Trümmer, Nachbeben, Zehntausende Vermisste – La Guaira kämpft ums Überleben, während die Uhr tickt.
Venezuelas Bundesstaat La Guaira steht nach den verheerenden Erdbeben unter Militärkontrolle. Die Behörden melden 920 Todesopfer, mehr als 3.300 Verletzte und über 70.000 betroffene Familien. Die Regierung sperrte die Zufahrtsstraßen in die Region ab – aus humanitären und gesundheitlichen Erwägungen, um die Rettungsarbeiten zu koordinieren und Gesundheitsrisiken einzudämmen.
La Guaira war von den Beben der Stärken 7,2 und 7,5, die sich am Mittwoch ereigneten, am stärksten betroffen. Der Bundesstaat, in dem sich sowohl der internationale Flughafen als auch der bedeutendste Seehafen des Landes befinden, wurde offiziell zum Katastrophengebiet erklärt.
US-Hilfe zugesichert
In einem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Venezuelas geschäftsführender Präsidentin Delcy Rodriguez sicherten die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung zu – während die Zahl der Nachbeben auf über 300 anstieg und auf einer inoffiziellen Plattform rund 50.000 Menschen als vermisst geführt werden. Rodriguez teilte auf der Plattform X mit, dass Trump und US-Außenminister Marco Rubio sie kontaktiert hätten.
„Sie bekräftigten ihre Bereitschaft, die Hilfsmaßnahmen durch die Entsendung von Rettungskräften, Spezialausrüstung, Unterstützung für Notunterkünfte und humanitäre Hilfe für die betroffenen Familien zu begleiten. Wir sind zutiefst dankbar für diese Geste der Freundschaft und Zusammenarbeit“, schrieb die Staatschefin.
Die US-Regierung sagte Nothilfen in Höhe von 150 Millionen US-Dollar zu und lockerte gleichzeitig für mehrere Monate bestimmte Sanktionen, um Transaktionen im Zusammenhang mit den Hilfsmaßnahmen bis zum 23. Oktober 2026 zu erlauben.
Militär übernimmt Kontrolle
Angesichts der massiven Zerstörungen in La Guaira hat die venezolanische Regierung die nördliche Region des Landes militarisiert. Der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodriguez, erklärte, die Streitkräfte hätten die Kontrolle übernommen, um die öffentliche Ordnung zu sichern und den Einsatzkräften die Arbeit zu erleichtern. Innenminister Diosdado Cabello kündigte die Sperrung der Zufahrtsstraßen nach La Guaira an.
„Es ist notwendig, dass alles geordnet und entsprechend der aktuellen Lage abgewickelt wird“, sagte er im Fernsehsender VTV. Ziel sei es, den Zustrom unbeteiligter Personen zu unterbinden, Gesundheitsrisiken zu minimieren und die Bergungsarbeiten zu beschleunigen.
„Es sind kritische Stunden für die Rettung von Leben“, betonte Rodriguez. Rettungsteams aus mehreren Ländern arbeiten unter widrigen Bedingungen gegen die Zeit. Fachleute weisen darauf hin, dass die Überlebenschancen Verschütteter nach Ablauf von 72 Stunden erheblich sinken.
Bislang wurden mehr als 300 Nachbeben verzeichnet. Am Freitag registrierte die US-Erdbebenwarte USGS eine weitere Erschütterung der Stärke 4,7 in zehn Kilometern Tiefe vor der venezolanischen Karibikküste.
Auf einem eigens eingerichteten Internetportal zur Suche nach Vermissten gingen Zehntausende Meldungen ein. Den Betreibern zufolge werden dort derzeit rund 50.000 Menschen als vermisst geführt. Angehörige und Bekannte haben die Möglichkeit, Fotos der gesuchten Personen gemeinsam mit weiteren Angaben hochzuladen.
Eine unabhängige Überprüfung der dort veröffentlichten Informationen ist jedoch nicht möglich.