Während Spanien unter einer beispiellosen Feuerwalze ächzt, steigt die Bilanz der Katastrophe dramatisch an. 373.000 Hektar Land liegen bereits in Asche.
Spanien erlebt die verheerendste Waldbrandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen. Eine 16-tägige Hitzewelle forderte über 1.100 Menschenleben und begünstigte massive Feuer, die bereits eine Fläche verbrannten, die der Balearen-Insel Mallorca entspricht. Laut dem europäischen Waldbrandinformationssystem EFFIS (EU-Überwachungssystem) wurden seit Jahresbeginn 373.000 Hektar Land zerstört – ein negativer Rekord und mehr als viermal so viel wie im langjährigen Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2024.
Das öffentliche Gesundheitsinstitut Carlos III bezifferte am Dienstag die Zahl der hitzebedingten Todesfälle auf 1.149. Die Experten ermittelten diese Übersterblichkeit durch den Vergleich aktueller Sterbedaten mit historischen Werten unter Berücksichtigung der extremen Temperaturen während des Zeitraums vom 3. bis 18. August. Bereits im Juli starben 1.060 Menschen an den Folgen der Hitze – ein Anstieg von 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Temperaturen erreichten in mehreren Regionen bis zu 45 Grad Celsius.
Die Waldbrände forderten zusätzlich vier Todesopfer. Ministerpräsident Pedro Sanchez warnte am Dienstag, dass die Gefahr weiterhin bestehe und zur Wachsamkeit mahnte.
Großflächige Evakuierungen
In mehreren Regionen – den nordwestlichen Provinzen Zamora und León, der galicischen Provinz Ourense sowie in Cáceres und der Extremadura an der portugiesischen Grenze – wüten seit einer Woche großflächige Brände. Die Behörden evakuierten tausende Menschen aus zahlreichen Dörfern, sperrten wichtige Verkehrsverbindungen und stellten den Zugverkehr zwischen Madrid und Galicien ein.
Zur Unterstützung der lokalen Einsatzkräfte mobilisierte die spanische Armee 3.400 Soldaten und 50 Flugzeuge. Internationale Hilfe kam aus Deutschland, Tschechien, Finnland, Frankreich, den Niederlanden und der Slowakei in Form von Hunderten Feuerwehrleuten, Fahrzeugen und Löschflugzeugen.
Obwohl einzelne Extremereignisse nicht direkt einer bestimmten Ursache zugeordnet werden können, betont der Weltklimarat, dass die Klimakrise Extremwetterereignisse sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer Intensität verstärkt. Konkret bedeutet dies: heftigere Niederschläge und Stürme, intensivere Hitzewellen und ausgeprägtere Dürren.
Angesichts dieser Entwicklung kündigte Sanchez am Sonntag einen „nationalen Pakt“ gegen den „Klimanotstand“ an.
Wetterumschwung bringt Hoffnung
Die Behörden meldeten am Dienstag, dass die Brände zwar noch nicht gelöscht seien, aber die sinkenden Temperaturen am Ende der Hitzewelle Hoffnung auf eine baldige Eindämmung geben. In einigen Gebieten wurden neben kühleren Temperaturen auch Niederschläge vorhergesagt.
Nicanor Sen von der Regionalregierung Kastilien-León erklärte dem Sender TVE, dass die Höchsttemperaturen um zehn bis zwölf Grad gefallen seien, während gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit zugenommen habe. „Diese veränderten Bedingungen erleichtern und verbessern die Möglichkeiten, die Brände unter Kontrolle zu bringen“, so Sen. Die Meteorologen prognostizieren nun Regenfälle und niedrigere Temperaturen.
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Bewohner der von Waldbränden betroffenen Provinz Ourense äußerten unterdessen ihren Unmut über die Löschbemühungen. „Hier ist niemand aufgetaucht“, beklagte die 42-jährige Patricia Vila aus dem Dorf Vilamartín de Valdeorras gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
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„Kein einziger verdammter Hubschrauber, nicht ein Flugzeug ist gekommen, um Wasser abzuwerfen und die Lage etwas zu beruhigen.“
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