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Cyberkriminalität

Technikaffin, aber leichtsinnig: Generation Z tappt in die Phishing-Falle

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Digitale Kompetenz bedeutet nicht automatisch Sicherheit im Netz. Die OeNB klärt Jugendliche über die wachsenden Gefahren moderner Betrugsmaschen auf.

Die International Fraud Awareness Week rückt Internetbetrug in den Fokus. Anlässlich dieser Aktionswoche veranstaltete die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) am vergangenen Montag einen speziellen Präventionstag für Jugendliche. Ziel war es, junge Menschen für die vielfältigen Gefahren im digitalen Raum zu sensibilisieren. Im Interview erklärt Katharina Ederer, Referentin für Zahlungsverkehrsstrategie der OeNB, warum Aufklärungsarbeit gerade bei Heranwachsenden so wichtig ist.

Auf die Frage, weshalb man besonders mit Jugendlichen über Online-Betrugsversuche sprechen sollte, betont Ederer den digitalen Lebensstil junger Menschen: “Jugendliche wachsen in einer Welt auf, die stark digital geprägt ist. Sie verbringen viel Zeit auf Social Media, kaufen online ein und nutzen digitale Zahlungsmethoden wie Smartphone oder Smartwatch.” Genau in diesen Bereichen setzen moderne Betrugsversuche an – oft hochprofessionell und kaum noch mit den klassischen Klischeefällen vergleichbar.

Ohne das nötige Bewusstsein für Betrugstechniken sind Jugendliche besonders anfällig für Phishing-Angriffe, Identitätsdiebstahl, Social-Engineering-Angriffe und andere Formen von Cyberkriminalität. Da Cybercrime weltweit stark zunimmt, ist es entscheidend, früh ein Risikobewusstsein zu schaffen.

Ob bereits Jugendliche Opfer von Betrügern werden, beantwortet die Expertin differenziert: “Konkrete Fallzahlen liefert das Bundesministerium für Inneres über die Kriminalstatistik, aber eines ist klar: Jugendliche kommen heute schon sehr früh mit Betrugsversuchen in Kontakt. Social Media, Messenger-Dienste und scheinbar harmlose Gewinnspiele im Freundeskreis sind typische Einfallstore für Social-Engineering-Angriffe.”

Gerade weil Nachrichten von Freunden vertrauenswürdig wirken, ist die Gefahr groß. Deshalb ist es entscheidend, früh ein Bewusstsein zu schaffen: kritisch bleiben, bevor man auf Links klickt, persönliche Daten preisgibt oder Inhalte weiterleitet. Frühzeitige Sensibilisierung schützt nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch ihr Umfeld.

Digitale Sorglosigkeit

Zur Frage, ob Digital Natives vorsichtiger agieren, räumt Ederer mit einem verbreiteten Missverständnis auf: “Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass Digital Natives grundsätzlich vorsichtiger sind. Sie sind zweifellos die Generation mit der größten digitalen Kompetenz, doch gerade ihre ständige Online-Präsenz macht sie anfälliger für Cybercrime.”

Junge Menschen bewegen sich selbstverständlich in sozialen Netzwerken, spielen online und nutzen digitale Zahlungsmethoden. Diese Gewohnheiten können aufgrund einer gewissen Sorglosigkeit dazu führen, dass Risiken unterschätzt und Warnsignale übersehen werden. Man vertraut dem, was vertraut wirkt – und genau das macht diese Generation anfällig für Betrugsformen wie Phishing, Identitätsdiebstahl oder Social Engineering.

Auf die Frage nach typischen Betrugsmaschen für Jugendliche erklärt die Expertin: “Obwohl solche klassischen Phishing-Mails nach wie vor existieren, sind die Betrüger mittlerweile wesentlich raffinierter geworden und die Betrugsmaschen entwickeln sich auch ständig weiter. In unseren Workshops sensibilisieren wir Jugendliche dafür, wie echt diese Angriffe wirken können.”

Die OeNB vermittelt einfache Grundregeln: keine sensiblen Daten wie Passwörter und Bankdaten weitergeben, keine Fernzugriffssoftware installieren und Zahlungsaufforderungen immer prüfen, besonders, wenn zeitlicher oder emotionaler Druck aufgebaut wird. Auch das Überprüfen des Impressums eines Online-Shops ist ein wichtiger Tipp.

Moderne Betrugsformen

Zur Entwicklung neuer Betrugsmaschen führt Ederer aus: “Die Betrugsmaschen haben sich in den letzten Jahren massiv weiterentwickelt. Neben klassischen Phishing-Mails, die heute im perfekten Corporate Design mit echten Logos und Domains auftreten, gibt es zunehmend Angriffe über SMS oder Messenger-Dienste wie WhatsApp – sogenanntes Smishing.”

Typische Beispiele sind angebliche FinanzOnline-SMS, Links zu vermeintlichen Sicherheits-Updates oder Paketbenachrichtigungen, obwohl nichts bestellt wurde. Hinzu kommt Vishing, also Phishing per Telefon. Besonders gefährlich ist das sogenannte Caller-ID-Spoofing. Dabei wird die angezeigte Telefonnummer manipuliert, sodass am Display die echte Bank- oder Behördennummer erscheint.

Abschließend erläutert die Expertin generationsspezifische Unterschiede bei der Anfälligkeit für Betrug: “Die Generation Z gilt als sehr technikaffin, doch genau diese Selbstverständlichkeit im Umgang mit digitalen Tools kann zu einer höheren Anfälligkeit für Social Engineering führen. Sie bewegen sich viel in sozialen Netzwerken, reagieren schnell auf Nachrichten und Links und treffen Entscheidungen oft in hoher Geschwindigkeit.”

Ältere Generationen sind weniger in Social Media aktiv, aber sie werden gezielt mit anderen Formen des Betrugs angesprochen: etwa Love Scams, dem klassischen „Enkeltrick” oder falschen Polizisten.

Diese Maschen setzen stark auf emotionale Manipulation und führen dadurch häufig zu sehr hohen Schadenssummen.