Was bedeutet es heute eigentlich, in einem Ordenskrankenhaus zu arbeiten – und welche Rolle spielen dabei Werte, Teamkultur und Vielfalt? Während viele beim Begriff noch an traditionelle, religiös geprägte Strukturen denken, zeigt sich im Alltag ein deutlich moderneres Bild: Offenheit, Professionalität und ein klarer Fokus auf den Menschen stehen im Zentrum. Gerade in einem Umfeld, in dem unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Lebensrealitäten aufeinandertreffen, wird deutlich, wie entscheidend gemeinsame Werte für funktionierende Zusammenarbeit sind. Im Gespräch erklärt Martina Rupp-Waldsam, HR-Leiterin im Krankenhaus Barmherzige Brüder Wien, wie diese Haltung im Krankenhausalltag gelebt wird und warum sie für Mitarbeitende ebenso wichtig ist wie für Patient:innen.
Werte, die im Alltag gelebt werden
KOSMO: Viele denken bei einem Ordensspital zuerst an Religion. Was bedeutet „Ordenskrankenhaus“— und was heißt das konkret für Mitarbeitende, die einer anderen Religion angehören oder keiner?
Martina Rupp-Waldsam: Als Ordenskrankenhaus haben wir eine klare Wertehaltung mit dem zentralen Wert der Hospitalität — aber wir sind ein modernes Haus, in dem Menschen unterschiedlichster Weltanschauungen zusammenarbeiten. Religion ist bei uns keine Eintrittskarte und kein Kriterium. Entscheidend ist, dass jemand unsere Haltung teilt: Respekt, Qualität, Verantwortung und Spiritualität. Spirituelle Angebote gibt es, aber sie sind immer freiwillig — für Patient:innen genauso wie für Mitarbeitende. Im Arbeitsalltag steht die bestmögliche Versorgung im Mittelpunkt. Wir erleben Vielfalt als Bereicherung: Unterschiedliche Perspektiven stärken Teams, solange der gemeinsame Nenner stimmt — und das sind bei uns Menschlichkeit und Qualität.
KOSMO: Welche Werte sind bei den Barmherzigen Brüdern Wien nicht nur ein Leitbild, sondern im Alltag spürbar — im Umgang mit Patient:innen und im Team?
Martina Rupp-Waldsam: Unsere Werte spürt man vor allem in kleinen Dingen: Wie wir zuhören, wie wir miteinander sprechen, wie wir Konflikte lösen. Für uns sind Patient:innen keine „Fälle“, sondern Menschen in oft vulnerablen Situationen. Und genauso wichtig ist uns der Blick auf Mitarbeitende: Wertschätzung zeigt sich in guter Einarbeitung, Zusammenarbeit und Kommunikation auf Augenhöhe und einem Klima, in dem man Fragen stellen darf. „Barmherzigkeit“ heißt im heutigen Kontext nicht nur Mitgefühl, sondern auch professionelles Handeln: klare Abläufe, hohe Standards, gute Kommunikation. Neue Kolleg:innen merken meist sehr schnell, dass bei uns Teamarbeit nicht nur ein Wort ist — sondern eine Voraussetzung, damit Qualität gelingt.
KOSMO: Im Krankenhaus kann es stressig werden. Was sorgt dafür, dass Zusammenarbeit auch unter hoher Belastung respektvoll und professionell bleibt?
Martina Rupp-Waldsam: Druck gehört im Krankenhaus dazu — umso wichtiger sind Kultur und Führung. Wir arbeiten mit klaren Übergaben, Standards und einer Kommunikationskultur, die Sicherheit schafft: lieber einmal mehr nachfragen als Fehler riskieren. Gleichzeitig achten wir auf das Miteinander: Respekt ist nicht verhandelbar, auch in hektischen Momenten. Wir fördern Teams dabei, Probleme früh anzusprechen — und wir unterstützen Führungskräfte, damit sie Orientierung geben und Konflikte lösungsorientiert moderieren können. Gute Zusammenarbeit entsteht nicht zufällig; sie ist Ergebnis von Struktur, Haltung und gegenseitigem Vertrauen. Und genau das ist auch ein Recruiting-Thema: Wer zu uns kommt, soll wissen, dass er/sie in einem Team arbeitet, das zusammenhält
KOSMO: Viele Ihrer Mitarbeiter:innen haben internationale Wurzeln — auch aus dem ehemaligen Jugoslawien. Wie nutzen Sie diese Vielfalt als Stärke, und wo braucht es klare Strukturen, damit sie gut funktioniert?
Martina Rupp-Waldsam: Internationale Vielfalt ist bei uns kein Projekt, sondern Alltag — und sie ist eine echte Stärke: Sprachen, kulturelle Sensibilität und unterschiedliche Erfahrungen helfen in der Versorgung und im Team. Gleichzeitig braucht Vielfalt klare Rahmenbedingungen: gemeinsame Standards, verständliche Kommunikation und ein respektvoller Umgang. Wenn Missverständnisse entstehen, nehmen wir sie ernst und lösen sie strukturiert — über Feedback, Teamgespräche und klare Zuständigkeiten. Wir sagen auch offen: Integration gelingt am besten, wenn beide Seiten beitragen — das Haus mit guter Einarbeitung und Unterstützung, neue Kolleg:innen mit Lernbereitschaft und Offenheit. Wer Werte teilt und gerne mit Menschen arbeitet, findet bei uns ein Umfeld, in dem Vielfalt als Normalität gelebt wird.
KOSMO: Welche Qualifikationen oder Soft Skills sind Ihnen bei Mitarbeiter:innen wichtiger als „ein perfekter Lebenslauf“?
Martina Rupp-Waldsam: Wichtig ist uns dabei nicht nur die fachliche Qualifikation, sondern auch die Haltung: Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Lernbereitschaft und ein respektvoller Umgang mit Patient:innen. Ein perfekter Lebenslauf ist weniger entscheidend als die Frage: Passt jemand menschlich und professionell zu unserer Kultur? Der Bewerbungsprozess soll niedrigschwellig sein: Online bewerben, rasch Rückmeldung, ein Gespräch, in dem beide Seiten ehrlich prüfen, ob es passt — und dann eine gute Einarbeitung. Wir suchen Menschen mit Begeisterung für Gesundheitsberufe und einem werteorientierten Zugang.
KOSMO: Welche Perspektiven haben Mitarbeiter:innen bei Ihnen: Fachkarriere, Spezialisierungen, Führung — und wie fördern Sie das konkret?
Martina Rupp-Waldsam: Wir wollen, dass Menschen bei uns wachsen können — fachlich und, wenn gewünscht, auch in Richtung Führung. Das beginnt bei Fort- und Weiterbildungen, geht über Spezialisierungen bis hin zu Entwicklungsprogrammen. Wichtig ist: Karriere bedeutet nicht nur „Chef:in werden“ — auch eine starke Fachkarriere ist bei uns viel wert. Wir sprechen Entwicklung aktiv an: Was sind Ziele? Was braucht es dafür? Welche Schritte sind realistisch? Wenn jemand Verantwortung übernehmen möchte, unterstützen wir das — mit Coaching, Training und klaren Rollen. Das stärkt auch die Arbeitgeberattraktivität, weil Kolleg:innen sehen: Leistung und Engagement werden bei uns wahrgenommen.
KOSMO: Wenn Sie einer Pflegekraft oder einem:r Ärzt:in aus der Kosmo-Community in einem Satz sagen müssten, warum sie/er zu Ihnen kommen sollte — wie lautet dieser Satz?
Martina Rupp-Waldsam: Wenn ich es in einem Satz sagen soll: Bei uns zählt nicht, welche Religion jemand hat — sondern ob jemand mit Begeisterung, Respekt und Werteorientierung für Menschen da sein will.
Wir wünschen uns Bewerber:innen, die ihr Fach können oder lernen wollen, die im Team denken und die Patient:innen mit Würde behandeln. Wer das mitbringt, findet bei uns ein stabiles, sinnstiftendes Umfeld, in dem man nicht allein gelassen wird — weder am ersten Tag noch nach Jahren.
Wer sich für eine Karriere in einem werteorientierten und gleichzeitig modernen Arbeitsumfeld interessiert, findet weitere Informationen sowie aktuelle Jobangebote unter www.pflegeistmehr.at.