Rassismus in verkleideter Form: Ab wann darf man denn ein Dirndl tragen?

KULTUR

Rassismus in verkleideter Form: Ab wann darf man denn ein Dirndl tragen?

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Die 25 Jährige trägt seit ihrer Kindheit gerne Dirndl. (Foto: Privat)

Eine Wahlwienerin hat ihr Dirndl angezogen und wollte ein Weinfest besuchen. Soweit nichts ungewöhnliches, doch die Bayerin ist schwarz. Sie wurde zur Zielscheibe rassistischer Anfeindungen. Ab wann hat man denn einen Anspruch die österreichische Tracht zu tragen?

Als gebürtige Bayerin trägt Imoan Kinshasa Tracht seit ihrer Kindheit. Ein Weinfest ist ein Ort der Tradition. Deshalb zog auch die Wahlwienerin Kinshasa ihr Dirndl an, als sie sich das Fest in Traiskirchen besuchte. Manche ihrer Kleider hat sogar ihre Oma selbst genäht: ein schwarzes Mädchen in traditioneller Trachtenkleidung, im bayrischen Trachtenverein war Imoan Kinshasa „ein Star“. Die Liebe für Tracht und die damit verbundene Kultur ist für die 25-Jährige nach wie vor wichtig.

Als sie mit ihren Freunden das besagte Fest besuchte, habe sie sich wunderschön und stark gefühlt, schrieb sie in einem Facebook-Posting (Das ursprüngliche Facebook-Posting wurde von Facebook gelöscht. Es verstoße gegen die Richtlinen gegen Hate-Speech). Doch als sie nach Hause kam war sie den Tränen nahe. Die junge Frau zeigt ein Bild des allgegenwärtigen Alltagsrassismus in Österreich auf. Eine Dunkelhäutige in einem Dirndl? Das geht zu weit.

Imoan Kinshasa war mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Als sie bei der Station der Badner Bahn aussteigt, wird sie angestarrt. „Jetzt hab ich alles gesehen, ein N**** im Dirndl, das kann ich jetzt abhaken!“, rufen Jugendliche ihr zu. Die Besucher des Weinfestes glotzen und lästern, lachen sie aus und starren sie hasserfüllt an. „Ich kann keinen Schritt machen, ohne das Gerede und Gelächter zu hören“, sagt sie. Und das alles, weil sie ein Kleid an hat, das den „Österreichern“ gehören soll? Haben etwa nur bestimmte Menschen Anspruch auf Tracht?

„Ich fühle mich meiner selbst beraubt“
Imoan Kinshasa ist eine Deutsche, eine Europäerin, eine Wienerin. Sie ist kein gelungenes Beispiel von Integration, denn sie braucht sich nicht in eine Gesellschaft zu integrieren in die sie hineingeboren wurde. „DAS ist meine Kultur. Ich kenne nur Bayern und Österreich. Lederhosen und Bier. Ich fühle mich meiner selbst beraubt“, schreibt sie. Aber ihre Hautfarbe ist für die Menschen auf diesem Fest nicht richtig. „Für diese Leute ist ein ‚N**** in Tracht‘ eine Karikatur, für den ein oder anderen gar eine Beleidigung.“ Es ist dieser offen gelebte Alltagsrassismus, der ausgrenzt und verletzt. „Ich fühle mich wie eine Aussätzige. Beobachtet und exponiert. […] Ich habe mich gefühlt wie ein Alien, als wäre ich hier verboten“ so die 25-Jährige.

Migranten sollen stolz Tracht tragen
Das Posting von Imoan Kinshasa geht nahe. Ihr Beitrag wurde Tausende Male auf Facebook geteilt und geliked: „Ich fühle mich ausgeschlossen und eingeschränkt. Strache und Co haben recht, es gibt No-Go-Areas, für mich mittlerweile definitiv. Am liebsten würde ich mir die Decke über den Kopf ziehen, mich verstecken und nicht mehr raus gehen. Dieser antrainierte Hass zerfrisst mich innerlich.“

Das ist die traurige Erfahrung einer Frau, die sich hier heimisch fühlt. Für viele Menschen mit einem sogenannten „Migrationshintergrund“ gibt es keine andere Heimat außer Österreich. Wenn man aber hier von den Menschen zurück gewiesen wird, fällt es schwer sich hier wohl zu fühlen. Wie soll man ein Teil der Gesellschaft werden, wenn man ausgegrenzt wird? Menschen wie Imoan Kinshasa bekommen den unerklärten Hass, die Spitzen Bemerkungen und Abneigung ab, erzeugt durch hetzerische Politik. Solche Vorfälle müssen entschieden verurteilt werden, denn Rassismus, Antisemitismus und Islamophobie haben in Österreich keinen Platz. Menschen, die auf den ersten Blick, sei es wegen des Namens oder der Hautfarbe, nicht als „Österreicher“ gelten, sollen stolz die österreichische Tracht tragen können, ohne schief angeschaut zu werden.