Boxen trifft Social Media: Während Ex-Weltmeister Joshua eine Rekordgage kassiert, träumt Influencer Paul von der Sensation. Experten fürchten ein gefährliches Ungleichgewicht.
Der frühere Schwergewichts-Weltmeister Anthony Joshua und Influencer Jake Paul stehen sich am Freitag in Miami im Ring gegenüber. Der knapp 13 Zentimeter größere und deutlich schwerere Joshua geht als klarer Favorit in den Showdown. Britische Medien berichten von einer Rekordgage um die 50 Millionen Dollar für den Ex-Champion, zusätzlich winken Bonuszahlungen. Boxfans in Europa müssen früh aufstehen – Netflix überträgt den Kampf am frühen Samstagmorgen ab 5.00 Uhr.
Jake Paul will nach seinem Punktsieg gegen Box-Ikone Mike Tyson im vergangenen Jahr nun den nächsten großen Namen auf seiner Liste abhaken. Der Social-Media-Star, fast ein Jahrzehnt jünger als sein 36-jähriger Gegner, prahlt vor dem auf maximal acht Runden angesetzten Duell mit vollmundigen Ankündigungen: Er werde „die größte Überraschung in der Geschichte des Sports“ schaffen. Für Puristen ist dieser Kampf allerdings ein weiterer Beleg, dass der klassische Boxsport zunehmend zum reinen Entertainment verkommt.
Show statt Sport
An markigen Sprüchen mangelt es Paul nicht. „Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene“, bediente er sich im Vorfeld beim legendären Muhammad Ali. Die Zeiten haben sich gewandelt – in Miami dreht sich alles um Aufmerksamkeit und Millioneneinnahmen. Der Unterhaltungswert steht im Vordergrund. Joshua selbst bestätigte dies auf der Pressekonferenz am Mittwoch: „Ich habe Leute sagen hören: ‚Oh, ich interessiere mich eigentlich nicht für Boxen, aber diesen Kampf schaue ich mir an‘.“
Gefährliches Duell
Fachleute rechnen mit einem einseitigen Gefecht. Mehrere Experten warnen, Joshua könnte seinem unerfahrenen Gegner ernsthaften Schaden zufügen. Besonders drastisch äußerte sich Schwergewichts-Weltmeister Oleksandr Usyk, der vor dem Aufeinandertreffen der ungleichen Kontrahenten düstere Worte fand: „Wenn Anthony Joshua will, tötet er diesen Typen.“ Der Brite selbst blieb in seinen Aussagen bewusst vage: „Wenn man in diesem Ring steht, ist das ein gefährlicher Ort, und alles kann passieren. Man hofft, dass der Gegner den Ring sicher verlässt, aber wenn das nicht der Fall ist, muss man trotzdem ins Bett gehen und wissen, dass man gerade seine Arbeit getan hat.“
Joshua, der 2017 die Ära von Wladimir Klitschko beendete, hat seit seiner Niederlage im WM-Kampf gegen Landsmann Daniel Dubois im September 2024 keinen Kampf mehr bestritten.
Das mediale Interesse ist dennoch enorm – den vorherigen Schaukampf zwischen Paul und Tyson verfolgten weltweit über 60 Millionen Haushalte live.