In einer beispiellosen Maßnahme hat die Kommunalverwaltung Venedigs eine Tagesgebühr für Tagestouristen eingeführt. Ab sofort wird von Besucherinnen und Besuchern, die zwischen 8.30 Uhr und 16.00 Uhr die berühmte Lagunenstadt besichtigen möchten, ein Beitrag von fünf Euro verlangt. Die Abgabe soll die Menschenmassen reduzieren und das kulturelle Erbe für künftige Generationen schützen. Das Ticket wird an zentralen Zugangspunkten zur Stadt geprüft wird. Eine erste Bilanz: Bis zum Eröffnungstag haben sich 113.000 Personen registriert, während 15.700 das neue Eintrittsticket erworben haben.

Proteste überschatten die Einführung
Die Entscheidung traf jedoch nicht überall auf Zustimmung: Auf dem Piazzale Roma versammelten sich ungefähr 300 Gegner der Regelung und protestierten. Die Lage spitzte sich zu, als die Menge versuchte, die von der Polizei errichteten Barrieren zu durchbrechen, um Zutritt zum Bahnhofsbereich zu erlangen, wo die Zugangskontrollen stattfanden. Inmitten der aufgebrachten Stimmung erklangen Rufe gegen den Bürgermeister.
First day of entry ticket to Venice. Procession breaks through police riot cordon: accidents pic.twitter.com/OmRWIrnUnO
— V.O.H (@Knot73211261) April 25, 2024
Widerstand aus politischen Reihen
Einen Schritt weiter ging der ehemalige Bürgermeister Massimo Cacciari, der mit seiner Aufforderung zum Ungehorsam für Aufsehen sorgte. Er ermutigte Touristen, die Gebühr nicht zu zahlen und kritisierte die Maßnahme deutlich: „Es ist reiner Wahnsinn, diese Maßnahme ist völlig unrechtmäßig und verfassungswidrig. In keiner Stadt der Welt zahlt man Eintritt.“
Eintrittsgeld nur an ausgewählten Tagen
Besucher Venedigs werden im Jahr 2024 an insgesamt 29 Tagen zur Kasse gebeten. Dazu zählen bestimmte Tage im April und Mai sowie alle Wochenenden bis Mitte Juli mit Ausnahme der Feiertage rund um den Tag der Republik Anfang Juni. Wer die kleineren Inseln Murano, Burano und Torcello besuchen möchte, ist von dieser Regelung ausgenommen.
Hohe Strafen
Die Kommunalverwaltung errichtete Kontrollpunkte, die unter anderem auf dem Piazzale Roma, am Fährenhafen Punta Sabbioni und in Chioggia zu finden sind. Touristen ohne gültiges Ticket riskieren Strafen zwischen 50 und 300 Euro. Dennoch versprach Bürgermeister Luigi Brugnaro „sehr sanfte Kontrollen“, die lediglich stichprobenartig stattfinden und Staus vermeiden sollen. Am ersten Tag passierten 14.000 Personen die Kontrollstellen ohne Zwischenfälle.
Bürgermeister verteidigt die Entscheidung
Bürgermeister Brugnaro verteidigte die neue Praxis, die eine Antwort auf die bisherige Untätigkeit im Umgang mit dem Tourismus darstellt: „Ich entschuldige mich für die Unannehmlichkeiten, aber wir müssen etwas unternehmen. Wir tun es jetzt, weil wir die Pflicht und die Aufgabe haben, die Stadt für die nächsten Generationen zu bewahren.“
Sorge um Venedigs Zukunft
Die Sorge ist nicht unbegründet. Venedigs Altstadt sieht sich einer Überzahl an Touristenbetten gegenüber den Einwohnern ausgesetzt – im Dezember gab es 50.016 Gästebetten im Vergleich zu 49.211 Einwohnern. Immer mehr Einheimische ziehen auf das Festland, wo mittlerweile mehr als 260.000 Menschen leben. Die Stadtverwaltung steht vor der Herausforderung, das fragile Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Erhalt des kulturellen Erbes zu finden.
