Während fast die Hälfte der Österreicher eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung beklagt, suchen immer mehr nach Alternativen – von KI-Beratung bis zu homöopathischen Behandlungen.
Fast die Hälfte der Österreicher bemerkt eine Verschlechterung der medizinischen Versorgung im vergangenen Jahr. Lediglich acht Prozent nehmen eine positive Entwicklung wahr, wie die am Donnerstag in Wien präsentierte „Gesundheitsstudie“ der Wiener Städtischen zeigt. Bei der Selbständigeinschätzung bezeichnen 44 Prozent ihre körperliche Verfassung als gut, weitere 15 Prozent sogar als sehr gut. Auf mentaler Ebene berichten 40 Prozent von einem guten und 16 Prozent von einem sehr guten Zustand.
Etwa ein Drittel der Befragten stuft sowohl ihre physische als auch psychische Gesundheit als durchschnittlich ein. Schlechte Werte geben körperlich zehn und mental zwölf Prozent an, während jeweils ein Prozent ihre Gesundheit in beiden Bereichen als sehr schlecht beschreibt. Eine Verbesserung der körperlichen beziehungsweise mentalen Gesundheit im letzten Jahr verzeichneten 14 beziehungsweise 16 Prozent, während 24 beziehungsweise 21 Prozent eine Verschlechterung feststellten. Bemerkenswert ist, dass ein Fünftel der Eltern minderjähriger Kinder bei diesen eine positive Entwicklung der psychischen Gesundheit beobachtete.
Mangel an Kassenärzten
Die Unzufriedenheit mit dem Gesundheitssystem hat konkrete Ursachen: 56 Prozent der Befragten bemängeln ein unzureichendes Angebot an Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag. Noch deutlicher fällt die Kritik bei Fachärzten aus – hier beklagen 70 Prozent einen Mangel. Sonja Brandtmayer, stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Städtischen, sieht darin den Hauptgrund für die häufigen Beschwerden über lange Wartezeiten.
Während die meisten Patienten bei Hausärzten mit Kassenvertrag nur „wenige Tage“ auf einen Termin warten müssen, gaben 35 Prozent an, für einen Facharzttermin mit Kassenfinanzierung oft mehr als zwei Monate Wartezeit einplanen zu müssen.
Digitale Alternativen
Diese Versorgungslücken könnten erklären, warum immer mehr Menschen digitale Alternativen nutzen. „Bereits ein Drittel der österreichischen Bevölkerung hat Erfahrung mit der Nutzung von KI in Bezug auf gesundheitliche Themen“, erläuterte Gabriele Reithner vom Gallup Institut. Weitere 22 Prozent stehen der Verwendung von Künstlicher Intelligenz für Gesundheitsfragen offen gegenüber. Allerdings lehnen 42 Prozent diese Option grundsätzlich ab.
Besonders auffällig: In der Altersgruppe bis 35 Jahre hat bereits mehr als die Hälfte KI-basierte Gesundheitsratschläge eingeholt. Trotz des wachsenden Interesses an digitalen Lösungen genießen Ärzte weiterhin das größere Vertrauen. Für 53 Prozent sind ärztliche Auskünfte „auf jeden Fall vertrauenswürdiger als die KI“, weitere 32 Prozent halten sie für „eher vertrauenswürdig“.
Dennoch stufen insgesamt zehn Prozent die Informationen einer KI als mindestens ebenso verlässlich ein – acht Prozent finden sie „eher vertrauenswürdig“ und zwei Prozent sogar „auf jeden Fall vertrauenswürdiger“. Brandtmayer betonte angesichts dieser Zahlen „wie wichtig Gesundheitskompetenz ist“.
Neben digitalen Lösungen wenden sich viele Österreicher auch alternativen Heilmethoden zu. Etwa jeder Zweite verfügt über Erfahrungen mit alternativ- oder komplementärmedizinischen Behandlungen, wobei Homöopathie, Akupunktur und Osteopathie am häufigsten genannt werden. Bei 28 Prozent der Befragten ist das Interesse an solchen Methoden gestiegen, unter den jüngeren Teilnehmern bis 35 Jahre sogar bei 37 Prozent.
Die repräsentative Online-Umfrage für die „Gesundheitsstudie 2025“ wurde vom Gallup Institut durchgeführt. Befragt wurden 1.000 Personen zwischen 16 und 70 Jahren in ganz Österreich.