Neue Zahlen, eine wachsende Debatte und ein System, das Experten zunehmend unter Druck setzt.
Im Jahr 2025 haben laut Statistischem Bundesamt 11.334 Menschen in Deutschland ihr Leben durch Suizid beendet. Das entspricht einem Anstieg von mehr als neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet ergibt sich damit ein Zuwachs von 15,6 Prozent.
Besonders markant fällt die Entwicklung bei Frauen aus: Seit 2023 stieg die Zahl der Suizide in dieser Gruppe um 17,9 Prozent. Die Gesamtverteilung zwischen Männern und Frauen blieb dabei weitgehend stabil – 69,2 Prozent der Fälle entfielen auf Männer, 30,8 Prozent auf Frauen.
Assistierter Suizid
Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) begleitete im vergangenen Jahr 898 Personen beim assistierten Suizid. Deutschlandweit wurden insgesamt 1.288 solcher Fälle registriert, was einem Anstieg von mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Seit der Liberalisierung der Sterbehilfe vor sechs Jahren haben sich neben spezialisierten Organisationen auch Bestatter und niedergelassene Ärzte in diesem Bereich positioniert.
Kritik & Risiken
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention sieht in der liberalen Ausgestaltung der Suizidassistenz ein erhebliches Risiko. Konkret wird befürchtet, dass die geltende Regelung dazu beiträgt, dass psychisch kranke Menschen, die nicht freiverantwortlich handeln, vermehrt den Weg in den assistierten Suizid wählen. Stiftungsvorstand Ulrich Hegerl kritisiert die „extreme Position“, die in Deutschland vorherrsche und es ermögliche, Suizidassistenz auch ohne das Vorliegen einer terminalen Erkrankung oder eines unheilbaren Leidens in Anspruch zu nehmen. Als mahnendes Beispiel zieht er die Entwicklung in den Niederlanden heran.
Menschen, die sich in einer Krise befinden und über Suizid nachdenken, können rund um die Uhr die Telefonseelsorge erreichen – anonym und kostenlos unter den Nummern 0800 / 111 0 111 sowie 0800 / 111 0 222. Darüber hinaus stehen ein Hilfe-Chat und eine E-Mail-Beratung zur Verfügung, um Betroffenen in akuten Notsituationen Unterstützung und Orientierung zu bieten.