Versiegelte Testunterlagen, brisante Zahlen – und ab Herbst sollen erstmals einzelne Schulen öffentlich bewertet werden.
In Wiens Volksschulen sind heute die individuellen Kompetenzmessungen – kurz iKM – angelaufen. Die Testunterlagen waren bereits in der Vorwoche versiegelt an die Schulen übermittelt worden und werden nun erstmals geöffnet. Geprüft werden Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Schulstufe in den Fächern Deutsch und Mathematik.
Die vorliegenden Ergebnisse früherer Erhebungen zeichnen für Wien ein deutliches Bild: Der Anteil der Kinder, die die Bildungsstandards verfehlen, liegt in der Bundeshauptstadt über dem österreichischen Durchschnitt – vor allem im Bereich Deutsch. Beim Leseverständnis erfüllten bundesweit etwa 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Anforderungen nicht; in Wien betrug dieser Anteil 23 Prozent. Vergleichbare Abweichungen zeigten sich auch beim Zuhören und Schreiben.
In der Auswertung wurde allerdings darauf hingewiesen, dass viele Wiener Schulen unter schwierigen sozioökonomischen Bedingungen arbeiten, was den Gesamtdurchschnitt entsprechend beeinflusst. Schulen in Österreich werden anhand objektiver Daten der Statistik Austria in sechs sozioökonomische Kategorien (SÖL 1 bis 6) eingeteilt, wobei Kategorie 6 die beste und Kategorie 1 die schwächste Ausgangslage darstellt.
Geplante Schulrankings
Bisher wurden die Ergebnisse einzelner Schulen nicht öffentlich zugänglich gemacht. Das soll sich ab Herbst ändern: Dann ist vorgesehen, standortbezogene Daten zu veröffentlichen, die auch als Grundlage für künftige Schulrankings dienen sollen. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) bezeichnet diesen Schritt als überfällig.
Schulen sollten voneinander lernen und sich weiterentwickeln können. Zudem solle eine datengestützte gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Schulsystem angestoßen und Eltern bei ihrer Schulwahl eine bessere Orientierung geboten werden.
Ein herkömmliches Ranking ist laut Ministerium allerdings nicht das Ziel. Die Daten sollen stets in ihrem jeweiligen Kontext präsentiert werden, und Vergleiche sollen ausschließlich zwischen Schulen mit vergleichbaren Ausgangsbedingungen angestellt werden. Faktoren wie der soziale Hintergrund der Schülerinnen und Schüler, ihre wirtschaftliche Situation oder das sprachliche Umfeld sollen dabei ausdrücklich berücksichtigt werden.
Gewerkschaft skeptisch
Auf breite Zustimmung stoßen die Pläne dennoch nicht. Die Lehrergewerkschaft richtet ihre Kritik vor allem gegen die geplante Veröffentlichung der Daten. Ursprünglich sei man davon ausgegangen, dass die Ergebnisse ausschließlich intern zur Qualitätssicherung herangezogen werden.
Darüber hinaus stellen die Gewerkschaftsvertreter die Vergleichbarkeit der erhobenen Daten grundsätzlich infrage. Schule lasse sich nicht allein über Testergebnisse abbilden, heißt es. Aspekte, die für Eltern ebenfalls entscheidend seien – etwa das pädagogische Konzept oder Betreuungsangebote – würden in den Zahlen nicht berücksichtigt.
Aus Sicht der Gewerkschaft besteht daher die Gefahr, dass ein verzerrtes Bild entsteht. Die Veröffentlichung könnte Eltern im schlimmsten Fall mehr verunsichern als unterstützen. Wie der ORF berichtet, gelten die heurigen Tests als besonders brisant: Zuletzt lagen die Ergebnisse der Wiener Schulen unter jenen aus den Bundesländern – und im Herbst sollen erstmals standortbezogene Daten öffentlich gemacht werden.