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INTERVIEW

Ta­lent­scout, Branko Majić: „Wir sind eine große Familie“

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FOTO: Christopher Glanzl

INTERVIEW. Branko Majić (30), Leiter der Kinder- und Jugendauswahl des Wiener Clubs SC Team Wiener Linien, spricht über seine Arbeit, die immer mehr junge erfolgreiche Fußballer hervorbringt.

Beim Wiener Fußballclub SC Team Wiener Linien, der in der Regionalliga Ost spielt, klopfen immer häufiger Talente-Scouts von Red Bull, Rapid und der Austria in die Tür. Obwohl er nach außen hin nur ein „kleiner Wiener Club“ zu sein scheint, trügt dieser Eindruck in Wahrheit, denn in der Nachwuchsarbeit, der Ausbildung von Kindern und jugendlichen Fußballspielern, gehört der SC Team Wiener Linien zu den besten und erfolgreichsten Vereinen Wiens. Aber das war nicht immer so…

Hinter diesem Erfolg verbirgt sich ein Name aus unserer Gemeinschaft, Branko Majić (30), ein ehemaliger Spieler eines Clubs, der 2011 die Leitung der gesamten Nachwuchsarbeit zwischen dem Kindergartenalter und 18 Jahren übernommen hat. Nach nur fünf Gesprächsminuten mit Majić, einem Wiener mit Wurzeln in Imotski, war uns klar: Hier haben wir es mit einem großen Enthusiasten zu tun, der mit Leib und Seele für die jungen Fußballspieler lebt. Daher ist es auch kein Wunder, dass der SC Team Wiener Linien neben den beiden größten und berühmtesten Wiener Clubs eine der wichtigsten Adressen für die Ausbildung geworden ist.

KOSMO: Wie habt ihr es zum Status eines Clubs gebracht, der Spieler hervorbringt, für die sich die großen österreichischen Vereine interessieren?
Branko Majić: Nichts ist über Nacht entstanden, alles war ein Prozess, der sich in den vergangenen acht Jahren entwickelt hat. Seit 2013/2014 waren wir nach den Resultaten aller unserer Jugendauswahlen dreimal Wiener Meister, und wir haben auch den Punkterekord gebrochen, den die Wiener Vienna bis zur vergangenen Saison gehalten hat. Die Grundlage dieses Erfolgs war die Entscheidung, dass wir uns klar als Club definieren, der junge Fußballer ausbildet. Wir sind keine finanziellen Löwen wie Rapid, Austria oder Red Bull Salzburg, aber wir können sehr gute Fußballer heranziehen, die später dort spielen werden. Und das haben wir bewiesen.

14 TEAMS. Vom Kindergarten bis zur U18: Dieser Club hat Angebote für alle.

Seit 2011 hast du die Leitung der Jugendmannschaften übernommen, und damit begannen auch die Erfolge…
Meine ganze Geschichte ist seit 2006 mit diesem Club verbunden, er bedeutet mir im Bereich des Fußballs alles. 2011 habe ich die Chance bekommen, stellvertretender Leiter für die Jugendauswahlen zu werden, und ich habe viel Zeit damit verbracht, Konzepte zu entwickeln, zu erforschen, was am besten funktioniert, angefangen damit, dass wir einen Sportpsychologen aufgenommen haben, bis zur gesamten Professionalisierung der Arbeit. Darbei hat mir auch meine Menschenkenntnis geholfen. Wir wollten einen Fortschritt erzielen, und am Anfang mussten wir manche Dinge radikal verändern. Ich habe mit 22 Jahren die Leitung aller Jugendauswahlen übernommen, aber im Club arbeiteten Trainer, die sich bereits 24 Jahre lang mit Fußball beschäftigt hatten. Ich hatte eine Vision, und alle, die die nicht geteilt haben, mussten gehen, sei es wegen Zuspätkommens beim Training oder anderem unprofessionellem Verhalten. Das war ein schwerer Prozess, aber der Club hat mir die Chance und das Vertrauen gegeben, und dafür bin ich dankbar. Dann folgten auch die ersten Ergebnisse…

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MAJIĆ: „Jedes Kind und jeder jugendliche Fußballer sind bei uns zum Probetraining willkommen. Alle haben eine Chance verdient.“ (FOTO: Christopher Glanzl)

OK, kommen wir zu konkreten Namen aus eurem Nachwuchs. Wer hat es in den professionellen Fußball geschafft?
Allein im vergangenen Jahr sind aus unserem Club neun Spieler in die Fußballakademien von Rapid, Admira, Mattersburg und der Austria aufgenommen worden. Ein Bursche aus unserer Gemeinschaft, Leo Maroš, hat es zum Beispiel in die zweite Mannschaft der Wiener Austria geschafft. Was die anderen Spieler betrifft, die wir ausgebildet haben und die bemerkenswerte Erfolge erzielt haben, so sind da: Ivan Sarčević (U19 Wolfsburg und Nationalspieler Österreichs), Adin Mujanović (SV Sandhausen) und die Brüder Ivkić, Leonardo (Austria Wien, Nationalmannschaft U16) und Cristiano (U15 Austria Wien), Nikola Despotović (St. Pölten II) und Mato Tadić (Bruck an der Leitha).

Wenn man nach der Zahl der –ić-Namen urteilt, die du aufgezählt hast, wird der SC Wiener Linien von unseren Landsleuten dominiert, oder?
Wir schauen nicht auf die Herkunft, wir sind alle gemeinsam eine große Familie und alle sind willkommen. Unter den 230 Spielern haben wir so viele Nationen, dass ich sie gar nicht alle aufzählen könnte. Aber kein Zweifel, unsere Landsleute sind immer mit dabei – an der Spitze…

Du hast gesagt, dass euer Club auf die Ausbildung spezialisiert ist. Wie viele eurer Spieler spielen denn in der ersten Mannschaft?
Von den 24 Fußballern, die in der Seniorenmannschaft spielen, stammen 16 aus unserem eigenen Nachwuchs. Das heißt: zwei Drittel.

Der Club hat früher in den unteren Klassen der Wiener Liga gespielt. Vor einem Jahr hat er es geschafft, in die dritte österreichische Klasse aufzusteigen, in die Regionalliga. Was ist das Ziel für dieses Jahr?
Diesen Erfolg und den ganzen Weg in die Regionalliga haben wir dank der Fußballer geschafft, die wir ausgebildet haben. Das ist also eine Frucht unserer Jugendarbeit. In diesem Jahr ist das Ziel, dass wir uns irgendwo in der Tabellenmitte halten, und ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.

Was müssen Eltern tun, wenn sie ihr Kind bei euch anmelden wollen? Und wieviel kostet die Mitgliedschaft im Club?
Eine Halbsaison kostet nur 200 Euro, und da ist alles inbegriffen. Außer, dass wir professionelle Trainingsbedingungen und Wettbewerbe bieten, ist es wichtig zu sagen, dass wir einer der wenigen Clubs sind, die alle ihre 230 Spieler in den Jugendmannschaften versichern. Wenn sich also jemand auf dem Weg ins Training, beim Training selbst oder bei einem Spiel verletzt, haben wir dafür eine Versicherung.

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„Im vergangenen sind fünf junge Burschen zu Red Bull, Austria, Rapid und anderen größeren Clubs gewechselt“, sagt Majić. (FOTO: Christopher Glanzl)

Ich nehme an, ihr trefft eine Auswahl und nehmt nicht jeden…
Jeder ist zum Probetraining willkommen. Natürlich wählen wir aus, so wie jeder andere Club. Aber es lohnt sich immer, es zu versuchen. Und wenn jemand es nicht schafft, haben wir Kooperationen und Kontakte mit anderen Clubs, die häufig die Spieler übernehmen, die es in unsere Reihen noch nicht geschafft haben.

Mehr über den SC Team Wiener Linien
Wenn Sie Ihr Kind zu einem Probetraining schicken wollen oder wenn Sie ein junger Spieler sind und daran denken, den nächsten Schritt zu gehen, finden Sie mehr Informationen über den Club und seinen Nachwuchs unter www.team-wienerlinien.at.

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