Das österreichische Gesundheitssystem driftet auseinander: Während Wahlärzte boomen, stagniert die Zahl der Kassenmediziner – mit spürbaren Folgen für Patienten.
In Österreich zeichnet sich eine markante Verschiebung im Gesundheitswesen ab. Besonders in Wien manifestiert sich diese Entwicklung. Die Bundeshauptstadt beschäftigt nahezu ein Drittel aller österreichischen Ordinationsärzte. Seit 2010 verzeichnete Wien einen beachtlichen Anstieg bei Wahlärzten um 40 Prozent – von 3.041 auf 4.269. Parallel dazu schrumpfte die Anzahl der Kassenärzte um 11 Prozent von 1.744 auf nur noch 1.551.
Die landesweite Statistik zeigt eine noch drastischere Veränderung: Während Österreich im Jahr 2000 lediglich 4.768 Wahlärzte zählte, sind es heute 11.802 – ein Zuwachs von 148 Prozent. Die Kassenärzte hingegen stagnierten praktisch im selben Zeitraum mit einem minimalen Anstieg von 8.203 auf 8.236, was gerade einmal 0,4 Prozent entspricht. Gleichzeitig wuchs die österreichische Bevölkerung um circa 1,2 Millionen Menschen.
Wachsende Versorgungslücke
Diese Diskrepanz wirkt sich unmittelbar auf die Patientenversorgung aus: Die aktuelle Kassenarzt-Wartezeiten-Studie dokumentiert Wartezeiten von bis zu 63 Tagen für einen Termin. Der Mangel an Ärzten macht sich deutlich bemerkbar. Während Patienten im Wahlarztsystem für schnellere Behandlungstermine zusätzlich bezahlen müssen, herrscht bei Kassenordinationen zunehmende Knappheit.
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„Diese Entwicklung zeigt, dass das Kassensystem mit dem Bevölkerungswachstum seit Jahrzehnten nicht Schritt hält. Während die Nachfrage steigt, stagniert das Angebot an Kassenordinationen,“ erklärt Sebastian Arthofer, der operative Geschäftsführer von krankenversichern.at.
Wiener Situation
Zur Situation in Wien ergänzt Arthofer: „Wenn in der größten Stadt des Landes immer weniger Kassenärzte zur Verfügung stehen, während die Zahl der Wahlärzte boomt, wirkt sich das unmittelbar auf die Versorgung von Hunderttausenden Patienten aus.“
Eine aktuelle Auswertung von krankenversichern.at, die auf Daten der Ärztekammer basiert, belegt dieses Ungleichgewicht: Die Zahl der Wahlärzte wächst kontinuierlich, während die Kassenärzteanzahl seit Jahren nahezu unverändert bleibt.
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