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Von einer gefährlichsten Stadt der Welt zu einer der Besten. Willkommen in Medellín!

FOTO: Joel Duncan/Unsplash

Jahrzehnte nach dem Ende der berüchtigten dunklen und hochkriminellen Zeit scheint für Medellíns Zukunft wieder die Sonne zu scheinen. Denn die zweitgrößte kolumbianische Stadt wurde kürzlich vom „Time Out Magazin“ auf Platz drei der Liste der besten Städte der Welt für das Jahr 2022 ausgezeichnet.

Medellín, eingebettet in einem sanften Tal zwischen wunderschönen Andenausläufern, wird nicht zu Unrecht als die kolumbianische „Stadt des ewigen Frühlings“ bezeichnet. So ganz nebenbei ist diese südamerikanische Metropole, 2,6 Millionen Einwohner stark, mit roten und weißen Wolkenkratzern und mit vielen Gondeln übersät, die sanft die Hügel der Stadt empor gleiten. Diese führen direkt in jene Stadtteile, die in der blutigen Vergangenheit der Stadt für Touristen lebensgefährlich waren, ihnen einen Besuch abzustatten glich Selbstmord. Denn diese Orte waren Synonym für Drogen und Blutvergießen. Im Jahr 1988 wurde diese kolumbianische Großstadt sogar zur gefährlichsten Stadt der Welt auserkoren. Aber in der Gegenwart zeigt sich Medellín von einer ganz anderen Seite, sie ist zu einer unglaublich lebendigen und farbenfrohen Bühne für die wachsende Zahl ausländischer Besucher geworden, die immer häufiger als zahlungskräftige Touristen in die Stadt kommen.

Noch vor 30 Jahren wurde Medellín von Drogenbaronen regiert, die als die Könige der Stadt galten, Morde an Polizisten standen auf der Tagesordnung und Abertausende einfache Menschen verschwanden spurlos über Nacht und wurden nie mehr wieder gesehen. Es ist verständlich, dass sich viele Kolumbianer noch heute über die Art und Weise ärgern, wie Escobar und seine Komplizen ihre nationale Identität definiert haben. Diese Bevölkerungsschicht steht der Öffnung der Stadt positiv gegenüber, aber es gibt noch immer alte Seilschaften, die aus der dunklen Zeit von Pablos Escobar stammen, und die wegen Escobars Drogengeldern ein Dach über dem Kopf bekommen haben.

Aber auch mit dem Vermächtnis des Schwerverbrechers wird noch heute gutes Geld gemacht. Die als „dunkler Tourismus“ bekannte Reisetätigkeiten vieler Fremder, die von den vergangenen Zeiten fasziniert sind, zeichnet sich dadurch aus, dass diese Besucher Selfies an seinem Grab machen oder den einst berühmt berüchtigten Orten, an denen er regierte, Besuche abstatten. Selbst Einheimische sind nicht immun gegen den Hype, den das Drogenkartell in die Stadt gebracht hat, insbesondere diejenigen, die nach Escobars Tod im Jahr 1993 geboren wurden.

Trotz ihrer dunklen Vergangenheit hat die Stadt in den letzten Jahren auch einiges an internationale Anerkennung erhalten und ist zu einem begehrten Reiseziel für Einheimische und Ausländer geworden – ihre touristische Popularität ist um beeindruckende 41 % im Vergleich zu den Zahlen vor der Pandemie gestiegen. Der anziehende Effekt, die Stadt nur wegen ihrer Vergangenheit zu besuchen, mag immer noch da sein, aber es gibt viele andere Gründe, warum sie zu einer der besten Städte der Welt gekürt wurde.

Medellín ist die Hauptstadt der Provinz Antioquia, die für ihre üppigen Kaffeeplantagen und ihre Blumenfarmen berühmt ist, und hat sich mittlerweile zu einer der am schnellsten wachsenden Ökonomien des Kontinents entwickelt. Sie gilt als eine der großen Erfolgsgeschichten Lateinamerikas. Im Laufe der letzten Jahre strömten auch viele digitale Nomaden in die Stadt, um auf den Business-Express aufzuspringen, der immer schneller zu fahren scheint.

Die Lebensqualität im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten ist sehr gut, da die Stadt Zugang zu Gesundheitsversorgung, Grünflächen, Transport, Handel und zur Reisebranche hat. Die Freundlichkeit der Einheimischen – oder Paisas, wie sie genannt werden – und die Kulturszene der Stadt sind weitere Gründe, warum die Stadt so geschätzt wird, denn diese Offenheit gegenüber der Gemeinschaft und der Umgebung wird von vielen Menschen gewünscht. Die vielen grünen Flächen und der Stadtwald machen Medellín vielleicht zu einer der bioaktivsten und grünen Städte der Welt und es ist ein beliebtes Reiseziel für alle, die die Macht der Tropen in Südamerika einmal live miterleben wollen.

Medellín hat in den letzten 30 Jahren eine unglaubliche Transformation durchgemacht, aber trotz dieser jüngsten Auszeichnungen und seines enormen Fortschritts gibt es dennoch noch große Probleme in der lateinamerikanischen Stadt, die noch immer weit verbreitet sind. Nach Jahren relativer Ruhe und Sicherheit steigt die Kriminalitätsrate in der Stadt seit 2016 wieder leicht an. Auch der Handel mit Kokain ist noch immer existent, wahrscheinlich um einiges fragmentierter als in der Kartellzeit von Escobar, aber dennoch allgegenwärtig. Die Kokainproduktion steigt seit dem Jahr 2012 in Kolumbien stetig, auch mit einer der Gründe, warum Präsident Ivan Duque die Wahlen gewann und seine Law-and-Order-Partei die Regierungsgeschäfte übernehmen konnte. Auch das Glücksspiel ist im gesamten Land unaufhaltsam auf dem Vormarsch, wobei die Besorgnis über die Auswirkungen des problematischen Glücksspiels auf die Bevölkerung von Jahr zu Jahr immer lauter wird.

Inzwischen hat sich aber doch in Medellín die Widerstandsfähigkeit gegen alle Widrigkeiten etabliert und die Stadt meistert seine Bekanntheit für Drogen, Korruption und Gewalt recht gut. Es hat den Anschein, und dies ist auch für die Bewohnerinnen und Bewohner zu wünschen, dass sich die Stadt immer noch auf dem richtigen Weg in eine sichere Zukunft befindet.

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