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Jugendschutz

WHO fordert Verbot von Nikotinprodukten mit Aroma

WHO fordert Verbot von Nikotinprodukten mit Aroma
FOTO: iStock/diego_cervo
3 Min. Lesezeit |

Süße Verführung mit tödlichen Folgen: Die WHO schlägt Alarm wegen aromatisierter Tabakprodukte, die mit Geschmacksrichtungen wie Gummibärchen gezielt Jugendliche in die Nikotinfalle locken.

Zum Weltnichtrauchertag fordert die WHO ein Verbot aromatisierter Tabakprodukte, die besonders auf Jugendliche abzielen. Geschmacksrichtungen wie Gummibärchen und Zuckerwatte verwandeln gesundheitsschädliche Erzeugnisse in attraktive Lockmittel für junge Menschen und werden mit schweren Lungenerkrankungen in Verbindung gebracht. Die Organisation kritisiert zudem die ansprechende Verpackungsgestaltung von E-Zigaretten und deren Bewerbung in sozialen Medien, die gezielt jüngere Zielgruppen ansprechen.

Besorgniserregend ist die Verbreitung unter Minderjährigen: In der WHO-Europaregion mit 53 Ländern nutzten 2022 bereits 12,5 Prozent der Jugendlichen E-Zigaretten – im Vergleich zu nur zwei Prozent der Erwachsenen. Die Aromen wecken gezielt die Neugier junger Menschen und können den Einstieg in die Nikotinabhängigkeit fördern. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus warnt eindringlich: „Aromen schüren eine neue Welle der Sucht und sollten verboten werden.“ Sie gefährden nach seinen Worten die jahrzehntelangen Erfolge bei der Eindämmung des Tabakkonsums.

Jährlich sterben laut WHO-Statistiken etwa acht Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Als positive Entwicklung verzeichnet die WHO, dass bereits mehr als 50 Länder aromatisierte Tabakprodukte untersagt haben und über 40 Staaten elektronische Zigaretten komplett verboten haben. Die Organisation betont nachdrücklich, dass sämtliche Tabakprodukte – einschließlich solcher, bei denen der Tabak nur erhitzt wird – die Konsumenten giftigen und krebserregenden Substanzen aussetzen und daher strenger Regulierung bedürfen.

Situation in Österreich

Die Österreichische Gesundheitskasse schließt sich den Warnungen an und weist auf die Gefahren vermeintlich harmloserer Alternativen zur klassischen Zigarette hin. In Österreich rauchen täglich 1,5 Millionen Menschen ab 15 Jahren – das entspricht 21 Prozent der Bevölkerung. Weitere fünf Prozent nutzen nahezu täglich E-Zigaretten, sechs Prozent greifen zu anderen Tabak- und Nikotinprodukten wie Tabakerhitzern, Shisha oder Nikotinbeuteln.

Die ÖGK kritisiert, dass diese Produkte oft als gesündere Alternativen dargestellt werden. Durch gezieltes Marketing, ansprechendes Design und den Einsatz von Aromastoffen sollen diese Produkte attraktiver erscheinen und den Eindruck geringerer Schädlichkeit vermitteln. Diese Marketingstrategien zielen besonders auf vulnerable Gruppen ab, vor allem auf Jugendliche, und fördern deren Einstieg in den Nikotinkonsum, warnt die ÖGK.

Peter McDonald, Obmann der ÖGK, betont: „Nikotinprodukte in neuem Design täuschen häufig über ihre Risiken hinweg, doch sie sind ein Einstieg in die Abhängigkeit.“ Für Menschen mit dem Wunsch, nikotinfrei zu leben, bietet die ÖGK kostenlose Unterstützung an. Die sechswöchigen Entwöhnungskurse „Nikotinfrei in sechs Wochen“ können sowohl online als auch an verschiedenen Standorten in ganz Österreich besucht werden.

Hilfsangebote

Fachpersonal begleitet den Ausstiegsprozess. Zusätzlich stellt die ÖGK eine mehrwöchige kostenlose Beratung durch Gesundheitspsychologen am Rauchfrei-Telefon unter 0800-810013 zur Verfügung. Ergänzende Materialien sind auf Rauchfrei.at verfügbar. Die Nikotinfrei-Website der ÖGK informiert umfassend über verschiedene Angebote, bietet Onlinevorträge zu speziellen Themen wie „Nikotinfrei in der Schwangerschaft“, stellt Informationsmaterialien bereit und enthält eine Mediathek.

Auch auf Länderebene gibt es Beratungsinitiativen. Im Burgenland klären die Krebshilfe und die Initiative „Don’t Smoke“ über alternative Rauchprodukte auf. Etwa die Hälfte aller Raucherinnen und Raucher möchte mit dem Konsum aufhören, wobei viele zunächst bei Hausärzten Rat suchen, wie Alexander Moussa von der Ärztekammer hervorhebt.

Gegenüber Nikotinersatzprodukten besteht eine kritische Haltung, jedoch gibt es wirksame medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. In Wien liegt der Anteil der regelmäßigen oder gelegentlichen Raucher mit 30,4 Prozent über dem Durchschnitt, wie die Sucht- und Drogenkoordination Wien mitteilt.

Neben Beratungsangeboten könnten auch politische Maßnahmen wie der Abbau von Zigarettenautomaten zur Verbesserung der Situation beitragen.