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Arbeitskonflikt

Nicht auf dem Rücken der Beschäftigten!“ – Gewerkschaft blockiert Sonntagshandel

Nicht auf dem Rücken der Beschäftigten!“ – Gewerkschaft blockiert Sonntagshandel
(Foto: Pexels)
3 Min. Lesezeit |

Der Streit um die Sonntagsöffnung im Wiener Handel spitzt sich zu. Während die Wirtschaftskammer mehr Flexibilität fordert, stellt die Gewerkschaft GPA eine klare Bedingung.

Die Wiener Wirtschaftskammer und die Gewerkschaft GPA stehen bei der Frage nach Sonntagsöffnungen im Handel auf gegensätzlichen Positionen. Während Kammerpräsident Walter Ruck für eine Liberalisierung der Öffnungszeiten eintritt, lehnt die Arbeitnehmervertretung diesen Vorstoß kategorisch ab.

Mario Ferrari, Bundesgeschäftsführer der GPA und Leiter der Kollektivvertragsarbeit, sieht in der Debatte eine falsche Prioritätensetzung: „Wenn Wien die lebenswerteste Stadt bleiben soll, sollte man vielleicht bei den über 100.000 Handelsangestellten, die von derartigen Vorschlägen betroffen wären ansetzen, und nicht bei den Wünschen von Tourist:innen“, betont Ferrari.

Er verweist auf eindeutige Zahlen: „Und sie lehnen Sonntagsarbeit mit einer überwältigenden Mehrheit von 95 Prozent ab“, sagt Ferrari in Bezug auf eine Umfrage der Gewerkschaft GPA unter Handelsangestellten.

Die Position der Gewerkschaft sei daher unmissverständlich: „Sonntagsarbeit auf dem Rücken der Beschäftigten wird es mit uns nicht geben!“ Das Argument der Freiwilligkeit, mit dem die Wirtschaftskammer für die Sonntagsöffnung wirbt, hält Ferrari für realitätsfremd: „Die von Herrn Ruck betonte Freiwilligkeit mag es für Unternehmen geben, aber sicher nicht für die Beschäftigten“, führt Ferrari aus.

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Rechtslage stützt Gewerkschaftsposition

Die aktuelle österreichische Rechtslage unterstützt die Gewerkschaftsposition: Verkaufsstellen im Handel müssen an Sonntagen und Feiertagen grundsätzlich geschlossen bleiben. Ausnahmen gelten lediglich für spezielle Betriebe wie Flughafen- und Bahnhofsshops oder bei besonderem regionalen Bedarf durch Verordnung der Landeshauptleute. Eine generelle Sonntagsöffnung im Wiener Handel ist derzeit nicht Teil des Regierungsprogramms.

Belastende Arbeitsbedingungen

Schon jetzt sei die Arbeitszeiteinteilung für viele Handelsangestellte problematisch – kurzfristiges Einspringen und geringe Mitbestimmung bei Dienstplänen seien an der Tagesordnung. „Für viele ist der Sonntag der einzige verlässlich freie Tag für Familie und Freunde, und damit entscheidend für Lebensqualität und soziale Teilhabe.“

Die Arbeitsbedingungen im Handel seien bereits jetzt belastend genug, argumentiert der Gewerkschafter: „Schon jetzt klagen viele über körperliche und seelische Belastung. Und auch der Personalmangel würde sich durch Sonntagsarbeit weiter verschärfen. So machen wir den Handel sicher nicht attraktiver“, beschreibt Ferrari die Konsequenzen.

Auswirkungen auf Frauen

Besonders problematisch sieht die Gewerkschaft die Auswirkungen auf weibliche Beschäftigte, die rund 70 Prozent der Belegschaft im Handel stellen: „Die Vereinbarkeit von Job und Betreuung ist schon jetzt für viele ein Problem. Fehlende Betreuungsangebote am Sonntag verschärfen das noch einmal massiv. Das zeigt einmal mehr, wie wenig der aktuelle Vorstoß mit der Lebensrealität der Beschäftigten zu tun hat“, kritisiert Ferrari.

Als Hauptgründe für die Ablehnung der Sonntagsarbeit nennen die Beschäftigten in der GPA-Umfrage neben fehlender Kinderbetreuung auch zusätzliche Belastungen und die zentrale Bedeutung des Sonntags als einzigen verlässlichen freien Tag für Familie und soziale Teilhabe.

Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht zweifelt die Gewerkschaft am Nutzen der Sonntagsöffnung: „Von einer Sonntagsöffnung profitieren vor allem große Ketten. Für kleinere Betriebe bedeutet sie hingegen höhere Kosten, ohne dass fixe Mehreinnahmen garantiert wären“, so Ferrari.

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KO KOSMO-Redaktion
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