Unausgesprochenes, offene Fragen, ungelöste Konflikte – der plötzliche Verlust eines Elternteils kann tiefe emotionale Lücken hinterlassen, die sich nie mehr schließen lassen.
Über den Tod zu sprechen fällt vielen Menschen schwer, besonders wenn es um die eigenen Eltern geht. Doch genau diese Gespräche können entscheidend sein, wenn plötzlich ein Todesfall eintritt oder eine schwere Erkrankung diagnostiziert wird. Trauerbegleiterin Verena Brunnbauer weist auf die oft unvorbereitete Situation hin: „Von einem Tag auf den nächsten müssen sich Angehörige mit Themen auseinandersetzen, über die sie sich noch nie Gedanken gemacht haben.“
Die ehemalige Bestatterin gehört zu den Initiatoren der „Death Positive“-Bewegung in Österreich, die aktiv dafür eintritt, Gespräche über Sterben und Trauer in den Alltag zu holen. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Nicole Honeck betreibt sie in Linz den Verein „sagbar“, der mit niedrigschwelligen Formaten wie der „Sargbar“ tabufreie Dialogräume schafft.
Ungesagte Worte
Die Frage drängt sich auf: Was bliebe ungesagt, wenn die eigenen Eltern morgen nicht mehr wären? Welche Fragen würden für immer unbeantwortet bleiben? Gibt es noch ungelöste Konflikte, die einer Versöhnung bedürfen?
Ein offenes Gespräch über Vergänglichkeit kann nicht nur auf unerwartete Ereignisse vorbereiten, sondern auch das Band zwischen Eltern und Kindern nachhaltig stärken. Brunnbauer, die Trauerarbeit mit Humorberatung verbindet, ermutigt dazu, diese schwierigen Themen nicht zu verdrängen: „Wenn wir uns frühzeitig mit Abschied und Bestattung auseinandersetzen, schaffen wir Raum für bewusste Entscheidungen statt emotionales Chaos.“
Die Bewegung zeigt Wirkung: Österreichweit wächst die Bereitschaft, sich präventiv mit dem eigenen Sterben und dem Verlust nahestehender Menschen zu beschäftigen – ein wichtiger Schritt, um den letzten gemeinsamen Momenten mehr Bedeutung zu geben.