Start NEWS CHRONIK Club Village-Opfer: „Nun bin ich Beschuldigter“
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Club Village-Opfer: „Nun bin ich Beschuldigter“

(FOTO: Google Maps-Screenshot)

Bei einer Massenschlägerei vor dem Club Village wurde ein Mann von einem PKW gerammt und anschließend mit einem Golfschläger verprügelt. Das Opfer, Vladimir S., gilt nun allerdings als „Täter“.

Wie KOSMO berichtete, kam es am 9. August 2020, in der Nacht auf Sonntag, nach einer Geburtstagsfeier vor dem Balkan- Club „Village“ zu einer blutigen Auseinandersetzung. Aus bisher ungeklärter Ursache gerieten zwei Gruppen in einen Streit, woraufhin eine Rauferei entstand. Einer der jungen Männer, der vor der Schlägerei flüchtete, wurde kurz darauf am Gehsteig von einem Auto angefahren und anschließend mit einem Baseball-Schläger verprügelt. Vier Personen wurden festgenommen.

Schwer verletztes Opfer fassungslos
Noch immer ist Vladimir S. nach der brutalen Golfschläger-Attacke vor rund vier Wochen in Wien-Favoriten gezeichnet. Zunächst war der 24-Jährige von einem Seat-Lenker gerammt worden. Dann prügelte ein noch unbekannter Schläger mit einem Golfschläger auf den 24-Jährigen immer und immer wieder ein – bis der Golfschläger abbrach. Vladimir S. erlitt einen Unterschenkelbruch, sowie schwere Kopfverletzungen. Die Kopfwunden sind mittlerweile verheilt, aber: „Der Unterschenkel macht große Probleme. Der Bruch bzw. die Wunde von der Pkw-Attacke heilt nicht gut“, berichtet der renommierte Opfer-Anwalt Florian Höllwarth.

Das Opfer muss in den nächsten Tagen erneut operiert werden: „Ja, ich muss in den nächsten Tagen noch mal unters Messer“, bestätigt Vladimir S. Doch nun könnten Vladimir S. auch rechtliche Schritte erwarten: „Ich werde bei der Polizei nicht als Opfer, sondern als Beschuldigter geführt.“ Darum möchte sich der 24-Jährige zur ganzen Causa nicht weiter äußern. „Er konzentriert sich jetzt auf die Gesundheit und wartet die Einvernahmen bzw. Entwicklungen im Fall ab“, sagt Advokat Höllwarth.

Massenschlägerei mit 15 Männern
Aus bisher ungeklärten Gründen gerieten zwei Gruppen in einen Streit, aus dem eine Rauferei entstand. Rund 15 junge Männer sollen laut „Heute“ an der Schlägerei beteiligt gewesen sein. Wie KOSMO berichtete, fügten sie sich unter anderem gegenseitig Schnittwunden mit einer abgebrochenen Flasche, einen offenen Nasenbeinbruch sowie eine Platzwunde am Hinterkopf zu. Einer der vier Seat-Insassen, Leo R., wurde dabei schwer verletzt. Er erlitt einen Arm- und Nasenbeinbruch.

Daraufhin sollen seine Freunde ihn laut Anwalt Nikolaus Rast in den Seat von Lubomir S. gebracht haben, um ins Krankenhaus zu fahren. Gleichzeitig soll Freund Milos S. zu seinem BMW gelaufen sein, um Verbandszeug zu holen. „Und dabei nahm ein noch Unbekannter den Golfschläger aus dem BMW“, berichtet Rast.

Kurz nachdem das Auto losfuhr, soll der Beifahrer, Leo R., das Gefühl bekommen haben, an seinem eigenen Blut zu ersticken, weshalb er seinem Freund ins Lenkrad griff. Dadurch verlor der Fahrzeugführer die Kontrolle über den Wagen und rammte den 24-jährigen Vladimir S. Das Opfer soll kurz darauf mit einem Golfschläger verprügelt worden sein. Dies seien jedoch nicht die vier jungen Männer aus dem Seat gewesen, beteuert einer der Verhafteten.

Vier Festnahmen, 2 in U-Haft
Kurz darauf löste sich der Tumult auf, die Schläger samt Lenker und Beifahrer des Seats flüchteten, nur Minuten später traf die Polizei ein und fand den schwer verletzten Vladimir S. Der gab an, von einem Auto angefahren und mit einem Golfschläger verprügelt worden zu sein. Wenig später konnte die Polizei vier mutmaßlich Verdächtige festnehmen. Gegen sie wurde anfangs wegen Mordversuches ermittelt. Mittlerweile ist der Mordversuch-Verdacht vom Tisch, die Ermittlungen wegen absichtlich schwerer Körperverletzung laufen indes weiter.

Ermittlungen gestalten sich schwierig
Fakt ist: Die Ermittlungen gestalten sich für die Exekutive schwierig, denn es waren rund 15 Beteiligte bei der Schlägerei dabei und der Polizei wurden gleich mehrere Versionen präsentiert. Fünf Personen, darunter auch Opfer Vladimir S. (24), werden als Beschuldigte geführt. Die restlichen vier handelt es sich um die Insassen des roten Seats, der Vladimir S. angefahren haben soll: Einen 19-jährigen Österreicher, sowie drei serbische Staatsbürger im Alter von zwei Mal 18 und einmal 26 Jahren. Nach dem unbekannten Golfschläger-Prügler wird noch gefahndet. Es gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.