Ein ungewöhnlicher Fahrgast legte den Bahnverkehr lahm: Elch „Emil“ spazierte über die Gleise des Hauptbahnhofs St. Pölten und sorgte für stundenlange Verspätungen.
Ein Elch auf Abwegen sorgte am Samstagabend für erhebliche Störungen im Bahnverkehr. Das als „Emil“ bekannte Tier bewegte sich auf den Gleisen des Hauptbahnhofs St. Pölten, was eine mehrstündige Unterbrechung der Westbahnstrecke zur Folge hatte. „Wegen Tieren im Gleisbereich (Emil) sind in St. Pölten Hbf bis voraussichtlich 21:30 Uhr keine Fahrten möglich“, informierte die ÖBB zunächst auf ihrer Homepage. Die Streckensperrung wurde schließlich kurz vor 1.00 Uhr nachts aufgehoben – mehrere Stunden später als ursprünglich angekündigt. ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair bestätigte gegenüber noe.ORF.at: „Wir mussten den Zugverkehr vorübergehend einstellen, weil sich der Elch auf den Gleisen im Hauptbahnhof in St. Pölten bewegt hat.“
📍 Ort des Geschehens
Der Geweihträger hat sich in der niederösterreichischen Landeshauptstadt mittlerweile zu einer regelrechten Attraktion entwickelt. An Orten, wo „Emil“ gesichtet wurde, versammelten sich regelmäßig Schaulustige, die mit ihren Smartphones Fotos und Videos des Tieres aufnahmen. Die wachsende Anzahl an Neugierigen und Fotografen führte zu verstärkten Polizeieinsätzen und löste Bedenken bei Tierschützern aus.
Tierschutz-Appell
Fachleute und der örtliche Tierschutzverein rufen dazu auf, dem Elch seinen Freiraum zu lassen und ihn nicht zu bedrängen. Der Tierschutzverein St. Pölten veröffentlichte am Wochenende einen dringenden Appell: Menschenansammlungen sollten „unbedingt vermieden“ werden. „Bitte nicht extra hinfahren“, lautete die Bitte.
Der Verein betonte, dass Elche von Natur aus scheue Tiere seien, „sie kommen in der Natur bestens alleine zurecht und brauchen keine menschliche Nähe oder gar ‚Fans'“. Die Empfehlung lautet: „‚Emil‘ in Ruhe lassen, beobachten und nur im Notfall – wenn er in einer gefährlichen Lage steckt, aus der er allein nicht mehr herauskommt – die Behörden informieren.“
Emils Reiseroute
Seit etwa zweieinhalb Wochen durchstreift der Elch als „Wahl-Niederösterreicher“ das Bundesland. Nachdem er sich in den vergangenen Tagen langsam der Landeshauptstadt genähert hatte, ist er nun mitten in St. Pölten unterwegs. In den Tagen zuvor wurde „Emil“ mehrfach im St. Pöltener Stadtteil Pottenbrunn gesichtet.
Am Samstag tauchte er auch in anderen Bereichen der Stadt auf. Vermutlich stammt der Elch ursprünglich aus Polen und ist über Tschechien nach Niederösterreich gewandert. Seine Reise wird auf Facebook intensiv dokumentiert. Auf der eigens eingerichteten Fanseite „Emil der Elch“ finden sich zahlreiche Genesungswünsche für das Tier sowie wiederholte Aufrufe, den Elch auf seiner Wanderung nicht zu stören.
Die Facebook-Gruppe verzeichnete am Samstag bereits mehr als 9.800 Mitglieder, die das Tier und seine Route durch Niederösterreich virtuell begleiten. Auf der Seite werden regelmäßig Genesungswünsche und Appelle zum Schutz des Elchs veröffentlicht. Angesichts der großen Aufmerksamkeit, die „Emil“ auf sich zieht, haben Experten wiederholt zur Vorsicht gemahnt. Die einhellige Empfehlung lautet, den Elch nicht zu bedrängen und ihm ausreichend Raum zu lassen.
Auch die Polizei hatte sich bereits im August in ähnlicher Weise geäußert. Die nächtliche Sperrung der Westbahnstrecke und die zahlreichen Schaulustigen, die Fotos machen wollten, hielten St. Pölten am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag in Atem.
Während seiner Streifzüge durch die Stadt wurde „Emil“ immer wieder von Polizeikräften begleitet.