Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Positionspapier

Psychiater schlagen Alarm: Wenn der Tod zum falschen Ausweg wird

Psychiater schlagen Alarm: Wenn der Tod zum falschen Ausweg wird
(Symbolbild FOTO: iStock)
2 Min. Lesezeit |

Todeswünsche als Hilferuf: Psychiater warnen vor vorschneller Sterbehilfe und fordern bessere Versorgung für Menschen in existenziellen Krisen.

Anlässlich des Allerseelenfestes thematisiert die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP) den komplexen Umgang mit Sterbe- und Suizidhilfe. In einem neuen Positionspapier unterstreicht die Fachgesellschaft, dass Todeswünsche häufig nicht als freie Entscheidungen zu verstehen sind, sondern vielmehr tiefe existenzielle Krisen widerspiegeln. „Sterbewünsche entstehen meist aus Angst, Einsamkeit, Kontrollverlust oder der Sorge, zur Last zu fallen. Diesen Motiven muss mit Zuwendung, therapeutischer Begleitung und palliativer Unterstützung begegnet werden“, erklärt Prim. Dr. Christa Rados, ÖGPP-Vorstandsmitglied und Mitverfasserin des aktuellen Positionspapieres.

Ein zentrales Anliegen der ÖGPP ist der Ausbau psychiatrischer und palliativer Versorgungsstrukturen in Österreich. Die Fachgesellschaft weist darauf hin, dass psychiatrische Symptome bei schwer erkrankten Patienten zwar häufig auftreten, jedoch durch gezielte Diagnostik therapierbar sind. In vielen Fällen könne dadurch der Wunsch nach vorzeitiger Lebensbeendigung relativiert werden.

⇢ Jugendknast-Skandal: „Verbale Attacken und Isolation“ – Häftlinge packen aus

Würdevolles Sterben

Zudem äußert die ÖGPP Kritik an der pauschalen Gleichsetzung von assistiertem Suizid mit einem „würdevollen Sterben“: „Dieser Begriff suggeriert, dass ein natürlicher Sterbeprozess weniger würdevoll sei – das lehnen wir entschieden ab“, betont Prim. Dr. Rados.

Die Fachgesellschaft richtet ihren Blick auch auf die mediale Darstellung von Suizid und assistiertem Suizid. Der wissenschaftlich gut dokumentierte „Werther-Effekt“ – das erhöhte Risiko von Nachahmungssuiziden nach bestimmten Medienberichten – verdeutlicht die Notwendigkeit einer verantwortungsvollen, nicht-romantisierenden Berichterstattung.

Besondere Schutzbedürftigkeit

Das neue Positionspapier verdeutlicht, dass die ÖGPP zwar das Selbstbestimmungsrecht respektiert, gleichzeitig aber auf die besondere Schutzbedürftigkeit von Menschen in psychischen Ausnahmesituationen aufmerksam macht.

„Sterbehilfe darf niemals als Ersatz für eine unzureichende psychiatrische Versorgung verstanden werden“, mahnt Prim. Dr. Christian Korbel, Präsident der ÖGPP. „Psychische Erkrankungen wie Belastungsreaktionen oder Depressionen sind behandelbar – entscheidend ist, dass Betroffene rasch, niedrigschwellig und kompetent Hilfe finden. Psychische Gesundheit, Würde und Selbstbestimmung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen