Saharastaub über Europa – und er wird mehr. Besonders Kinder tragen die Folgen dieser unsichtbaren Bedrohung.
Europa wird zunehmend von Saharastaub erreicht – und der Trend zeigt deutlich nach oben. Besonders stark betroffen sind Italien, die Adriaregion sowie die Ägäis, wo die Feinstaubbelastung rund 2,5-mal höher ausfällt als im übrigen Europa. In Südeuropa liegen die durchschnittlichen Tageswerte für PM10 bei 5,3 Mikrogramm pro Kubikmeter, während Nord- und Mitteleuropa mit etwa 2,1 Mikrogramm deutlich geringer belastet sind.
Über den Untersuchungszeitraum hinweg stieg die Staubkonzentration um rund 0,5 Mikrogramm pro Kubikmeter – in Italien und der Adriaregion sogar um 0,7 Mikrogramm. Wie der Spiegel berichtet, wird Studienleiter Dällenbach mit den Worten zitiert: „Das entspricht einer Zunahme von 10 bis 25 Prozent dieser Staubbelastung.“ Sowohl für Solaranlagen als auch für die Gesundheit sei das nicht zu vernachlässigen.
Gesundheitliche Folgen
Die Stürme, die den Staub transportieren, seien nicht häufiger geworden, aber intensiver. Die PSI-Studie schätzte auch die gesundheitlichen Auswirkungen ab. Die kurzfristige Sterblichkeit durch Herzinfarkte und Atemprobleme steige bei solchen Staubereignissen um 0,67 Prozent.
Die Zahl der Spitalseinweisungen wegen Atembeschwerden nehme bei Menschen ab 15 Jahren um 0,73 Prozent zu. Besonders alarmierend: Bei Kindern unter 15 Jahren liegt die Zunahme der Hospitalisierungen bei fast 2,5 Prozent. Dies unterstreiche die Folgen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, so die Wissenschaftler.
Sahara als Ursache
Als treibende Faktoren hinter dieser Entwicklung identifizieren die Forscher die fortschreitende Austrocknung der Sahara sowie verstärkte Luftströmungen aus dieser Region in Richtung Europa. Ob der vom Menschen verursachte Klimawandel dabei eine ursächliche Rolle spielt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend beantwortet.
Studienleiter Dällenbach erklärt dazu: „Unser derzeitiges Verständnis legt jedoch nahe, dass die Zunahme des Wüstenstaubs durch die Treibhausgasemissionen des Menschen und die damit verbundene Klimaerwärmung zumindest begünstigt wird.“ In der Folge werde es in bestimmten Regionen trockener, und die Wüsten breiteten sich aus.