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Rauchstopp

E-Zigaretten statt Zigaretten: Wiener Lungenarzt widerspricht Studie

E-Zigaretten statt Zigaretten: Wiener Lungenarzt widerspricht Studie
Symbolbild Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

E-Zigaretten als Ausstiegshilfe – eine neue Studie liefert Zahlen, die Experten in Wien sofort widersprechen.

Acht bis zehn von hundert Studienteilnehmern schafften es mithilfe von E-Zigaretten, mindestens sechs Monate lang auf herkömmliche Zigaretten zu verzichten. Wie aus den ausgewerteten Studien hervorgeht, gelang der dauerhafte Rauchausstieg mit nikotinhaltigen Vapes in acht bis zehn Prozent der Fälle. Wer auf nikotinfreie E-Zigaretten oder klassische Nikotinersatzprodukte – etwa Pflaster, Kaugummis, Pastillen oder Sprays – zurückgriff, kam auf rund sechs Prozent.

Ganz ohne Unterstützung oder lediglich mit Verhaltenshilfe gelang der Ausstieg nur fünf Prozent der Betroffenen. Alle anderen untersuchten Methoden schnitten schlechter ab – der Abstand betrug bis zu vier Prozentpunkte. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam unter der Leitung der Gesundheitswissenschaftlerin Jamie Hartmann-Boyce von der University of Massachusetts in Amherst.

Cochrane-Studie

Die Übersichtsarbeit wurde im Auftrag des renommierten Forschungsnetzwerks Cochrane erstellt und am 8. Jänner 2024 in der Cochrane Database of Systematic Reviews veröffentlicht. Cochrane bereitet medizinisches Wissen auf Grundlage qualitativ hochwertiger Studien auf. In die aktuelle Auswertung flossen 80 randomisierte, kontrollierte Studien mit insgesamt 29.861 Teilnehmern ein.

Bei einer randomisierten Studie werden die Teilnehmenden per Zufallsprinzip den jeweiligen Versuchsgruppen zugeteilt. Der Begriff „kontrolliert“ bedeutet, dass die erzielten Ergebnisse mit jenen einer Kontrollgruppe verglichen werden, die keine Behandlung erhält.

Expertenkritik

Die Befunde stoßen jedoch nicht nur bei österreichischen Lungenfachärzten auf Skepsis. Auch nikotinhaltige E-Zigaretten seien keineswegs unbedenklich, warnt Lungenfacharzt Lukasz Antoniewicz von der MedUni Wien in einem ORF-Interview: Solche Produkte seien grundsätzlich nicht für die Rauchentwöhnung gedacht. In der Cochrane-Arbeit wurde kein echter Entzug untersucht, der Menschen endgültig vom Rauchen wegbringt, sondern das Prinzip der „Harm Reduction“ (Schadensminimierung).

Das heißt, es wird geschaut, ob ein besonders schädliches Produkt durch ein weniger schädliches ersetzt wird, erklärt der Wiener Lungenfacharzt, der selbst zu den Auswirkungen von Zigaretten, E-Zigaretten und Nikotin forscht. Wenn andere Hilfen nichts bringen, könnten E-Zigaretten als Übergangslösung in Frage kommen, meint Hartmann-Boyce. Sie sieht den Umstieg auf Vapes als Zwischenschritt zum kompletten Rauchstopp.

Auch Nicola Lindson von der Universität Oxford, die Erstautorin des aktuellen Cochrane-Reviews, betont: „Nikotin-Vapes sind zwar wahrscheinlich nicht völlig risikofrei, aber weniger schädlich als Tabakzigaretten.“ Lukasz Antoniewicz sieht das kritischer und widerspricht: „Ja, es gibt tatsächlich wahrscheinlich wenig, das schädlicher ist als Tabakrauchen.“ Aber nikotinhaltige E-Zigaretten hätten eben andere Risiken.

Wenn jemand nach einem halben Jahr ohne Zigaretten wieder zur Zigarette greift, könnte das Verlangen sogar stärker sein als vorher. Es gibt viele Hinweise, dass E-Zigaretten beim Rauchstopp oft nicht helfen, sondern die Leute nach etwa zwölf Monaten wieder rückfällig werden. Auch das Studienteam selbst schreibt, dass längere und größere Studien nötig sind, um die Langzeitfolgen von E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung zu beurteilen.

Bei einer Anwendung von Vapes über sechs Monate oder kürzer gab es keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen. „Wir wissen aus der Rauchentwöhnung, dass es am effektivsten ist, wenn mehrere Methoden kombiniert werden, damit Leute vom Tabak und vom Nikotin wegkommen“, erklärt Antoniewicz. Dazu gehört etwa eine Verhaltenstherapie gemeinsam mit Nikotinersatz aus der Apotheke.

Ein bloßer Umstieg auf nikotinhaltige E-Zigaretten – und sei es nur für ein halbes Jahr – bringt laut dem Experten jedenfalls nichts. Hartmann-Boyce betont ergänzend: „Wir arbeiten derzeit an einer Übersichtsarbeit zu Maßnahmen, die beim Ausstieg aus dem Vapen helfen sollen.“

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KO KOSMO-Redaktion
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