen, berichten gleichlautend von gewaltsamen Misshandlungen durch die kroatische Polizei.

Zum Grauenbild tragen auch die Erzählungen über Minderjährige mit Schnittverletzungen und Hundebisswunden bei, die intensiv auf das Trauma der Zurückgewiesenen (Pushbacks) hinweisen. Zerschlagene Telefone und entnommene Schuhwerke zeugen dabei von einer zerstörerischen Praxis gegenüber den Schutzsuchenden, so Shoura Hashemi-Zehetner, die Vorsitzende von Amnesty International Österreich.

Sie argumentiert eindringlich für die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Antwort, die den Migranten nicht nur Schutz, sondern auch Zukunftsperspektiven bietet. Angesichts der Tatsache, dass Europa ohnehin schon einen akuten Mangel an Arbeitskräften erlebt, stellt sich die Frage, warum nicht mit diesen motivierten Menschen gearbeitet und ihnen eine echte Chance zur Integration und Mitwirkung gegeben wird, betont Hashemi.

Unterstützung in Bosnien-Herzegowina

Im Fokus des Lobes von Amnesty International stehen die außerordentliche Gastfreundschaft und die unermüdliche Arbeit der Hilfsorganisationen in Bosnien und Herzegowina. Hashemi, die von der Organisation SOS Balkanroute begleitet wurde, lobt die inklusive Zusammenarbeit der Diakonie und des Roten Kreuzes in Bihac. Auch das Treffen mit dem bosnischen Minister für Menschenrechte und Flüchtlinge, Sevlid Hurtic, führte zu tiefergehenden Gesprächen über den Umgang und die Einstellung gegenüber Migranten in der Region.

Ein besonderes Augenmerk lag auf der problematischen Existenz eines illegalen Gefängnisses im Flüchtlingslager Lipa, das ohne jegliche rechtliche oder bauliche Grundlagen konstruiert wurde und ein strittiges innenpolitisches Thema in Österreich darstellte. Der Minister versicherte, dass es keinen Gefängnisausbau geben wird, solange er im Amt ist, und unterstrich den Willen, dass Lipa ein offenes Lager bleibt.

Nachbarschaftsverhältnisse auf Prüfstand

Die Angelegenheit des illegal errichteten Gefängnisses warf auch Fragen hinsichtlich der Souveränität von Bosnien und Herzegowina auf. Ralph Janik, Professor für Internationales Recht an der Universität Wien, diskutierte die Bedeutung der Selbstbestimmung und die Auswirkungen externer Einmischungen auf die regionalen Beziehungen. Der allgemeine Zugang, sowohl von lokalen Politikern als auch der Bevölkerung, betont weiterhin den Wert der Humanität in einer Situation, die seit Jahren anhält und zu einem festen Bestandteil der regionalen Dynamik geworden ist.

Abschließend betont Hashemi, dass Amnesty International die Lage an der Grenze weiterhin beobachten wird und damit zugleich ein Mahnmal für die Wahrung der Menschenrechte in einer Welt voller Herausforderungen errichtet.