Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Ärzteprotest

Dramatischer Notstand: Ein Kassenarzt für 3.100 Patienten in Wien

Dramatischer Notstand: Ein Kassenarzt für 3.100 Patienten in Wien
(FOTO: iStock)
2 Min. Lesezeit |

Die Wiener Ärzteschaft schlägt Alarm: Nur noch fünf Prozent der Mediziner bewerten den Zustand des Gesundheitssystems in Wien als sehr zufriedenstellend. Dies bedeutet einen dramatischen Absturz um 20 Prozentpunkte seit 2018, wie der aktuelle Gesundheitsinfrastrukturreport zeigt.

Die umfassende Studie basiert auf statistischen Daten, wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie 35 Experteninterviews und erfasst die Einschätzungen von etwa 1.000 Wienerinnen und Wienern sowie 1.230 Medizinerinnen und Medizinern. Die Methodik des Reports kombiniert quantitative Befragungen mit qualitativen Experteninterviews und der Auswertung demografischer, organisationsbezogener und finanzieller Daten des Wiener Gesundheitssystems.

Der Report identifiziert mehrere Kernprobleme: Ineffizienz, mangelnde finanzielle Mittel und das Fehlen zukunftsorientierter Konzepte. Acht von zehn Befragten halten die Investitionen für ungenügend, während 82 Prozent keine erkennbare Zukunftsstrategie wahrnehmen. Besonders gravierend zeigt sich die Situation im niedergelassenen Bereich: Während die Bevölkerung Wiens seit 2010 um ein Fünftel zugenommen hat, sank die Zahl der Kassenärzte im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent.

Dramatischer Ärztemangel

Musste ein Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag 2013 durchschnittlich 2.200 Patienten versorgen, sind es heute bereits 3.100. Die Problematik erstreckt sich auch auf den stationären Sektor. Laut dem Gesundheitsinfrastrukturreport werden bis 2025 insgesamt 878 Betten in öffentlichen Krankenhäusern abgebaut – trotz wachsender Bevölkerungszahlen.

Johannes Steinhart, Präsident der Wiener Ärztekammer, bezeichnet die Lage als „alarmierend“ und betont: „Ärztinnen und Ärzte stehen unter enormem Zeitdruck und Patientinnen und Patienten leiden unter den langen Wartezeiten.“

⇢ Versorgungskrise: Patienten warten zwei Monate auf Kassenarzttermin

Stadt Wien weist Vorwürfe zurück

Die Stadt Wien verweist in ihrer aktuellen Stellungnahme auf bereits eingeleitete Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Dazu gehören die Ausweitung von Primärversorgungseinheiten und gezielte Investitionen in die Digitalisierung. Die Stadtregierung betont jedoch, dass die Herausforderungen durch das starke Bevölkerungswachstum und den österreichweiten Fachkräftemangel weiterhin beträchtlich bleiben.

Geforderte Maßnahmen

Die Ärztekammer fordert nun konkrete Maßnahmen: angemessene Vergütung, Bürokratieabbau und flexible Arbeitszeitmodelle, um mehr Mediziner für das Kassensystem zu gewinnen. Zudem sehen die Fachleute in der fortschreitenden Digitalisierung und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz vielversprechende Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen.

Die Experten warnen, dass ohne schnelles Handeln eine weitere Verschlechterung der Gesundheitsversorgung in Wien unvermeidbar ist.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen