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KRIEGSVERBRECHEN

Richterin Nyamba war gegen Verurteilung von Ratko Mladić

(FOTOS: Screenshot Twitter)

Richterin Prisca Matimba Nyambe hat sich einen Platz in den Geschichtsbüchern als Vorsitzende einer der bedeutendsten Anhörungen der Berufungskammer zu Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesichert. Sie war verblüffender Weise mit fast keinem der Urteile gegen Mladić einverstanden.

Wie KOSMO berichtete, wurde Ratko Mladić gestern zu einer lebenslänglichen Strafe hinter Gittern verurteilt. Das UN-Kriegstribunal bestätigte damit das erstinstanzliche Urteil. Mladić war für die schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, einschließlich Völkermords, verantwortlich. Den Vorsitz der Berufungskammer hatte die Richterin Prisca Matimba Nyamba aus Sambia inne. Wie sich jetzt herausstellte, vertrat sie eine andere Meinung, als die anderen Ratsmitglieder, die Mladics lebenslängliche Strafe bestätigten. In einer gesonderten Stellungnahme erklärte sie, dass der Prozess gegen Ratko Mladic vor einer anderen Kammer wiederholt werden sollte, da zu viele Fehler gemacht wurden.

Die Richterin wurde auch vom Sohn des Kriegsverbrechers, Darko, gelobt. Er sagte sie sei die einzige, die den Mut hatte zu sagen: „Sie haben alles falsch gemacht“ und „das sind nicht die Fakten“. Nyamba stimmte nicht mit der Position überein, dass die gewaltsamen Vertreibung der Bevölkerung ein gemeinsames kriminelles Unternehmen einzelner Personen der serbischen Streitkräfte und der RS-Führung war. Sie behauptete unter anderem, dass die Bevölkerung von selber aus gehen wollte. Auch dass es einen beabsichtigten Völkermord gab, bezweifelte sie.    

„Ich kann auch nicht auf der Grundlage der Beweise schließen, dass muslimische Zivilisten in den Enklaven Srebrenica und Žepa von serbischen Streitkräften mit der gesuchten besonderen Absicht verfolgt wurden“, schrieb Nyamba in einer separaten Stellungnahme.

Bewunderung
Sie hatte sogar bewundernde Worte für Mladić und wies zum Beispiel auf ein Treffen im Hotel Fontana hin, bei dem er den niederländischen UN-Kommandanten einschüchterte, die muslimischen Zivilisten auszuliefern, und bemerkte, dass der General „gastfreundlich gewesen sei und den Anwesenden Trost angeboten habe, wie Zigaretten, Bier und Sandwiches zum Mittagessen“. Sie sagte auch, dass die Trennung muslimischer Männer und Jungen von ihren Familien „zur legitimen Überprüfung auf Kriegsverbrecher“ vorgenommen wurde.