Die Inflation frisst sich durch alle Lebensbereiche – auch durch die Küche. Während viele Gäste höhere Preise beklagen, kämpfen Wiens Gastronom:innen selbst ums wirtschaftliche Überleben.
Die anhaltend hohe Inflation macht sich nicht nur bei den Konsument:innen bemerkbar, sondern trifft auch die Gastronom:innen mit voller Wucht. Vor allem in Wien, wo viele Betriebe kleine oder familiengeführte Unternehmen sind, ist der finanzielle Druck enorm.
Ob Einkaufspreise, Stromkosten oder Löhne – die Ausgaben steigen auf breiter Front und bringen zahlreiche Wirt:innen an die Grenze ihrer wirtschaftlichen Belastbarkeit. Die Gastronomiebranche als Preistreiberin der Inflation zu bezeichnen, verzerrt die Realität und ist schlicht nicht korrekt.
Preissteigerungen mit Grenzen
Beispiel Herbstsaison: Auch heuer müssen viele Lokale die Preise leicht anheben – im Schnitt um zwei bis vier Euro pro Portion. Doch das ist laut Thomas Peschta, Obmann der Gastronomie in Wien und selber Wirt, oft nicht kostendeckend. „Der Gewinn pro Portion ist minimal, wenn überhaupt vorhanden. Wir versuchen so lange wie möglich, die Preissteigerungen nicht vollständig weiterzugeben, weil wir wissen, dass unsere Gäste ohnehin sparen müssen.“
Laut Branchenumfragen können derzeit nur rund zehn Prozent der Betriebe ihre gestiegenen Kosten zur Gänze auf die Preise umlegen. Der Rest kämpft mit sinkenden Margen – und in vielen Fällen mit Existenzängsten. Besonders kleinere Lokale, die keine Rücklagen bilden konnten, stehen mit dem Rücken zur Wand.

Teuerung auf allen Ebenen
Neben den bekannten Faktoren wie Energie und Lebensmittel haben sich auch viele Nebenkosten vervielfacht. Die Gebühren für Müllentsorgung, Wasser und Kanal, aber auch die Pacht- und Mietpreise sind in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. Hinzu kommen höhere Kreditraten durch gestiegene Zinsen sowie steigende Kosten bei Versicherungen, Wartungsverträgen oder Kassensystemen. Selbst der Einkauf von Servietten, Reinigungsmitteln und Getränkeflaschen ist teurer geworden – Kosten, die oft übersehen werden, aber massiv ins Gewicht fallen.
„Viele vergessen, dass Gastronomie weit mehr ist als nur Kochen und Servieren“, so Thomas Peschta. „Ein Lokal zu führen bedeutet, hunderte Einzelposten zu bezahlen – vom Kühlhaus bis zur Kaffeemaschine. Und wenn all diese Dinge teurer werden, ist es unmöglich, die Preise stabil zu halten.“
Mehr als nur satt werden
Doch wer in ein Lokal geht, zahlt nicht nur für das Essen. Gastronomie bedeutet Atmosphäre, Begegnung, gemeinsame Zeit mit Familie und Freund:innen. Es ist ein Stück Lebensqualität – ein Ort, an dem man sich austauscht, feiert, lacht oder einfach abschaltet. „Essen gehen ist ein soziales Erlebnis, kein reiner Konsumakt“, betont Peschta. „Wir schaffen Räume, in denen Menschen zusammenkommen. Das ist etwas, das keine App und kein Lieferservice ersetzen kann.“
Viele Gastronom:innen sehen ihre Aufgabe auch darin, Tradition und Kultur zu bewahren – sei es durch die Weitergabe alter Rezepte, den persönlichen Kontakt oder die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen für junge Menschen. Damit leistet die Branche einen wesentlichen Beitrag zum sozialen und kulturellen Gefüge Wiens.
Realität und Optimismus
Für Gastronomie-Obmann Peschta liegt ein Teil der Lösung nicht in weiteren Preisrunden, sondern in besserer Auslastung: „Der beste Weg, um Preissteigerungen abzufedern, ist eine volle Gaststube. Wenn wir unsere Fixkosten auf mehr Gäste verteilen können, hilft das allen – den Betrieben und den Gästen.“
Die Gastronomie ist also nicht Verursacherin der Krise, sondern selbst schwer betroffen. Statt Kritik brauche es Verständnis, ein Bewusstsein für den Mehrwert, den die Branche auch für die Gesellschaft leistet, sowie die Bereitschaft, lokale Betriebe zu unterstützen.
Dennoch blickt Peschta optimistisch in die Zukunft: „Wir sind zuversichtlich, dass die Herbstsaison auch heuer wieder ähnlich beliebt sein wird wie in den vergangenen Jahren. Egal ob Gans, Sarma oder Tikvenica – zubereitet vom/von der Lieblingsgastronom:in im Lokal schmeckt es einfach viel besser.“
Zusammengefasst
Wiener Gastronomiebetriebe sind keine Luxusunternehmen, sondern Teil des täglichen Lebens, Arbeitgeber, Ausbildner und kulturelle Fixpunkte. Wer sie besucht, trägt dazu bei, dass die Vielfalt erhalten bleibt – trotz Teuerung. Denn klar ist: Die Preise steigen für alle. Doch während viele nur über Kosten sprechen, geht es in der Gastronomie um etwas Tieferes – um Gemeinschaft, um Genuss, um Menschlichkeit.
Wirttschaftskammer Wien die Gastronomie
Website: https://www.wko.at/wien/gastronomie
*Hierbei handelt es sich um eine entgeltliche Einschaltung.
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