Slađana Stokanović: Fernbeziehung – Aus den Augen, aus dem Sinn?

REPORTAGE

Slađana Stokanović: Fernbeziehung – Aus den Augen, aus dem Sinn?

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FOTO: Mehmedinovic

FERNBEZIEHUNG. Kann die Liebe alles besiegen? Sogar mehrstellige Kilometerzahlen? Bedeutet aus den Augen immer auch aus dem Sinn oder ist das nur ein Test für die Liebe? Antworten auf all diese Fragen haben uns unsere Gesprächspartner anhand ihrer eigenen Beispiele gegeben.

Man sagt, dass Distanzen eine Frage des Kopfes und nicht des Herzens sind. Man sagt, dass das Schwerste die emotionale Distanz ist, aber dass man die physische Distanz irgendwie ertragen kann. Man sagt auch, dass die wahre Liebe immer einen Weg findet und siegt. Man sagt alles Mögliche, aber unsere Journalistin hat sich dieses Mal entschlossen, zu überprüfen, was Wahrheit ist und was Mythos.

In unserer dreiteiligen Serie wollten wir dem auf den Grund gehen. Alle unsere Gesprächspartner haben Erfahrungen mit Fernbeziehungen, einige positive, andere negative, und wieder andere stecken gerade mitten in dieser Erfahrung. Aber eines verbindet sie alle: der Glaube an die Liebe. Zu guter Letzt wollen wir euch Slađana Stokanović vorstellen…

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FERNBEZIEHUNG. Kann die Liebe alles besiegen? Sogar mehrstellige Kilometerzahlen? Bedeutet aus den Augen immer auch aus dem Sinn oder ist das nur ein Test für die Liebe? Antworten auf all diese Fragen haben uns unsere Gesprächspartner anhand ihrer eigenen Beispiele gegeben.

 

Die Entfernung tut das Ihre

Jede Medaille hat ihre zwei Seiten und jede Geschichte hat einen Anfang und ein Ende. Manchmal ist das Ende sogar ein neuer Anfang. So ist Slađanas Geschichte und ihr, wie sie es nennt, Versuch einer Fernbeziehung. Ihren damaligen Freund lernte sie in Novi Sad schon in der Mittelschule kennen. Ihr Kontakt wurde zu einer wunderbaren, harmonischen Beziehung und dauerte drei Jahre an. Dann kam die Entscheidung namens Studium. Slađana hatte bereits einen Plan und wollte nach Wien kommen, um hier Pharmazie zu studieren. Das heißt: Distanz Wien – Novi Sad. Sie glaubte, dass ihre harmonische Beziehung, die sie hatte, nicht wesentlich beeinflussen würde, aber… Immer gibt es dieses „aber“, dass einem Mädchen sein Glück raubt.

„Auf einmal wurde alles anders. Es begannen die ersten Streitereien, Misstrauen, Eifersucht… Aber nicht mehr diese Eifersucht, die auch ein bisschen angenehm ist, sondern eine verletzende… Dass jemand, der dir bis gestern alles geglaubt hat, jetzt verletzende Zweifel hat“, so führt uns Slađana in ihre Vergangenheit ein. Obwohl sie versuchten, die über 500 Kilometer Distanz mithilfe der sozialen Netzwerke, mit langen, langen Telefonaten zu überbrücken, betont Slađana, dass das irgendwie nicht funktionierte. Es kostete mehr Kraft als es Erfüllung gab, meint unsere Gesprächspartnerin. „Am schwersten war es, dass wir uns nur sahen, wenn wir konnten, und nicht, wenn wir wollten… Dennoch glaube ich jetzt nach drei Jahren der Trennung, dass die Beziehung einfach doch nicht stark genug war, denn wäre sie es gewesen, hätte sie das verkraftet. Ich glaube daran, dass, wer wirklich will, auch einen Weg findet… Die Entfernung hat sicher das Ihre getan, aber es fehlten auch Vertrauen und Toleranz“; unterstreicht Slađana klar.

Ihre Fernbeziehung betrachtet sie als eine Erfahrung. (FOTO: Mehmedinovic)

Der Versuch unserer Gesrpächspartnerin und ihres Freundes, für den Slađana bittet, dass er aus Respekt gegenüber ihrem jetzigen Freund anonym bleibt, dauerte zwei Monate. Nach dieser Erfahrung sagt unsere Gesprächspartnerin kategorisch, dass sie der Idee, eine Fernbeziehung zu versuchen, niemals wieder zustimmen würde. Dennoch sieht sie diese Beziehung als eine neue Lektion über den Partner, die Beziehung zwischen zwei Menschen und über sich selbst. Auf die Frage, was sie jenen raten würde, die erwägen, eine solche Beziehung zu versuchen, sagt uns Slađana: „Ich glaube, dass Paare, die daran gewöhnt sind, in einer Fernbeziehung zu leben, d.h. die ihre Beziehung schon so begonnen haben, im Vorteil sind. Für Menschen, die in einer Beziehung gelebt haben wie ich und sich dann trennen müssen, ist es schwerer. Dennoch glaube ich, dass es möglich ist, so eine Beziehung zu aufrechtzuerhalten, wenn beide einen festen Charakter haben und wenn ihre Liebe wirklich stark ist…. Auf jeden Fall braucht es Toleranz, Respekt und Verständnis“, schließt Slađana, und Sie werden zugeben, dass wir dazu nur bestätigend mit dem Kopf nicken konnten.

Eine Distanz ist auf jeden Fall nicht angenehm, aber sie kann auch nur ein vorübergehendes Hindernis und eher eine Situation sein, aus der man viel über die Kommunikation mit dem Partner und Wertschätzung für die Zeit mit ihm lernen kann. Es gibt viel schwerere und quälendere Distanzen als die physische, die letztendlich überwindbar ist.