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Krebsgefahr

Wie Tabak und Asbest“: Studie enthüllt dramatische Solarium-Folgen

Wie Tabak und Asbest“: Studie enthüllt dramatische Solarium-Folgen
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3 Min. Lesezeit |

Die künstliche Bräune aus dem Solarium hinterlässt tiefe Spuren – neue Forschung zeigt erstmals, wie UV-Strahlen die DNA auf der gesamten Hautoberfläche schädigen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die UV-Strahlung aus Solarien in die höchste Kategorie krebserregender Faktoren ein – gleichrangig mit Tabak oder Asbest. Europaweit sind Solarien laut Deutscher Krebshilfe jährlich für etwa 3.400 Fälle des besonders gefährlichen malignen Melanoms verantwortlich. Etwa 800 dieser Erkrankungen verlaufen tödlich.

Der vermeintliche Schönheitseffekt der künstlichen Bräunung birgt somit erhebliche Gesundheitsrisiken. Bislang war der exakte biologische Mechanismus, durch den Solarien das Krebsrisiko erhöhen, nicht vollständig verstanden. Ein Forschungsteam der Northwestern University und der University of California, San Francisco, konnte nun erstmals nachweisen, dass die UV-Strahlung von Solarien auf nahezu der gesamten Hautoberfläche DNA-Schäden verursacht, die mit der Entstehung von Hautkrebs in Zusammenhang stehen.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass die intensive UV-Strahlung in Solarien Hautzellen auf molekularer Ebene deutlich stärker mutieren lässt als natürliches Sonnenlicht. Dies geht aus einer im Fachjournal Science Advances veröffentlichten Studie hervor. „Wir konnten bei Patienten mit normaler Haut, die Solarien nutzen, selbst in Bereichen ohne Muttermale DNA-Veränderungen nachweisen, die als Vorläufermutationen gelten und das Risiko für Melanome erhöhen“, erklärt der Erstautor der Studie und Hautkrebsspezialist Pedram Gerami in einer Mitteilung. Diese Entdeckung sei ein wissenschaftliches Novum.

⇢ Steigende Krebsdiagnosen, aber sinkende Sterblichkeit?

Erhöhtes Krebsrisiko

Gerami, der seit zwei Jahrzehnten Melanompatienten behandelt, bemerkte im Laufe seiner Tätigkeit eine auffällig hohe Anzahl von Frauen unter 50 Jahren mit mehrfachen Melanomen in der Krankengeschichte. Er vermutete einen Zusammenhang mit der Nutzung von Solarien. Gemeinsam mit seinem Forschungsteam verglich er daraufhin die medizinischen Daten von etwa 3.000 Solariennutzern mit denen von 3.000 gleichaltrigen Personen ohne Erfahrung mit künstlicher Bräunung.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Bei 5,1 Prozent der Solariennutzer wurden Melanome diagnostiziert, während es in der Vergleichsgruppe nur 2,1 Prozent waren. Selbst nach Berücksichtigung verschiedener Faktoren wie Alter, Geschlecht, früherer Sonnenbrände und familiärer Vorbelastung zeigte sich ein 2,85-fach erhöhtes Melanomrisiko durch Solariennutzung. Die Strahlungsintensität in Solarien entspricht typischerweise einem UV-Index von 12 – vergleichbar mit der Mittagssonne am Äquator bei wolkenlosem Himmel. Bei diesem Wert rät die WHO ausdrücklich davon ab, sich der UV-Strahlung auszusetzen.

DNA-Schäden nachgewiesen

Zur Überprüfung ihrer Hypothese analysierten die Forscher mittels moderner Technologien die DNA einzelner Melanozyten – jener pigmentproduzierenden Hautzellen, in denen Melanome entstehen. Die Untersuchung umfasste drei Gruppen: elf Personen mit langjähriger Solariennutzung, neun Personen ohne Solariumserfahrung aber mit vergleichbarem Alter, Geschlecht und Krebsrisikoprofil sowie sechs Leichenspenden, die zusätzliches Hautgewebe für die Kontrollproben lieferten.

Die Analyse ergab, dass die Hautzellen von Solariennutzern fast doppelt so viele Mutationen aufwiesen wie jene der Kontrollgruppe. Zudem enthielten diese Zellen mit höherer Wahrscheinlichkeit Mutationen, die mit schwarzem Hautkrebs assoziiert werden. Besonders alarmierend: Bei Solariennutzern traten diese Mutationen auch an Körperstellen auf, die normalerweise vor Sonnenlicht geschützt sind. „Bei natürlicher Sonneneinstrahlung werden vielleicht 20 Prozent der Haut am stärksten geschädigt“, erläutert Gerami. „Bei Sonnenbanknutzern haben wir dieselben gefährlichen Mutationen auf fast der gesamten Hautoberfläche festgestellt.“

Angesichts dieser Erkenntnisse plädiert Gerami für Warnhinweise auf Solarien, ähnlich jenen auf Zigarettenpackungen.

„Wenn man eine Packung Zigaretten kauft, steht darauf, dass dies zu Lungenkrebs führen kann. Wir sollten eine ähnliche Kampagne für die Nutzung von Solarien starten.“