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Forschung

Ozempic verändert das Gehirn – und niemand kennt die Konsequenzen

Ozempic verändert das Gehirn – und niemand kennt die Konsequenzen
FOTO: iStock/JNemchinova/Nur Ceren Demir
3 Min. Lesezeit |

Ozempic & Co. sollten Gewicht und Blutzucker regulieren – doch in den Hirnscans zeigt sich etwas, das Forscher weltweit aufhorchen lässt.

Medikamente wie Ozempic, Wegovy oder Mounjaro gelten als Durchbruch bei Diabetes und Adipositas. Doch neue Studien deuten darauf hin, dass die Wirkstoffe weit mehr beeinflussen könnten als Hunger und Stoffwechsel. Forscher beobachten Veränderungen in Hirnregionen, die für Aufmerksamkeit, Motivation und Belohnung zuständig sind. Da inzwischen weltweit Millionen Menschen GLP-1-Medikamente einnehmen, könnte sich die Entwicklung zur größten ungeplanten neurowissenschaftlichen Studie der modernen Medizingeschichte entwickeln.

Überraschende Befunde im Gehirn

Für Aufsehen sorgte eine Studie der University of Colorado. Bei jungen Patientinnen, die GLP-1-Medikamente erhielten, zeigten Hirnscans bereits nach wenigen Monaten deutlich stärkere Verbindungen im sogenannten Salience Network, das für die Fokussierung von Aufmerksamkeit verantwortlich ist. „Wir hatten nicht erwartet, diesen Effekt zu sehen“, erklärte die beteiligte Forscherin Allison Shapiro.

Was diese Veränderungen bedeuten, ist noch unklar. Sie verstärken jedoch den Verdacht, dass GLP-1-Präparate nicht nur auf den Darm und den Stoffwechsel wirken, sondern auch neuronale Prozesse beeinflussen könnten.

Mehr als nur Abnehmen

Wissenschaftler untersuchen die Medikamente inzwischen weit über ihren ursprünglichen Einsatz hinaus. Im Fokus stehen mögliche Auswirkungen auf Suchtverhalten, kognitive Leistungen, Motivation und neurodegenerative Erkrankungen. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Wirkstoffe Entzündungen im Gehirn reduzieren und Nervenzellen schützen könnten.

Forscher vermuten zudem, dass die Medikamente die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn verändern. Dabei könnte der Vagusnerv eine wichtige Rolle spielen, der Verdauungssystem und Gehirn miteinander verbindet.

Emotionale Abflachung sorgt für Diskussionen

Nicht alle Berichte über die psychischen Auswirkungen fallen positiv aus. Manche Anwender klagen über Gehirnnebel, andere über eine schwer greifbare emotionale Abstumpfung. Weniger Freude, sinkende Motivation, schwindendes Interesse an Hobbys oder eine verringerte Libido gehören zu den häufigsten Schilderungen.

Forscher diskutieren deshalb, ob die Medikamente nicht nur schädliche Impulse wie Heißhunger oder Suchtdruck dämpfen, sondern möglicherweise auch andere Belohnungsmechanismen beeinflussen.

Hoffnung bei Alkohol- und Nikotinsucht

Besonders spannend sind die Ergebnisse im Bereich der Suchtforschung. Wissenschaftler vermuten, dass GLP-1-Medikamente die dopamingesteuerten Belohnungssysteme des Gehirns abschwächen und dadurch das Verlangen nach Alkohol, Nikotin oder anderen Suchtmitteln reduzieren könnten.

Mehrere große klinische Studien laufen bereits, um die Wirksamkeit der Wirkstoffe bei Alkoholabhängigkeit, Nikotinsucht, Spielsucht und Binge-Eating zu untersuchen. Erste Ergebnisse gelten als vielversprechend.

Rückschlag bei Alzheimer

Weniger erfolgreich verlief eine große Studie von Novo Nordisk zur Alzheimer-Erkrankung. Das Unternehmen konnte keinen signifikanten Einfluss auf den kognitiven Abbau nachweisen. Dennoch entdeckten Forscher Veränderungen bei Biomarkern, die mit Entzündungen und Neurodegeneration in Verbindung stehen.

Einige Experten vermuten deshalb, dass GLP-1-Medikamente möglicherweise eher vorbeugend als therapeutisch wirken könnten – also bevor die Krankheit weit fortgeschritten ist.

Viele Fragen bleiben offen

Auch mögliche Effekte auf Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie oder Long Covid werden derzeit untersucht. Noch fehlen eindeutige Antworten, doch das Interesse der Wissenschaft wächst rasant.

Fest steht: GLP-1-Medikamente verändern möglicherweise weit mehr als das Körpergewicht. Ob sie langfristig auch das Gehirn beeinflussen und welche Folgen das hat, müssen die kommenden Jahre zeigen.

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KO KOSMO-Redaktion
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