Start AKTUELLE AUSGABE Goran „Gogo“ Đuričin: „Die top Drei sind unser Ziel“
INTERVIEW

Goran „Gogo“ Đuričin: „Die top Drei sind unser Ziel“

FOTO: Igor Ripak

INTERVIEW. Der neue Trainer von Rapid Wien, Goran „Gogo“ Đuričin (42), verrät KOSMO, wie er die Grün-Weißen wieder auf den Weg des Erfolgs führen will.

Die letzte Saison wird den Fans des Wiener Fußballclubs Rapid in schlechter Erinnerung bleiben. Statt, dass der Titelkampf das Hauptthema war, wie vom Publikum erwartet, hat Rapid letztendlich um den Verbleib in der höchsten österreichischen Fußballliga kämpfen müssen. Der Klassenerhalt in der österreichischen Bundesliga wurde erst in den letzten Spielen gesichert, nachdem Goran Đuričin die Mannschaft zuvor als Nachfolger seines Chefs Damir Canadi übernommen hatte.

ÜBER MOČINIĆ: „Er hat das Talent, unser Luka Modrić zu werden.

Obwohl Đuričin zunächst als Übergangstrainer bis zum Ende der Saison vorgestellt wurde, entschied Rapid nach seinen ersten Ergebnissen auf der Trainerbank, den sympathischen 42-Jährigen, mit dem die Spieler per du sind, auch für die kommende Saison zu behalten. Aber die freundschaftliche, harmonische Atmosphäre in den Reihen des Rapid-Teams ist nicht das Einzige, das Đuričin mit seinem Trainingsstil forciert. Er erwartet in der kommenden Saison von seinem Team auf jeden Fall auch erheblich bessere Resultate…

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Trotz Heimsieg gegen den SV Ried war die Stimmung gestern in der Wiener Allianz Arena beim SK Rapid Wien etwas getrübt: Der langjährige Mitarbeiter des SK Rapid Ivica Viskup (50) hat einen Gehirnschlag erlitten und befindet sich im Krankenhaus.

 

KOSMO: Die Trainerbank von Rapid hast du in einer kritischen Zeit übernommen, als sich der Club mitten im Kampf um den Klassenerhalt befand. Wie siehst du diese letzten Monate aus der Trainerperspektive?
Đuričin: Es war sehr intensiv und lehrreich, denn ich wurde ins kalte Wasser geworfen. Aber vielleicht war das auch gut so, denn ich hatte keine Zeit, zu viel nachzudenken, sondern ich habe mich sofort auf das konzentriert, was am wichtigsten war: dass wir die letzten Spiele möglichst gut abschließen.

Trainer von Rapid zu sein heißt, den Druck der Fans, der Medien und der Experten auszuhalten. Wie stehst du dazu?
Ich mache mir selbst schon so viel Druck, denn ich will immer das Maximum herausholen. So war es auch, als ich den ASK Ebreichsdorf geleitet habe. Auf der anderen Seite vermeide ich es, Zeitung zu lesen, und bin fast nie auf Facebook, Instagram und ähnlichen Plattformen. Ich vermeide alles, was den Druck zusätzlich steigert, und ich glaube, dass das der richtige Weg ist.

STRESS. „Ich mache mir selber Druck, denn ich will das Maximum herausholen.“

Es ist klar, dass die Fans im nächsten Jahr den Titelkampf oder zumindest einen Platz in einem der europäischen Wettbewerbe erwarten. Wirst du diese Erwartungen erfüllen?
Über den Meistertitel zu sprechen, ist aus der heutigen Perspektive vielleicht etwas unrealistisch, aber natürlich ist auch das ein Ziel, sofern wir unter die ersten Drei kommen. Die top sind Drei sind das Ziel. Ich werde mein Bestes geben, damit wir das schaffen. Aber die Leute müssen auch begreifen, dass nichts über Nacht geschieht. Die letzte Saison hat ihre Wirkung.

„Ich gehe nicht auf Facebook, Instagram und alles, was meinen Druck steigern könnte“, sagt Đuričin. (FOTO: Igor Ripak)

Welche Veränderungen kommen auf uns zu?
Wir planen, einen Linksverteidiger dazu zu nehmen, um unsere Aufstellung zu komplettieren. In den nächsten zwei Wochen werde ich mit den Spielern sprechen, die unzufrieden sind. Wichtig ist, dass wir im nächsten Jahr eine gute Mannschaft haben. Da besteht kein Zweifel.

Was ist mit den verletzten Spielern?
Wir hoffen, dass Močinić, Schobesberger und Kvilitaia schnell wieder gesund werden und sich am Platz zurückmelden. Denn dann erwarte ich sicher, dass wir mit ihnen um die ersten drei Plätze der Liga spielen können.

Močinić wurde als der „Modrić“ von Rapid gerühmt. Wird er das werden?
Wir arbeiten daran, dass er möglichst bald auf den Platz zurückkehrt und das tatsächlich wird. Das fußballerische Talent dazu hat er mit Sicherheit.

Sie sind in Wien geboren und erinnern mich in Ihrer Biografie an einen Ihrer Vorgänger, Zoran Barišić.
Zoki und ich haben eine ausgezeichnete, freundschaftliche Beziehung. Er ist ein großer Experte, aber auch ein großer Mensch, der gerne mit Rat und Tat hilft. Wir haben beide einen „Jugo-Background“ und sind beide schon von klein auf Rapidler.

„In meinem Perfektionismus und meiner Arbeitsmenge bin ich Österreicher, aber im Wunsch nach einem möglichst offensiven Spiel Balkaner“, sagt Đuričin. (FOTO: Igor Ripak)

Worin sind Sie Balkaner und worin Österreicher?
In meiner Arbeitsweise und -menge bin ich sicher Österreicher. Das würde ich auch von meiner Eigenschaft sagen, dass ich nie zufrieden bin und immer denke, dass es noch besser geht. Was meine „Jugo-Seiten“ betrifft, ist das sicher das Spiel nach vorne und die manchmal auch riskanten Angriffe. Oft diskutiere ich darüber mit den Assistenztrainern, die meinen, wir müssten etwas geschlossener spielen. Aber offensiver Fußball ist mein Stil und so wird auch das Spiel von Rapid in der kommenden Saison sein. Ich bin eben Balkaner, natürlich auch in meiner Liebe zur Volksmusik.

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Šaban ist der König der Könige. Halid Bešlić, Šerif Konjević, Mitar Mirić, Dragana, Lepa Brena… Die Liste wäre zu lang für diesen Artikel. Ich höre unsere alten Volksmusiker gerne, die Lieder haben eine Seele und berühren mich emotional wirklich. Im Auto höre ich sie liebend gerne. Egal, wie gut wir in Österreich sozialisiert und integriert sind, ist unser Blut doch dicker als Wasser. Das steckt einfach in uns.

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