Bauchgefühl oder Fakten? Während wir im Urlaub auf bewährte Regeln schwören, räumt die Wissenschaft mit sommerlichen Mythen auf.
Ob „nicht mit vollem Magen schwimmen“ oder „Salzwasser heilt Wunden“ – viele halten im Urlaub eisern an diesen Regeln fest. Doch stimmen diese althergebrachten Weisheiten überhaupt? Die Wissenschaft zeichnet ein differenzierteres Bild und widerlegt so manchen gut gemeinten Ratschlag.
Der Klassiker unter den Sommerregeln: Nach dem Essen nicht ins Wasser! Generationen von Kindern mussten nach dem Mittagessen eine Stunde warten, bevor sie wieder ins Meer durften. Die Wissenschaft gibt jedoch Entwarnung: Der Körper verlangsamt zwar während der Verdauung bestimmte Prozesse, ein entspanntes Bad stellt aber kein Risiko dar. Anders sieht es bei Menschen mit Herzerkrankungen oder Durchblutungsstörungen aus – hier kann jeder plötzliche Temperaturwechsel problematisch werden, unabhängig von der letzten Mahlzeit.
Gesunde Menschen können also beruhigt nach dem Essen schwimmen gehen, sollten aber übermäßiges Essen vermeiden. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) rät zu einem ausgewogenen Mittelweg: Weder mit ganz vollem noch mit völlig leerem Magen ins Wasser gehen. Entgegen der Volksmeinung belegt keine wissenschaftliche Studie, dass ein normales Schwimmen nach dem Essen zu Magenkrämpfen oder gar Ertrinken führt.
Salzwasser-Mythos
„Tauche deine Wunde ins Salzwasser, das desinfiziert und heilt schneller“ – auch diese Weisheit hält sich hartnäckig, ist aber nur teilweise richtig. Tatsächlich können tiefe, verschmutzte Wunden vom Salzwasser profitieren. Bei kleineren Verletzungen, wie sie besonders Kinder beim Radfahren erleiden, wirkt Salzwasser jedoch kontraproduktiv. Es greift das empfindliche Gewebe an und kann den Heilungsprozess sogar verzögern statt beschleunigen.
Mediziner sind hier deutlich: Für die Wundversorgung eignet sich Meerwasser aufgrund möglicher Keimbelastung nicht. Stattdessen empfehlen sie zur Reinigung ausschließlich sterile 0,9-prozentige Kochsalzlösung, die in jeder Apotheke erhältlich ist. Natürliches Meerwasser kann das Gewebe zusätzlich reizen und sogar Infektionen begünstigen.
Sonnenschutz-Irrtümer
Ein weiterer verbreiteter Irrglaube betrifft den Sonnenschutz: „Je höher der Lichtschutzfaktor, desto länger kann ich in der Sonne bleiben.“ Diese Annahme ist schlichtweg falsch. Zwar schützt Faktor 30 etwas länger als Faktor 15, und Faktor 50 wiederum länger als 30 – doch selbst mit dem höchsten Schutzfaktor ist die Haut nie vollständig geschützt.
Experten raten daher, die intensive Mittagssonne grundsätzlich zu meiden. Übrigens: Wer noch Sonnencreme vom Vorjahr im Badezimmer hat, sollte diese entsorgen. Die meisten Sonnenschutzprodukte sind nur ein Jahr nach dem Öffnen haltbar – und das auch nur, wenn sie kühl und trocken gelagert wurden.
Selbst bei gültigem Haltbarkeitsdatum kann die Schutzwirkung deutlich nachlassen. Aktuelle dermatologische Studien zeigen, dass die reale Schutzwirkung oft unter dem angegebenen Lichtschutzfaktor liegt – besonders wenn zu wenig Creme aufgetragen wird.
Dermatologen empfehlen daher, etwa einen Teelöffel Sonnencreme für das Gesicht und etwa zwei Esslöffel für den gesamten Körper zu verwenden und den Sonnenschutz alle zwei Stunden zu erneuern, besonders nach dem Baden oder bei starkem Schwitzen.