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Versorgungskrise

Mehr Mediziner, weniger Versorgung: Das Paradox im Gesundheitssystem

Mehr Mediziner, weniger Versorgung: Das Paradox im Gesundheitssystem
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3 Min. Lesezeit |

Mehr Ärzte, aber weniger Hausärzte und Kassenstellen: Trotz steigender Medizinerzahlen in Österreich verschärft sich die Versorgungslücke im öffentlichen Gesundheitssystem.

Die Ärzteschaft in Österreich hat einen deutlichen Zuwachs verzeichnet – sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße. Aktuelle Erhebungen der Statistik Austria zeigen, dass die Zahl der praktizierenden Mediziner von rund 44.000 im Jahr 2015 auf etwa 52.000 im Jahr 2025 angestiegen ist. Pro 100.000 Einwohner stehen damit heute 565 Ärzte zur Verfügung, während es vor zehn Jahren noch 506 waren.

Der Anstieg verläuft jedoch ungleichmäßig zwischen den verschiedenen medizinischen Fachrichtungen. Während die Facharztdichte erheblich zugenommen hat, verzeichnet die Allgemeinmedizin einen Rückgang. Die Zahl der Hausärzte sank von 14.300 auf 13.000, was einem Rückgang von 164 auf 141 Allgemeinmediziner pro 100.000 Einwohner entspricht.

Fachärzte im Aufwind

Bei den Fachärzten zeigt sich hingegen ein deutlicher Aufwärtstrend: Ihre Anzahl stieg von 23.400 auf 29.400, wodurch sich ihre Dichte von 269 auf 320 je 100.000 Einwohner erhöhte. Auch bei Ärzten in Ausbildung ist ein markanter Anstieg zu verzeichnen – von 6.300 auf 9.600, was einer Zunahme von 73 auf 105 pro 100.000 Einwohner gleichkommt. Die Zahnärzteschaft wuchs hingegen nur leicht von 4.900 auf 5.500, was einer Erhöhung von 56 auf knapp 60 pro 100.000 Einwohner entspricht.

Auch das nicht-ärztliche Gesundheitspersonal wurde aufgestockt. Die Gesamtzahl stieg von etwa 91.000 Beschäftigten im Jahr 2015 auf rund 101.500 im Jahr 2024. Der Zuwachs erstreckt sich über sämtliche Berufsgruppen – von diplomierten Pflegekräften über Sanitäter und Pflegehilfen bis hin zu medizinischen Assistenzen. Ebenso verzeichnen therapeutische Berufsfelder wie Physiotherapie, Logopädie (Sprachtherapie) und Massagetherapie heute mehr Fachkräfte als noch vor einem Jahrzehnt.

Weniger Krankenhausbetten

Im Gegensatz dazu steht die Entwicklung der Bettenkapazität in österreichischen Krankenhäusern. Während 2015 noch etwa 65.100 Betten zur Verfügung standen, ist diese Zahl bis 2024 auf 60.100 gesunken. Dieser Rückgang reiht sich in einen langfristigen Trend ein, der seit Mitte der 1980er-Jahre anhält, als noch rund 75.200 Betten verfügbar waren. Besonders betroffen von dieser Reduktion sind allgemeine Krankenhäuser, Sonderkrankenanstalten, Genesungsheime und Einrichtungen für chronisch Kranke. Parallel dazu hat sich auch die Anzahl der Krankenhäuser selbst verringert – von 278 im Jahr 2015 auf aktuell 257.

Die Statistik Austria kommt somit zum Schluss: Rein zahlenmäßig verfügt Österreich über eine ausreichende Ärzteversorgung. Was die reinen Zahlen jedoch verbergen und erst kürzlich durch eine Untersuchung der Plattform krankenversichern.at ans Licht kam: Von den gut 20.000 niedergelassenen Medizinern mit eigener Praxis haben lediglich etwa 8.240 – das entspricht 41 Prozent – einen Kassenvertrag. Die übrigen 11.800 praktizieren als Wahlärzte, bei denen Patienten die Behandlungskosten zunächst aus eigener Tasche begleichen müssen.

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Anzahl der Wahlärzte um 148 Prozent erhöht, während die Zahl der Kassenärzte um 0,4 Prozent zurückging – und das, obwohl die österreichische Bevölkerung im selben Zeitraum um 1,2 Millionen Menschen gewachsen ist.

„Diese Entwicklung zeigt, dass das Kassensystem mit dem Bevölkerungswachstum seit Jahrzehnten nicht Schritt hält. Während die Nachfrage steigt, stagniert das Angebot an Kassenordinationen – und genau deshalb warten Patienten laut unserer aktuellen Kassenarzt-Wartezeiten-Studie mittlerweile bis zu 63 Tage auf einen Termin,“ sagt Sebastian Arthofer, COO von krankenversichern.at.

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KO KOSMO-Redaktion
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