Fast 3.000 Rinder, monatelang auf See, mitten in einem internationalen Rechtsstreit – ein Waldviertler Viehhändler steht nun vor Gericht.
Im Herbst 2025 transportierte das Frachtschiff „Spiridon II“ knapp 3.000 Rinder von Uruguay in die Türkei. Während der mehrwöchigen Reise verendeten zahlreiche Tiere, 140 Kühe brachten unter widrigen Bedingungen an Bord ihre Kälber zur Welt – so hielt es die Animal Welfare Foundation in einer gemeinsamen Aussendung mit dem Tierschutzbund Zürich fest. Auch die „ZiB2″ des ORF griff den Fall auf.
Nach dem Einlaufen in einen türkischen Hafen konnten die Tiere das Schiff wegen fehlender Einfuhrgenehmigungen zunächst nicht verlassen. Erst nach insgesamt mehr als zwei Monaten an Bord wurden sie schließlich in Libyen entladen. Als Ursache für die verweigerte Einreise gilt, dass rund 500 der transportierten Tiere nicht über die erforderlichen Importzulassungen verfügten.
Das EU-Recht schreibt für Tiertransporte per Schiff eine maximale Dauer von 4 Wochen (28 Tagen) vor. Die Transportdauer im Fall der „Spiridon II“ lag damit deutlich über der zulässigen Grenze.
Gegenseitige Vorwürfe
Das betroffene Unternehmen wies die erhobenen Vorwürfe zurück. Verzögerungen habe es aus Gründen gegeben, „die nicht von uns zu vertreten sind“, hieß es in einer der „ZiB2″ übermittelten Stellungnahme. Der Käufer sei „in die Abläufe eingebunden“ gewesen, habe „diese Verladung überwacht und übernommen“ – und das Schiff mit den Tieren im türkischen Hafen „gerichtlich blockiert“.
Den laufenden Rechtsstreit mit den türkischen Importeuren bestätigte das Unternehmen, von diesen fordert die niederösterreichische Firma ihrerseits Geld. Für die APA war das Waldviertler Unternehmen vorerst nicht erreichbar.
Klage in Österreich
Die türkischen Importeure machen nun den Viehhändler aus dem Waldviertel für den Ablauf des Transports verantwortlich. Er soll die gesamte Verschiffung organisiert haben – und die Tiere sollen trotz des Wissens um eine mögliche Einfuhrverweigerung verladen worden sein.
Die Importeurseite hat rechtliche Schritte eingeleitet; im Raum steht eine Forderung von zwei Millionen Dollar, umgerechnet rund 1,72 Millionen Euro. Eine entsprechende Zivilklage wurde in Österreich eingebracht.